Wanderung für den guten Zweck Werder-Fan und „Diego“ marschieren 466 Kilometer für 40.000 Euro

Florian Mohr ist auf Reisen, täglich läuft er dutzende Kilometer, um für den guten Zweck zu sammeln. An seiner Seite sein Hund Diego. Das ist die Geschichte eines Werder-Fans auf Wanderschaft.
01.04.2021, 19:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Maik Hanke

Florian Mohr schnauft in sein Handy. Er befindet sich in einem Wald, irgendwo zwischen Gießen und Marburg, als unsere Deichstube anruft. 17 Kilometer, erzählt Mohr, ist er an diesem Tag schon marschiert, 17 Kilometer hat er noch vor sich. Da kann man schon mal außer Atem sein. Sein rechter Fuß schmerzt, außerdem hat er schlecht geschlafen. Es ist erst der vierte Tag einer 14-tägigen Odyssee, und für Mohr wird er langsam aber sicher zur Tortur.

Der 41-Jährige ist auf dem Weg von Dornheim in Südhessen nach Bremen, das sind geplante 466 Kilometer Fußweg. Sein Ziel: das Bundesliga-Spiel des SV Werder Bremen gegen RB Leipzig am 10. April. Dabei dürfte er das Spiel in Corona-Zeiten nicht einmal im Weserstadion gucken – wenn er denn überhaupt dort ankommt. Warum tut man sich so etwas an?

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„Ein bisschen bekloppt ist es schon“, gibt Florian Mohr zu. Mehr als zwei Jahre lang hat der Werder-Fan seine Wanderung geplant, eigentlich als besonderes Geschenk an sich selbst zu seinem 40. Geburtstag. Wegen Corona hatte er sie aber verschoben – bis vergangenen Sonntag. „Jetzt will ich es durchziehen“, sagt Mohr. Das ist er nicht nur sich selbst schuldig – sondern auch den Menschen, die ihm dafür bereits mehr als 38.000 Euro haben zukommen lassen.

Mohr marschiert für den guten Zweck! Für fünf gemeinnützige Organisationen sammelt der Fußballfan Geld: für die Kinderkrebshilfe Mainz, das Kinderhospiz Bärenherz Wiesbaden, den Gnadenhof Kellerranch, die Werder Bremen Stiftung und den Opferhilfeverein Darmstädter Hilfe. Alle sollten ursprünglich jeweils 5.000 Euro bekommen. Die gewünschte Summe hat er längst zusammen.

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25.000 Euro hat er sogar schon vor Start des Marsches an die Organisationen ausgezahlt, die es in Corona-Zeiten gut gebrauchen können, darunter auch 4.000 Euro für die Clubverstärker Bremen, ein Verband der Musikspielstätten. „Mein nächstes Ziel sind 40.000 Euro“, sagt Mohr. Wer noch spenden will, findet alle Infos auf der Facebook-Seite „Zu Fuß zu Werder“. Schirmherr der Aktion ist übrigens Ex-Werder-Profi Andree Wiedener, der in Frankfurt lebt und die ersten 35 Kilometer gemeinsam mit Mohr gegangen ist: „Er unterstützt mich total. Ohne ihn weiß ich nicht, ob es überhaupt soweit gekommen wäre“, sagt der Fan dankend.

Zu Fuß zu Werder zu laufen, das bedeutet für Florian Mohr echte Anstrengung. „Ich merke jeden Muskel“, sagt er also, irgendwo in diesem hessischen Wäldchen. „Ich mache das ja nicht alltäglich, ich bin kein Extremsportler.“ Seine weiteste Wanderung waren bisher 150 Kilometer über drei Tage. 466 Kilometer an 14 Tagen sind da noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Das weiß auch Mohr. „Ich bin nicht so blauäugig zu sagen, ich schaffe das auf jeden Fall. Ich weiß auch, dass das irgendwann keinen Spaß mehr machen wird. Aber ich will die Aktion nicht beenden, ohne es versucht zu haben.“ Also hält er es wie die Fußballer: „Ich schaue von Spiel zu Spiel, von Etappe zu Etappe.“

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Schon seit der ersten Etappe hat Mohr Schmerzen im rechten Fuß, auch die Schienbeine und der Rücken tun weh. Gerade die Höhenunterschiede in den Landschaften machen dem Wanderer zu schaffen. Ruhetage sind nicht geplant, wegen Corona kann er auch nicht in Hotels schlafen, sondern muss meistens in einem Familienbus nächtigen, den Freunde zu den Zielorten fahren. „Am ersten Tag habe ich schon irgendwann gedacht, warum tust du dir das eigentlich an?“, sagt Mohr. „Aber es dient ja der guten Sache.“ Anstrengend ist die Wanderung auch für Mohrs Begleiter: Hund „Diego“, benannt nach dem einstigen Werder-Star. „Der ist tagsüber total glücklich, animiert mich sogar noch zum Spielen. Aber abends ist er dann platt.“ Dann geht‘s nur noch ab ins Körbchen.

Und am nächsten Tag weiter Richtung Bremen, die Stadt von Mohrs Lieblingsclub. „Werder ist mein Verein“, sagt der 41-Jährige. Warum, weiß er selber nicht genau. Vermutlich hat als Kind der Besuch eines Werder-Spiels im Frankfurter Waldstadion den Funken überspringen lassen. „Mein Onkel war früher Profi bei Eintracht Frankfurt und den Offenbacher Kickers“, erzählt Mohr. „Er wollte mich immer umpolen, aber das hat nur meine Liebe zu Werder Bremen gefestigt.“

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So sehr, dass er jetzt sogar bis zum Weserstadion pilgert, obwohl er sich gar kein Spiel angucken kann. Das Werder-Spiel gegen RB Leipzig steigt schließlich ohne Zuschauer. Noch hat Mohr jede Menge Weg und Zeit vor sich, sich zu überlegen, was er eigentlich macht, wenn er sein Ziel erreicht hat. Denn das weiß er noch gar nicht. Der Fan hofft, dass er eine Möglichkeit findet, das Spiel im Fernsehen zu schauen. „Ich möchte schon das Gefühl haben, irgendwie dabei zu sein“, sagt er. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so entscheidend. Denn bei seiner Wanderung geht es schließlich um viel mehr als ein Spiel.

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