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Werder verschenkt wieder Sieg gegen Nürnberg

Jannik Sorgatz 02.02.2019 28 Kommentare

(nordphoto)

Dass es der Dreiklang Nürnberg, Dortmund, Augsburg in sich hat für Werder, erschließt sich vielleicht nicht jedem sofort. Doch gerade die beiden Bundesligaspiele, die das Pokalspiel in Dortmund am Dienstag einrahmen, dürften die Weichen stellen für den Rest der Bremer Saison. Das Resultat der ersten von drei Aufgaben in neun Tagen ist deshalb ein ernüchterndes: Werder holte beim Tabellenschlusslicht 1. FC Nürnberg nur einen Punkt. Den Führungstreffer des eingewechselten Johannes Eggestein glich Mikael Ishak kurz vor Schluss aus. Auch spielerisch untermauerte Bremens Auftritt beim 1:1 im Frankenland keine internationalen Ansprüche.

Zum vorerst letzten Mal war das Überraschungspotenzial bei Werders Aufstellung ein wenig eingeschränkt gewesen. Philipp Bargfrede fehlte in Nürnberg aufgrund einer Gelbsperre, Yuya Osako befand sich auf der Rückreise vom Asien-Cup aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wenn beide wieder zur Verfügung stehen, wird es wieder Härtefälle im Kader geben. Dass Florian Kohfeldt in der Offensive den wieder genesenen Milot Rashica brachte, Siegtorschütze im ersten Rückrundenspiel bei Hannover 96, war genauso erwartet worden wie Nuri Sahin als Bargfrede-Ersatz auf der Sechserposition. Und selbst Milos Veljkovics Rückkehr in die Innenverteidigung anstelle von Sebastian Langkamp war keine Sensation. Der Serbe hatte als Langkamp-Vertreter beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt 54 Minuten lang überzeugend vorgespielt.

Nürnberger blocken sich selbst

Kohfeldt hatte von seiner Mannschaft gefordert, die Aufgabe in Nürnberg mit derselben Überzeugung anzugehen wie das Topspiel gegen Frankfurt unter Flutlicht im Weserstadion. „Kompletter Fokus, komplett drauf“, lautete die Devise des Trainers. In der Findungsphase der Partie passierte wenig, nur einmal kombinierte sich Werder in den gegnerischen Strafraum, wo Max Kruse, Davy Klaassen und Co. mehr für gefühlte als für reelle Gefahr sorgten. Nürnberg ließ sich in der 14. Minute erstmals nennenswert vorne blicken: Werder hatte durchaus Glück, dass Virgil Misidjan den Schuss seines Kollegen Matheus Pereira blockte.

Tatsächlich wirkten die Bremer nicht annähernd so elektrisiert wie in der Vorwoche, wenngleich zumindest die mitgereisten Fans ein gutes Bild im Gästeblock abgaben. Auch Nürnberg trug wenig dazu bei, Argumente für die Attraktivität der Bundesliga zu sammeln. Als Martin Harnik mit gleich drei Gegnern zusammenprallte und der Ball für zwei Minuten ruhte, war das Tempo kaum geringer als im laufenden Spiel. In der ersten halben Stunde schafften es nur noch eine unübersichtliche Situation nach einer Nürnberger Ecke und direkt darauf folgendes taktisches Foul an Max Kruse auf den Notizzettel. Unterm Strich konnten die Gastgeber mit dem ersten Drittel des Spiels zufriedener sein. Sie hatten zuvor immerhin sechs Spiele in Folge verloren. Hanno Behrens verpasste am zweiten Pfosten Tim Leibolds Flanke nur knapp.

Kohfeldt wechselt doppelt

Während die Bremer mangels besserer Ideen verblüffend oft zu langen Bällen griffen, spielte Nürnberg nun sogar den besseren Fußball. Es dauerte bis zur 39. Minute, bis Maximilian Eggestein offiziell den ersten Torschuss der Gäste abgab, der abgeblockt wurde. Die folgende Ecke von Milot Rashica missriet völlig. „Wir dürfen uns damit nicht zu sehr schmücken“, hatte Eggestein unter der Woche im Mein-Werder-Interview über den attraktiven Fußball seines Teams gesagt. In den ersten 45 Minuten gegen Nürnberg bestand in dieser Hinsicht keinerlei Gefahr. Die 39. Halbzeit der Saison reihte sich unter den bislang schwächsten ein. Bei den Expected Goals, die die Qualität der Torabschlüsse beider Mannschaften wiedergeben, kam Nürnberg zu diesem Zeitpunkt auf 0,17, Werder auf 0,07 – ungefährlicher geht es kaum.

Entsprechend deutlich fiel Kohfeldts Reaktion aus: Josh Sargent und Johannes Eggestein kamen für Milot Rashica und Martin Harnik. Unfreiwillig mussten dagegen die Gastgeber wechseln. Für Leibold ging es nach dem Zusammenprall in der Anfangsphase doch nicht weiter. Nach weniger als zwei Minuten verdoppelte Sargent die Bremer Torschussausbeute: Sein Kopfball nach Ludwig Augustinsson Ecke ging über das Tor. Den großen Durchbruch erlebte die Partie trotzdem erst einmal nicht, wozu eine Pyro-Unterbrechung, verursacht durch den Bremer Gästeblock, ihren Teil beitrug.

Johannes Eggestein staubt ab

Hinein in die Tristesse des Nachmittages setzte Maximilian Eggestein mit einem Linkschuss ein seltenes Zeichen, Christian Mathenia wehrte zur Ecke ab. Einen Moment später lag Nürnbergs Keeper benommen am Boden, er war mit Theodor Gebre Selassie zusammengeprallt. Für Mathenia ging es weiter, und während er sich noch sammelte, schlug es fast aus dem Nichts ein in seinem Tor. Halblinks im Strafraum landete der Ball so bei Augustinsson, dass ein Fallrückzieher die einzige Möglichkeit war, ihn zu weiterzuleiten. Der Versuch gelang nur halbwegs und landete trotzdem am zweiten Pfosten bei Johannes Eggestein, der den Ball in der 64. Minute über die Linie drückte.

In der Folge wirkte Werder etwas spritziger, kam dem zweiten Tor aber nicht sonderlich nah. Dafür konnte sich die Mannschaft glücklich schätzen, dass Behrens den Ball nach Jiri Pavlenkas Fußabwehr nicht reflexartig ins Tor, sondern daneben schoss. Kurz darauf klärte Niklas Moisander eine scharfe Hereingabe rechtzeitig vor Federico Palacios. Für Werder gab es keinen Anlass, sich des Sieges sicher zu fühlen. Die Gastgeber gingen personell in der Schlussphase mehr Risiko. Kohfeldt antwortete keineswegs mit einer Mauer-Maßnahme, sondern brachte Kevin Möhwald, den ehemaligen Nürnberger, für Sahin.

Schon wie im Hinspiel gelang dem FCN der späte Ausgleich: Ishak traf mit einem präzisen Linksschuss in der 87. Minute zum 1:1. Plötzlich war sogar der eine Punkt für Werder in Gefahr, doch es blieb beim Unentschieden.


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