Werder vor enormer finanzieller Herausforderung

Welche finanziellen Folgen hat die Corona-Krise für die Fußballklubs? Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald warnt vor Panik und spricht von einer enormen Herausforderung für den Verein.

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Sorgenvolle Mienen: Die Werder-Geschäftsführer Frank Baumann und Hubertus Hess-Grunewald müssen sich auch mit den finanziellen Folgen der Spielabsagen beschäftigen.

Sollte die Bundesliga-Saison wegen des Coronavirus tatsächlich abgebrochen werden, könnte das für Werder einen ausgesprochen positiven Aspekt haben. Falls der Plan, nach dem es in diesem Fall keine Absteiger gibt, umgesetzt würde, entgingen die Bremer der Zweitklassigkeit. Einen ausgesprochen negativen Aspekt gäbe es aber auch, und der wäre finanzieller Natur. Sechs Heimspiele sieht der Spielplan für Werder noch vor. Werder kalkuliert nach WESER-KURIER-Informationen pro Partie im Weserstadion mit etwa 1,5 Millionen Euro durch Ticketverkauf, Catering und Merchandising. Dazu kommen die Sponsoreneinnahmen. Bei Geisterspielen ohne Zuschauer würden diese aufgrund der TV-Übertragung größtenteils trotzdem fließen, bei einer Komplettabsage würden sie wegbrechen. Dann müsste Werder mit schmerzhaften Einnahmeausfällen im zweistelligen Millionenbereich zurechtkommen.

Präsident und Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald wollte offiziell keine Zahlen nennen, sagte aber: „Es herrscht eine große Ungewissheit, weil wir mit bestimmten Einnahmen, die wir eingeplant haben, nicht mehr sicher planen können. Man kann sagen, dass das für uns eine enorme Herausforderung ist. Wir müssen uns sehr intensiv Gedanken machen.“ Allerdings seien die Folgen im Einzelnen schwer vorherzusehen, „weil ich aktuell beim besten Willen nicht weiß, wie viele Geisterspiele wir noch haben und welche konkreten finanziellen Auswirkungen das dann hat.“ Für das geplante Geisterspiel gegen Leverkusen, das schließlich doch abgesagt wurde, wollte Werder den Inhabern von Dauerkarten und Tageskarten bereits das Eintrittsgeld erstatten. Dieser Vorgang wurde nun erst einmal gestoppt, falls das Spiel doch noch irgendwann mit Zuschauern nachgeholt werden kann.

Wichtiger Faktor Fernsehgeld

Mit seinen Sorgen steht der SV Werder nicht alleine da. Die Absage der laufenden Saison könnte für die Bundesligisten einen ökonomischen Schaden von rund 750 Millionen Euro zur Folge haben. Das schreibt die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich dabei auf Ligakreise. Allein durch den Wegfall der Fernsehgelder für die verbleibenden neun Spieltagen würden demnach 370 Millionen Euro fehlen. Der weitere finanzielle Schaden entstünde durch zurückgeforderte Sponsorengelder und entgangene Eintrittsgelder. Kein Klub ist gegen ausbleibende TV-Einnahmen versichert. Eine Hoffnung könnte der Plan sein, nach dem es bei einem Saisonabbruch keine Absteiger und nur Aufsteiger gibt. Die Bundesliga könnte dann in der kommenden Saison mit 20 oder 22 Mannschaften ausgetragen werden, wodurch die TV-Sender mehr Spiele zeigen könnten. Nach WESER-KURIER-Informationen haben die Fußballklubs die Hoffnung, auf diese Art die Regressforderungen der Fernsehsender im Falle eines Saisonabbruchs abwenden zu können.

Ob das klappt, ist noch völlig offen. Die finanziellen Aspekte der Spielausfälle werden eines der Themen sein, über die am Montag bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) gesprochen wird. „Wenn über mehrere Wochen nicht gespielt wird oder wenn möglicherweise Geisterspiele durchgeführt werden, wird sich die wirtschaftliche Situation vieler Vereine signifikant verschlechtern. Dann muss man darüber sprechen, ob die DFL diese Situation durch bestimmte Maßnahmen etwas entspannen kann“, sagte Hess-Grunewald. Die DFL prüft bereits, ob kurzfristige finanzielle Engpässe durch eine vorzeitige Ausschüttung von Fernsehgeldern behoben werden können. Auch beim Lizensierungsverfahren sollen die unerwarteten Belastungen der Klubs berücksichtigt werden. Die Idee eines Solidarfonds für Klubs macht zudem gerade die Runde, sie dürfte aber schwer zu realisieren sein.

„Größte Krise des Profi-Fußballs“

„Es steht zu hoffen, dass die Bundesliga-Klubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen“, sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und sprach von der „größten Krise in der Geschichte des deutschen Profi-Fußballs“. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte: „Es steht noch eine hohe Zahlung von den TV-Broadcastern aus. Wenn diese Zahlung ausbleiben würde, wäre zu erwarten, dass zumindest viele kleine und mittlere Vereine finanzielle Probleme kriegen würden.“ Vereine wie Dortmund oder der FC Bayern, die seit vielen Jahren in der Champions League Millionen einnehmen, dürften über genug Rücklagen verfügen, um die Einnahmeausfälle aufzufangen. Für Vereine wie Werder könnte ein Saisonabbruch tatsächlich existenzbedrohend werden.

Bei der ständigen Jagd nach Erfolgen werden Einnahmen in der Bundesliga zumeist sofort wieder investiert, um neue Spieler zu verpflichten. Nachhaltig gewirtschaftet wird selten, das könnte einigen Klubs nun zum Verhängnis werden. In Bremen mahnte Werder-Präsident Hess-Grunewald aber zur Besonnenheit. „Jetzt bitte keine Panik schüren“, forderte er. „Wir haben gegenüber unseren Mitarbeitern klar kommuniziert, dass keiner über ist. Die weiteren Aufgaben möchten wir mit dieser Mitarbeiterschaft bewältigen. Wir sollten bei den Mitarbeitern keine Ängste schüren, für die es keinen Anlass gibt.“

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