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„Wieder auf Start“

(mw) 26.06.2019 0 Kommentare

(Archiv WESER-KURIER)

Am 27. Juni 2014 schrieb der WESER-KURIER:

Die große Überraschung schlich sich heimlich, still und leise in die Pressekonferenz. Auf einem der beiden Monitore, die im Medienraum des Weserstadions hängen, lief Donnerstag der ARD-Videotext, Tafel 265, und die zeigte Werders Transfers des Sommers. Die Abgänge, angeführt von Aaron Hunt. Und die Zugänge, angeführt von Fin Bartels. Aber warum, da guckten die Journalisten verblüfft, steht da plötzlich Timothy Chandler?

Nein, Timothy Chandler wird nicht Bremer. Der US-Nationalspieler hat schon bei Eintracht Frankfurt unterschrieben und passt sowieso nicht ins Bremer Beuteschema. So sorgte die technische Fehlfunktion im Videotext für Erheiterung bei Medienvertretern, Trainer Robin Dutt und bei Sportchef Thomas Eichin, der in diesem Fall nicht einmal zu dementieren brauchte. Er hatte ohnehin schon vorher gesagt, was personell noch passieren soll in dieser Saisonvorbereitung, die Donnerstag mit dem nachmittäglichen Laktattest und einer Einheit im Stadion beginnen sollte.

Werder braucht und will einen Nachfolger für Aaron Hunt. „Optimalerweise wollen wir noch zwei Positionen besetzen mit Spielern, die über eine gewisse Offensivpower verfügen“, sagt Eichin deshalb und spricht kein Geheimnis aus. „Das ist das Wunschkonzert, da arbeiten wir dran.“ Geheim dagegen bleiben Namen, und wenn selbst die bekannt sind, werden Nachfragen ebenso nonchalant wie geheimniskrämerisch umgangen.

Zum Beispiel bei Izet Hajrovic. An dem 22-Jährigen ist Werder interessiert, das ist bekannt. Aber ob es den Bremern in die Karten spielt, dass sich der Offensivspieler mitsamt seiner bosnischen Nationalmannschaft schon von der WM-Bühne verabschiedet hat, sich dort also nicht mehr präsentieren und in die Wahrnehmung von wirtschaftlich potenteren Klubs spielen kann? Nein, darauf gibt’s keine Antwort, weder von Dutt noch von Eichin. Nur so viel: Die geplante Investition dürfte verhältnismäßig üppig ausfallen. „Es sind die Positionen“, sagt Eichin zu den Planungen, „die sicher schon ein paar Euro im Gehaltsbereich kosten werden, das ist richtig.“

Die Zeit ist ohnehin noch lang bis zum Saisonstart. Die Liga beginnt erst in acht Wochen, die Vorbereitung nimmt erst noch den Umweg über die vor allem aus wirtschaftlichen Gründen organisierte PR-Reise nach China. Um das Wort „Geduld“ in den Mund zu nehmen, eine der beliebtesten Vokabeln der vergangenen Saison, brauchten beide, Robin Dutt und Thomas Eichin, während der Pressekonferenz kaum mehr als fünfeinhalb Minuten.

Da ähnelt die neue Saison schon jetzt der alten – mehr der Parallelen sind allerdings auch nicht gewünscht. Bloß nicht wieder Abstiegskampf. Bloß nicht wieder 66 Gegentore wie in zwei Jahren hintereinander. Möglichst nicht wieder die ständige Suche nach der Balance von Defensive und Offensive. „Wir können“, ist sich Dutt heute sicher, „anders arbeiten als vor einem Jahr.“ Vor einem Jahr, da war er neu, musste etwas Neues aufbauen im unendlich langen Schatten von Thomas Schaaf. Die Grundlagen zu vermitteln, kostete Zeit. „Bausteine“ vermittle er, sagte der Trainer damals.

In diesem Jahr dienen Dutt diese Bausteine als Basis, er kann auf ihnen aufbauen und neue Schwerpunkte legen. Zum Beispiel in der Physis: Den Spielern hat er schon vor dem Abschied in die Sommerpause prophezeit, dass die Vorbereitung 2014 anstrengender wird als die in 2013. „Schweiß wird fließen, auch wenn die Sonne nicht scheint“, sagt Dutt. „Wir müssen die Mannschaft körperlich in die Lage bringen, dass sie auch mental stark spielen kann.“ So wird es ein „sehr straffes und auch ein sehr hartes Vorbereitungsprogramm“ geben. Ziel sei es, „den nächsten Schritt zu machen“.

Das ist schön dahergesagt, zumal niemand genau definiert, wie weit das gehen soll. „Wie groß der Schritt werden kann, ist momentan noch schwer zu sagen“, gibt Dutt unumwunden zu, und auch Eichin hält sich bedeckt: „Zum momentanen Zeitpunkt möchte ich keine Ziele ausgeben.“ Schließlich hat Werder Abgänge zu verkraften, zuvorderst den von Aaron Hunt. Die neue Bremer Perspektive misst sich auch an seinem Ersatz. Timothy Chandler wird es jedenfalls nicht sein.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).


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