Verletzungspech bleibt Bremen treu Werder geht personell am Stock

Bremen. Jetzt auch noch Claudio Pizarro: Wie ein roter Faden zieht das unglaubliche Verletzungspech durch die Saison von Werder Bremen. Trainer Thomas Schaaf ist frustriert und muss in der wichtigen Saisonphase sein Team einmal mehr umbauen.
31.03.2011, 05:00
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Werder geht personell am Stock
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Mittlerweile müsste sich eigentlich so etwas wie Routine eingestellt haben. Es war gestern schließlich das sechste Mal in dieser Saison, dass Claudio Pizarro bei seinem Arbeitgeber vorsprach - und sich arbeitsunfähig meldete. Ja, es ist wieder so weit: Der Peruaner hat das halbe Dutzend voll gemacht und fällt wieder aus. Doch die gestrige Nachricht hat eine neue Qualität. In ihrer Folge hat Thomas Schaaf am frühen Abend offenbart, wie tief sein Frust über diese Bremer Seuchensaison sitzt, deren einziger roter Faden eine beispiellose Verletztenmisere ist.

"Was erleben wir bloß in dieser Saison?", stöhnte Schaaf am Mittwoch auf und ließ anschließend seiner Enttäuschung über die fortgesetzten gesundheitlichen Rückschläge im Kader freien Lauf. "Schauen Sie doch mal, was wir an Extremen bekommen haben", forderte Schaaf die Journalisten auf, die sich mit ihm über die neueste Entwicklung unterhielten.

Denn Pizarro ist nur ein Name von vielen auf der Liste, wenn auch einer der prominentesten. Naldo zuallererst wäre zu nennen, der die gesamte Saison fehlt. Sebastian Boenisch wäre zu nennen, der fast die gesamte Saison fehlt. Tim Borowski wäre zu nennen, der erst seit ein paar Wochen wieder regelmäßig dabei ist. Sebastian Prödl wäre zu nennen, der ständig dabei war und nun monatelang fehlen wird. Daniel Jensen wäre zu nennen, der monatelang fehlte und nun wohl nie wieder für Werder spielen wird. Und dazu die vielen kleinen und mittleren Blessuren, Verletzungen oder Erkrankungen, wie aktuell Torsten Frings (Grippaler Infekt) und Marko Arnautovic (Magen-Darm-Infekt).

Der Ausfall von Claudio Pizarro war deshalb am Mittwoch nur der Katalysator für Schaafs Frust. "Das ist nicht normal", sagte Werders Trainer, seine innere Erregung zügelnd. "Unser Kader ist doch schon in der ganzen Saison knapp bemessen." Die fortwährenden Ausfälle kann die Mannschaft kaum kompensieren; sie sind - wenn auch längst nicht allein - zumindest ein Grund für die sportlich prekäre Situation. Und ausgerechnet jetzt, auf der Zielgeraden der Saison, vor den wichtigen Abstiegsendspielen gegen die Mitkonkurrenten VfB Stuttgart am Sonnabend und bei Eintracht Frankfurt am Freitag nächster Woche, setzt sich die unheilvolle Serie mit einem der wichtigsten Protagonisten in Grün-Weiß fort.

Denn Claudio Pizarro wird nicht nur gegen Stuttgart fehlen, ein verletzungsbedingter Ausfall gegen die Schwaben wäre sogar unwesentlich gewesen, weil der Angreifer für dieses Spiel ohnehin gelb-gesperrt ist. Doch auch das Spiel in Frankfurt dürfte zu früh kommen. "Zehn bis 14 Tage Pause" habe ihm Mannschaftsarzt Götz Dimanski verordnet, sagte Pizarro am Mittwoch, als er das Weserstadion verließ und zu seinem Auto humpelte.

Es ist eine Bänderdehnung im linken Sprunggelenk, die ihn zur Pause zwingt. Und es ist gleichzeitig eine Ironie sondergleichen, vor welchem Hintergrund sich der 32-Jährige die Verletzung zugezogen hat: bei seinem Comeback in der peruanischen Nationalmannschaft. Fast dreieinhalb Jahre hatte er nicht für sein Land gespielt - als er in dieser Saison unter dem neuen Trainer Sergio Markarian endlich durfte, verletzte er sich dreimal unmittelbar vor dem jeweiligen Länderspiel. Am Dienstagabend endlich war es so weit: Claudio Pizarro spielte in Den Haag gegen Ecuador (0:0), und die Partie war fast vorüber, als es passierte. Pizarro sprang hoch, landete auf dem Fuß eines Gegenspielers und knickte um.

"Es ist noch dick und tut weh", sagte Pizarro am Mittwoch nach der Untersuchung mit dem ernüchternden Ergebnis. Der Peruaner fand sogar noch einen schwachen Trost: "Gut, dass ich gesperrt bin. Sonst wäre das eine Katastrophe." Für Werder ist das auch so eine Katastrophe. Ohne Claudio Pizarro haben die Bremer in dieser Saison nur eine Bundesliga-Partie gewonnen, mit 3:0 gegen St. Pauli, ohne ihn haben sie nur sieben Punkte aus zehn Spielen geholt.

Für Schaaf ist es ebenfalls eine Katastrophe - aber was ist diese eine Katastrophe angesichts so vieler in dieser Saison? Es ist diejenige, die Schaaf am Mittwoch veranlasste, aus seinem Frust keinen Hehl zu machen. "Ich würde mir eine andere Situation wünschen, das können Sie mir glauben", sagte er. Dabei habe er immer geschaut, ob er etwas ändern könne, um Verletzungen vorzubeugen. "Aber wenn einer umknickt - dagegen kann ich nichts machen."

Aber die Situation akzeptieren und klaglos damit umgehen? Nein, das fällt dem Trainer schwer. "Ich arbeite Tag für Tag an meiner Gelassenheit, damit ich mich nicht darüber aufrege", sagte er noch. "Doch das gelingt mir nicht."

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