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Werders U23 verliert in Lübeck mit 1:2
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Abschied vom Aufstieg

Mathias Sonnenberg 06.10.2019 1 Kommentar

David Philipp (links) traf für den Werder-Nachwuchs zur 1:0-Führung beim VfB Lübeck. Aber das Tor reichte nicht.
David Philipp (links) traf für den Werder-Nachwuchs zur 1:0-Führung beim VfB Lübeck. Aber das Tor reichte nicht. (imago images)

Wer nach diesem Spieltag die Tabelle der Regionalliga Nord ganz genau studiert, der wird zu der Erkenntnis kommen: Der Werder-Nachwuchs muss auch in der kommenden Saison seine Talente in der vierten Liga auf die norddeutschen Fußballplätze schicken. Mit dem Aufstieg in die dritte Liga, so viel steht fest nach dem 13. Spieltag, wird Werders U23 nichts mehr zu tun haben. 1:2 (1:1) unterlag das Team von Konrad Fünfstück beim VfB Lübeck. Und außer den Gratulationen, den Favoriten dieser Liga zumindest phasenweise gut unter Druck gesetzt zu haben, sind die neun Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Lübeck, der auch noch ein Spiel weniger aufzuweisen hat, ein unumkehrbarer Fakt. 

Trainer Fünfstück muss deshalb nicht traurig sein, den Aufstieg hat keiner der Werder-Verantwortlichen vor der Saison als Ziel für den Nachwuchs der Bundesliga-Truppe ausgegeben. Dafür hat Werder auch bei weitem weniger Geld als beispielsweise der VfL Wolfsburg in seine zweite Mannschaft gesteckt. Wolfsburg hat im Rennen um den Titel, der gleichzeitig zum direkten Aufstieg berechtigt, noch ganz ordentliche Chancen. Und so konnte Fünfstück das Spiel an der Lohmühle auch ganz gelassen einordnen. „Es war heute viel Bewegung im Spiel. Für unsere Mannschaft war es ein richtig gutes Spiel für die Entwicklung und zum Lernen“, erklärte der Werder-Coach kurz nach dem Abpfiff.

Ungewohnt viele Zuschauer

Er meinte auch die gut 3000 Zuschauer, die für eine stimmungsvolle Kulisse sorgten. „Die sind wir in der Form nicht gewöhnt“, fügte er an. Aber nicht nur die vollen Ränge seien ungewohnt gewesen,  sondern auch in der Art und Weise, wie gespielt wurde. Fünfstück: „Es gab immer wieder Zweikämpfe, die von Lübeck fair und sauber gelöst wurden, wo wir uns noch was abschauen können.“

Seinem Trainer-Auftrag ist Fünfstück in dieser Saison allerdings bereits in einem Maße gerecht geworden, das er so sicherlich nicht für möglich gehalten hätte. Denn durch die vielen Verletzten im Profi-Kader muss der U23-Coach Woche für Woche Spieler an Florian Kohfeldt abgeben. Ein Christian Groß etwa, eigentlich sogar Kapitän der Regionalliga-Truppe, ist jetzt auf jeden Fall bis zur Winterpause fest an die Bundesligamannschaft vergeben. Bitter für Fünfstück, gut für das Projekt U23, denn das soll es ja in erster Linie sein: ein Sammelbecken für Kicker, die auf Sicht auch mal in die Bundesliga kommen sollen.

In Lübeck musste Fünfstück jetzt neben Groß und Benjamin Goller, der auch längst mehr Kohfeldt- als Fünfstück-Spieler ist, auf Luc Ihorst verzichten, der im Spiel bei Eintracht Frankfurt zum Kader des Bundesligisten gehörte. Für ihn rückte in Lübeck Simon Straudi in die Startelf. Kevin Schumacher, der die Kapitänsbinde von Groß übernommen hat, wurde von Bennet van den Berg ersetzt. Die Statistik machte den Werder-Nachwuchs schon vor dem Anpfiff zum Verlierer: Nur acht der letzten 24 Spiele konnten die Grün-Weißen für sich entscheiden, der letzte Sieg liegt bereits zwölf Jahre zurück und in der vergangenen Saison setzte es zwei Niederlagen. 

Philipp legt vor

Gemessen an diesen Ergebnissen gingen die Lübecker dann auch gleich recht forsch zu Werke. Gleich vier Chancen konnten die Gastgeber in den Anfangsminuten für sich verbuchen, aber keine führte zu einem Torerfolg. Yannik Deichmann kam zu zwei guten Möglichkeiten (12. und 15. Minute), aber entweder war Luca Plogmann zur Stelle oder Marin Pudic bedrängte ihn. Und weil Lübeck eben zauderte, schlug Werder eiskalt zu. David Philipp zog von der rechten Seite beherzt ab, Lübeck-Keeper Raeder ließ den Ball ins spitze Eck rauschen – erste Chance, erstes Tor, Werder in Front. Aber das Tor sollte nicht reichen, schon vor dem Gang in die Kabine glichen die Hausherren aus. Nach einer Flanke von Arslan köpfte Patrick Hobsch den Ball freistehend ins Tor (41.). Und im Lager der Grün-Weißen fand man: Unverdient war das 1:1 nicht. 

Die zweite Hälfte war dann schnell erzählt. 57. Minute: Nach einer Ecke von Ahmet Metin Arslan kam Tommy Grupe im Werder-Strafraum frei zum Kopfball, Keeper Plogmann war machtlos, der Tabellenführer wieder in Führung. Werder gab das Spiel noch nicht ab, doch die seltenen Vorstöße waren zu unpräzise, um Lübeck in echte Verlegenheit zu bringen. Und so schaukelte der Tabellenführer die Partie am Ende recht sicher mit 2:1 über die Bühne.

Für Trainer Fünfstück eine Niederlage, die nicht völlig unerwartbar kam. „Wir hatten in der erste Halbzeit ein paar Aktionen, wo wir Glück hatten und auch Luca Plogmann noch ordentlich was rausgeholt hat“, fand der Bremer. Aber er stellte auch fest: „Lübeck hat das Spiel verdient gewonnen, sie haben die Zweikämpfe sehr gut bestritten, sie waren gut auf uns eingestellt.“ Wie es sich eben für eine Mannschaft gehört, die in die dritte Liga aufsteigen will.