Nach der 3:2-Niederlage Werder spielt mit halber Kraft

Bremen. Das Spiel gegen Nürnberg machte wieder einmal deutlich: Bei Werder stimmt längst nicht alles. Die Leistung ist nur mittelmäßig und auch innerhalb der Mannschaft gibt es Probleme.
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Werder spielt mit halber Kraft
Von Olaf Dorow

Bremen. Nach Angaben des Veranstalters kamen am Sonnabend 35500 Menschen ins Weserstadion. Als sie wieder nach Hause gingen, lagen zwar keine verlässlichen Daten darüber vor, was sie dachten. Es fällt jedoch schwer sich vorzustellen, dass tausende verschiedene Meinungen zum Spiel kursierten. Vielmehr sollte man annehmen, dass eine einzige Frage das Publikum einte: Was war das denn?

Ja, was war das? Werders 2:3 gegen Nürnberg war aus Bremer Sicht zur Hälfte ein ganz normales Werder-Spiel. Das heißt, es bestand aus attraktiven Angriffen und dann leider aus einem Lapsus in der Abwehr. Zur anderen Hälfte war es ein Attentat auf den guten Fußball-Geschmack. 'Wir haben eine unheimliche Bandbreite', sagte Werders Manager und Chef Klaus Allofs hinterher. Er bezog sich dabei auf den bisherigen Saisonverlauf. Am Sonnabend war die Bandbreite in einem einzigen Spiel drin, und unheimlich war sie allemal.

Allofs? Team spielt in dieser Saison so, dass man von ihm denken muss, es ist analog zur Osttribüne nur halb fertig. Es arbeitet nur phasenweise ordentlich gegen den Ball. Es braucht zu viele Chancen. Es verteidigt zu selten so konsequent wie nötig.

Es wirkt nur in Ausnahmefällen wie das, was es sein müsste, um seine Ziele zu erreichen: eine homogene Mannschaft. 'Wenn man nur halbe Arbeit abliefert, dann kann man den Lohn nicht einfahren', sagte Allofs am Sonntag. Ein hübscher Satz übrigens: Er erinnert ungewollt an die mysteriöse Geschichte mit den eingefrorenen Gehältern.

Zur Gehaltsgeschichte gesellen sich viele andere Geschichten, die eine ordentliche Mängelliste ergeben - und das Bild von einer nur halb guten Mannschaft komplettieren. Ein Maulwurf verriet dem Boulevard offenbar die Gehaltsgeschichte.

Naldo fehlt. Özil fehlt auch, oder wenigstens Özils Qualität. Silvestre steht neben sich. Almeida schwankt zu sehr. Arnautovic schwankt auch und ist auf dem Weg, vollintegriertes Mitglied einer Gruppe zu sein, noch nicht besonders weit gekommen. Trainer und Manager gehen auffällig oft auf Distanz zur Mannschaft. Äußere Anzeichen waren am Sonnabend: Schaaf rügte Marin an der Seitenlinie, Allofs rügte Arnautovic auf der Bank. Der eigenwillige Stürmer hatte seine Auswechslung missbilligt.

Und Frings rügt die halbe Belegschaft. Wenn das Bild stimmt, das er nach dem Desaster gegen Nürnberg voller Adrenalin an die Wand beziehungsweise in die Reporterblöcke malte, sollte man sich sorgen. Dann würden zu viele Spieler nur halbherzig ihrer Arbeit nachgehen.

Sie würden nach einer Niederlage 'nach Hause gehen und wieder glücklich sein'. Marko Marin sagte am Sonntag: 'Also ich bin sicher nicht lachend nach Hause gegangen.' Aber wenn sein Kapitän so etwas sagen würde, dann habe er wohl einige gesehen, die sich so verhalten haben. Nach einem rundum guten Klima im Team hört sich das alles nicht an.

So kam bislang eine Saison heraus, in der von zehn Liga-Spielen bereits vier völlig aus dem Ruder liefen. Werder war vogelwild in Hoffenheim. Werder hat sich von Mainz vorführen lassen, Werder verweigerte sich in Hannover fast vollständig. Werder zerfiel gegen Nürnberg nach einem Gegentörchen, als wollte die Elf beweisen, dass eine Fußballmannschaft auch ein Kartenhaus sein kann.

Letztlich bleibt als vorläufiges Fazit nach circa einem Drittel der Saison: Wer diese andauernden Aussetzer nicht verhindern kann, der kann nicht von sich denken, eine gute Fußballmannschaft zu sein. Der ist nur eine, die das vielleicht sein könnte. Der kommt nicht voran in der Tabelle, in der am Wochenende der Sprung auf Rang fünf möglich gewesen wäre. Der bleibt in der Mitte stecken, wobei man sagen muss, dass es nach ganz oben jetzt schon elf Punkte sind - und nach ganz unten nur acht.

Werder ist eine Kann-Mannschaft geworden. Sie kann mithalten mit ihren eigenen Ansprüchen und denen des Publikums. Sie bewies es in der zweiten Halbzeit in München oder in der ersten Halbzeit gegen Nürnberg. Doch es kann nicht stimmen im Laden Werder Bremen, wenn es Spiel für Spiel immer nur den halben statt den ganzen Weg geht. Man müsse 'immer wieder nachlegen', sagte Trainer Thomas Schaaf am Sonnabend.

Er hätte dabei auch ein Tonband anstellen können. So oft muss er diesen Satz in dieser Saison schon wiederholen. Wobei man annehmen darf, dass er ihn in der Kabine noch viel häufiger sagt als vor der Presse. 'Wir haben uns nach der Führung gegen Nürnberg nur auf das Spielerische verlassen', musste Verteidiger Per Mertesacker eingestehen, 'das können wir nicht durchhalten.'

Als das 2:3 gegen den Club abgepfiffen war, das beinahe sogar ein 2:5 geworden wäre, verteilte man im Presseraum eine Statistik. Werder war viel häufiger am Ball - Nürnberg gewann viel mehr Zweikämpfe. Nun gab es wenigstens von der Datenbank eine Antwort auf die Frage, was das denn eben bitteschön war. Werder hatte zu oft nur so getan, als ob man Fußball spielt.

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