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Wie Werders U23 die neue Saison angeht
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Die Talentschmiede verjüngt sich

Christoph Bähr 20.06.2019 0 Kommentare

(nordphoto)

In einigen Internet-Kommentaren wurde Werder bereits ironisch als der deutsche FC Chelsea bezeichnet. Der englische Klub ist für sein ausgeprägtes Verleihmodell bekannt und hatte zuletzt beachtliche 26 Spieler an andere Klubs verliehen. Ganz so hoch ist die Zahl bei Werder nicht, doch es fällt schon auf, dass die Bremer ihr Leihkonzept ausbauen. Thore Jacobsen (Magdeburg), Niklas Schmidt (Osnabrück), Jannes Vollert (Halle), Jan-Niklas Beste (Emmen) und Ole Käuper (Jena) wurden allesamt kürzlich verliehen. Da stellt sich die Frage: Braucht der Verein überhaupt noch eine U23, wenn die hoffnungsvollen Talente woanders spielen? Für Björn Schierenbeck ist die Antwort klar: „Die Vereine, die die U23 abgemeldet haben, haben immer wieder Probleme, den absoluten Topleuten aus dem U19-Bereich Spielpraxis zu ermöglichen. Auch bei einem guten Jugendspieler ist immer die Unsicherheit vorhanden, ob er seine Leistung im Seniorenbereich abrufen kann“, betont der Leiter des Werder-Leistungszentrums im Gespräch mit Mein Werder.

Werders U23 wird also weiterhin gebraucht, aber ihre Aufgaben haben sich verändert. Das liegt daran, dass das Team nicht mehr in der dritten Liga antritt, sondern in die zweite Regionalliga-Saison in Folge geht. „In beiden Ligen kann man Jugendspieler sehr gut einbauen, auch mit Blick auf den Profi-Kader, aber die Altersstruktur ist unterschiedlich. Würden wir in der dritten Liga spielen, wären wir wahrscheinlich mit Jannes Vollert und Fridolin Wagner in die Saison gegangen“, verdeutlicht Schierenbeck. Nun wurde Vollert verliehen, und Wagner wechselte zu Preußen Münster. Werders U23 verjüngt sich also - ganz bewusst. „Die Regionalliga bietet Vorteile für Spieler, die im ersten Seniorenjahr sind, und für A-Jugendliche, die schon im Seniorenfußball ihre ersten Schritte gehen“, sagt Schierenbeck.

Vertrauen in die Youngster

Gleich sieben bisherige U19-Spieler rücken daher in den U23-Kader auf, allen voran Ilia Gruev und David Phillip, die die Vorbereitung bei den Profis absolvieren. „Wir trauen es allen U19-Spielern zu, sehr schnell ihre Möglichkeiten in der Regionalliga zu erhalten“, erklärt Schierenbeck. Das Vertrauen in die Youngster sei groß. Insgesamt stehen 13 Zugänge auf der Liste der U23. Darunter ist Offensivspieler Benjamin Goller, der zwar fest für die Profis eingeplant ist, aber wahrscheinlich zunächst Spielpraxis in der U23 sammelt. Zwölf Spieler sind gegangen oder wurden verliehen.

Seit Montag absolvieren die U23-Akteure ihre Leistungstests – unter Anleitung des neuen Trainers Konrad Fünfstück sowie der Co-Trainer Björn Dreyer und Mirko Votava. „Der Kader steht weitestgehend. Ein, zwei Spieler könnten noch kommen. Ein, zwei Spieler könnten noch gehen“, sagt Schierenbeck. Falls sich etwa ein Leihverein für Luca Plogmann findet, würde die U23 einen Torwart holen. Der neue Coach Fünfstück hat vor seinem Dienstantritt bereits länger mit Profi-Trainer Florian Kohfeldt gesprochen. „Der Austausch wird noch weiter intensiviert, damit wir nach ähnlichen Prinzipien ausbilden wie die Bundesliga-Mannschaft“, kündigt Schierenbeck an. „Wir müssen die Spieler variabel ausbilden. Es gab Spiele, in denen Florian Kohfeldt zwei- oder dreimal das System gewechselt hat. Darauf müssen wir sie vorbereiten.“

Gelassenheit ausstrahlen

Schierenbeck weiß, dass ein U23-Trainer keinen leichten Job hat. „Man hat einen Ausbildungsauftrag in beide Richtungen. Man muss Spieler aus der U19 voranbringen, aber auch Spielern aus der Bundesliga Spielpraxis geben.“ Fünfstücks großer Vorteil ist, dass er sich damit auskennt, weil er schon bei Greuter Fürth und Kaiserslautern die zweite Mannschaft trainierte. „Man muss manche Dinge akzeptieren und eine gewisse Gelassenheit ausstrahlen, wenn der eine oder andere Spieler vielleicht erst am Spieltag dazu stößt. Das ist das Los der zweiten Mannschaft. Darauf muss man sich als Trainer einlassen können, und Konrad Fünfstück hat das schon getan“, verdeutlicht Schierenbeck.

Zudem passe Fünfstücks Philosophie zu Werder, weil er in vielen Punkten ähnlich denke wie die Werder-Verantwortlichen. „Unsere Mannschaften sollen für offensiven Fußball stehen. Eine Werder-Mannschaft will den Ball haben und selbst Dinge initiieren“, betont Schierenbeck. Im Idealfall soll der offensive Fußball dann zum sportlichen Erfolg führen. Das Saisonziel der U23 nach Platz drei in der abgelaufenen Spielzeit ist jedenfalls ehrgeizig: „Wir wollen um die Meisterschaft mitspielen“, kündigt Schierenbeck an.

Die Zugänge der U23

Niklas Wiemann, Benjamin Goller (beide FC Schalke), Dominik Becker (1. FC Köln U19), Manasse Fionouke (SC Victoria Hamburg), Marin Pudic (FC Bayern II), Kebba Badjie (VfL Oldenburg), Felix Buer, Pascal Hackethal, Henry Rorig, Ilia Gruev, David Philipp, Fred MC Mensah Quarshie, Luc Ihorst (alle eigene U19)

Die Abgänge der U23

Tobias Duffner (Karriereende), Marco Kaffenberger (BSV Rehden), Justin Plautz (SönderjyskE), Joshua Bitter (MSV Duisburg), Frank Ronstadt (Würzburger Kickers), Lars Bünning (Borussia Dortmund II), Jannes Vollert (Hallescher FC, ausgeliehen), Jan-Niklas Beste (FC Emmen, ausgeliehen) Fridolin Wagner (Preußen Münster), Leander Wasmus (FC Oberneuland), Pelle Hoppe (Chemnitzer FC), Trevor Zwetsloot (Ziel unbekannt)

Die Testspiele der U23

29. Juni, 16 Uhr, beim Ahlhorner SV

6. Juli, 18 Uhr, beim TB Uphusen

21. Juli, 14 Uhr, bei den SF Lotte