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Werder-Frauen schlagen Ingolstadt mit Mühe
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Die Sache mit dem Bollwerk

Olaf Dorow 16.09.2019 2 Kommentare

(imago images)

Das Gefühl auf dem Rasen wird kaum anders gewesen sein als das auf der Tribüne. Dort raunte man: „Na, endlich“. Oder: „Geht doch.“ Hoch überlegen waren Werders Fußballerinnen in diesem Zweitliga-Spiel gegen den FC Ingolstadt, zahlreiche Möglichkeiten hatten sie, vor allem kurz vor und kurz nach dem Halbzeitpfiff. Nun, nach 58 Minuten stand es endlich nicht mehr 0:0, es stand 2:0. Stürmerin Selina Cerci hatte kurz hintereinander zweimal getroffen, einmal nach einem Freistoß per Kopf, einmal nach einem scharfen Querpass per Fuß. Das 2:0 war mehr als verdient – und wurde der Endstand.

Ein Sieg zum Freuen. „Ich finde, das war ein super Ergebnis“, fand die Doppel-Torschützin. Zu Recht. Werder will unbedingt umgehend wieder hoch in Liga eins. Nach Lage der Dinge sind in der zweiten Liga neun Mannschaften aufstiegsberechtigt, zwei davon dürfen aufsteigen. Es würde als peinlich wahrgenommen werden, wenn Werder das nicht gelingt. Der Kader ist weitgehend zusammengeblieben, er geht mit der Stärke eines Erstligisten in Zweitliga-Spiele.

Eine große Umstellung

Es war aber auch ein Erfolg zum Ja-aber-Sagen. Werder büßte Lina Hausicke ein, eine zentrale Spielerin. Notbremse, Rote Karte. „Natürlich ist das ärgerlich, weil es unnötig war“, sagte Werders Trainer Alexander Kluge. Und dann war das Geschehen auf Platz 11 noch ein Spiel zum Ja-siehste-Sagen. Denn es brauchte nicht erst ausgeprägte Spezialkenntnisse, um die „Umgestaltungsphase“ zu erkennen, von der Kluge sprach. Zwei Jahre lang sind die Bremerinnen in der ersten Liga vorwiegend als Underdog in die Spiele gegangen. In der zweiten sind sie der Favorit, der stolpern könnte. Das macht einen Unterschied im Denken wie im Spielen.

„Zwei Jahre lang waren wir wie Ingolstadt heute“, sagte Selina Cerci. Konkret sah das am Sonntag so aus: Der Gast überließ die Spielgestaltung zu fast hundert Prozent Werder und war nach einer Stunde zweimal und nur für Sekunden im Bremer Strafraum aufgetaucht. Bis kurz vor Abpfiff blieb die beste Ingolstädter Chance ein verunglückter Bremer Rückpass auf die Torfrau.

Den Gegner laufen lassen

Wer zwei Jahre lang versucht hat, ein Bollwerk zu sein, kann nicht sofort ein perfekter Bollwerk-Knacker sein. So ungefähr argumentierte Alexander Kluge. Bei der Frage, was schwerer sei, ein Bollwerk zu bilden oder eines zu knacken, hatte Kluge eine klare Meinung. Das Knacken sei „definitiv schwerer“. Einerseits. Auf der anderen Seite weiß er natürlich, dass seine Spielerinnen derzeit nicht mit Bittermiene durch die Gegend laufen. Lieber den Gegner laufen lassen als selbst andauernd dem Ball hinterhecheln. So herum sei es ihr deutlich lieber, sagte Torschützin Cerci.

Die Sache mit dem Bollwerk ist diesmal gut ausgegangen für Werder. Und gleichzeitig hat dieser Vormittag auf Platz 11 gezeigt, wie anfällig für Misserfolge selbst ein äußerst einseitig geführtes Spiel sein kann. „Wir müssen da noch mutiger, zielstrebiger und schneller unsere Torchancen erspielen“, sagte Kluge. Und vor allem in Tore umwandeln. Weil es eben bis in die Schlussphase trotz guter Gelegenheiten weiter nur 2:0 stand, musste schließlich eine Rote Karte riskiert werden. Kurz darauf verwandelte sich eine dann doch noch endlich mal abschickte Ingolstädter Flanke in einen ungewollten Torschuss und landete auf dem Lattenkreuz des Werder-Tors. Späte Tore für Ingolstadt, das hätte auf Platz 11 ein großflächiges Gibts-doch-wohl-nicht-Raunen auslösen können.