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Die Bundesliga-Kolumne
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Wo bleibt die von allen gewollte Fairness?

Peter Gagelmann 28.09.2019 0 Kommentare

Peter Gagelmann
Peter Gagelmann (nordphoto / Archiv)

Fünf Spieltage sind gelaufen und die Diskussionen um Schiedsrichterentscheidungen leider schon wieder entbrannt. Die zu Saisonbeginn geänderten Regeln und die damit verbundenen Veränderungen des Spiels sorgen – für mich nicht unerwartet – für Verwirrung unter den Fans. Ob es der Abstoß ist, der nicht mehr außerhalb des Strafraums angenommen werden muss, die veränderte Handspielregel, welche es den Schiedsrichtern nicht wirklich einfacher macht, oder auch das Zeigen von gelben und roten Karten gegen Offizielle (Trainer) einer Mannschaft. Das alles sorgt für Unruhe in der Fangemeinschaft.

Da ist es nicht verwunderlich, dass auch die für viele noch immer ungewohnte Unterstützung des Schiedsrichterteams im Stadion aus dem Videocenter in Köln für Unverständnis sorgt. Leider fehlt noch die perfekte Transparenz für die Zuschauer im Stadion. Das ist aber nur ein Faktor. Faktische Entscheidungen wie Abseits und Handspiel bei Torerzielung sind schnell erklärbar. Und wie immer bei richtigen Schiedsrichterentscheidungen normal und schnell vergessen. Geht es um im ersten Moment nicht eindeutige Spielszenen, haben wir eine Diskussion auf einer anderen Ebene. Regelunkenntnis spielt dabei immer noch die größte Rolle.

Meine Erfahrungen aus den letzten Wochen als stiller Beobachter direkt vor Ort in Köln sind: Die Atmosphäre bei Spielern und Offiziellen im Stadion pendelt zwischen „ungerecht behandelt fühlen“, „Schuldzuweisungen“ und „mit allen Mitteln ein Spiel gewinnen“. Nach wie vor gibt es Respektlosigkeit und herrscht Verwunderung, wenn Unsportlichkeiten, bis zur Obergrenze ausgereizt, auch noch sanktioniert werden.

Selbstverständlich wird es auch mit einer Unterstützung der Videoassistenten keine perfekte Spielleitung geben. Der Faktor Mensch spielt eben noch die größte Rolle. Fehler gehören zum Leben und zum Sport. Wer entscheidet überhaupt, was ein Fehler, eine richtige Entscheidung oder eine falsche ist? Häufig wird bei nicht eindeutigen Spielsituationen je nach Teamzugehörigkeit oder journalistischem Interesse eine Bewertung von Schiedsrichterentscheidungen vorgenommen. Und so wird eine extrem subjektive Meinung verbreitet.

In keiner anderen Sportart wird über Schiedsrichter diskutiert wie im Fußball. Entscheidungen hinnehmen und akzeptieren ist da scheinbar undenkbar. Weder im Handball, Basketball noch im Hockey wird derart reklamiert. Auch wenn es viele nicht mehr hören mögen, Strahlkraft und Vorbildfunktion aller am Bundesligafußball Beteiligten ist am Verkauf von Tickets und Trikots messbar. Noch viel mehr zu erleben sind sie auf Sportanlagen, wo man erfährt, wie respektlos schon im Jugendfußball agiert wird. Jede Mannschaft wird an Punkten und Erfolg gemessen. Erfolg ist aus meiner Sicht aber auch, die Leistung des Gegners und des Schiedsrichterteams anzuerkennen. Das ist den Fans leider schon seit langem entglitten. Es scheint als stünden Beleidigung und Beschimpfung der Gegner eher im Vordergrund als das Anfeuern und die Begeisterung für die eigene Mannschaft.

Wo bleibt die von allen gewollte Fairness? Ist sie nicht ein Grund, warum wir unsere Kinder in den Mannschaftssport schicken? Respekt, Toleranz, Teamfähigkeit muss gelebt werden. Leider sprechen die Statistiken der zunehmenden Spielabbrüche im Amateur- und Jugendfußball dagegen. Fußball soll Freude bereiten und nicht Angst und Schrecken!

Peter Gagelmann (51)

hat als Schiedsrichter 214 Bundesligaspiel geleitet, war dann vier Jahre „Sky"-Experte. Im wöchentlichen Wechsel mit Thomas Eichin, Jörg Wontorra, Christian Stoll und Klaus-Dieter Fischer schreibt er in unserer Zeitung, was ihm im Bundes­liga-Geschehen aufgefallen ist.

Zur Person

Peter Gagelmann (51)

hat als Schiedsrichter 214 Bundesligaspiel geleitet, war dann vier Jahre „Sky"-Experte. Im wöchentlichen Wechsel mit Thomas Eichin, Jörg Wontorra, Christian Stoll und Klaus-Dieter Fischer schreibt er in unserer Zeitung, was ihm im Bundes­liga-Geschehen aufgefallen ist.


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