Champions League Werder tritt gegen Spurs mit einer Notelf an

Bremen. Werder Bremen wird im Champions-League-Spiel bei Tottenham Hotspur am Mittwoch mit einer Mannschaft auflaufen, die in dieser Konstellation noch nie auf dem Platz gestanden hat. Möglicherweise feiern zwei Akteure aus Werders U23-Mannschaft ihr Pflichtspiel-Debüt bei den Profis.
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Werder tritt gegen Spurs mit einer Notelf an
Von Olaf Dorow

Bremen. Heute ist es genau einen Monat her, seit Werder Bremen zum letzten Mal ein Spiel gewonnen hat. Am 23. Oktober siegte die Mannschaft in Mönchengladbach 4:1. Es folgten wettbewerbsübergreifend fünf Niederlagen, unterbrochen von einem 0:0. Sollte diese wenig ruhmreiche Serie morgen reißen (was ja möglich ist), empfiehlt sich als Überschrift, dass dies das Wunder von der Themse sei.

Am Mittwoch spielt Werder in der Champions-League-Gruppe A bei Tottenham Hotspur in London (ab 20.45 Uhr im Liveticker). Werder ist Letzter in der Gruppe, und zwar so sehr Letzter, dass selbst ein Sieg nur den Anschluss an den Vorletzten bringen würde.

Das ist es aber gar nicht, was einen Erfolg an der White Hart Lane so wundersam erscheinen lassen würde. Es ist a) die Lage, und vor allem b) das Personal, das in dieser Lage noch zur Verfügung steht. Es fehlen morgen mehr Spieler mit Meriten, als überhaupt Spieler mit Meriten spielen können. Mit nur zwölf Profis machte sich der grün-weiße Tross auf die Reise.

Laut Trainer Thomas Schaaf könnte am Mittwoch noch der an einem Virus erkrankte Petri Pasanen nachreisen. "Das muss man abwarten", sagte Schaaf am Dienstag vor dem Abflug nach London.

Sollte der Finne ausfallen, würde Werder für die linke Seite der Viererkette ein ganzer Sack voll Alternativen fehlen. Sebastian Boenisch und Mikaël Silvestre können nicht. Wesley, der Mann für alle Fälle, kann auch nicht. Wobei man über diese Position hinten links anmerken sollte, dass Werder selbst dann noch nicht alle Sorgen los wäre, wenn alle vier gesund wären.

"Die Voraussetzungen waren schon mal besser", kommentierte Werder-Klubchef Klaus Allofs vor dem Abflug: "Aber es gibt keinen Grund, das Spiel abzuschenken."

"Die hohe Anzahl der Ausfälle ist so noch nie vorgekommen", sagte Schaaf. "Gerade, wenn man das Personal sieht, ist das eine schwierige Aufgabe", so der Trainer und fügte an: "Der Reiz ist, dass in dieser Situation die meisten nicht allzu viel erwarten."

Tatsächlich ist die Hoffnung der Fans mehr als gering. Um noch ins Achtelfinale zu kommen, müsste Werder gegen Tottenham und Mailand gewinnen - und gleichzeitig auf Hilfe hoffen. Selbst für das Minimalziel Europa League benötigen die Bremer im günstigsten Fall vier Punkte, also mindestens ein Unentschieden im Stadion an der White Hart Lane. Selbst ein Remis wäre derzeit, in der vielleicht schlimmsten Krise der Ära Schaaf und Allofs, als Erfolg zu werten.

Es klingt nicht unbedingt ermutigend, wenn Aaron Hunt sagt: "Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Schlechter kann man ja sowieso nicht mehr spielen."

Sehr gut möglich ist es, dass morgen Dominik Schmidt, eigentlich ein Innenverteidiger und auch eigentlich ein U-23-Spieler, eingesetzt wird. Für Werders erste Mannschaft lief er in einem Pflichtspiel noch nie auf.

"Wenn mir vor drei Wochen jemand gesagt hätte, dass ich bald Champions League spiele, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt", sagte der junge Mann am Montag nach dem Training, bei dem er im Leibchen der A-Elf üben durfte.

Das Problem hinten links ist morgen aber nur ein Problem. Im Mittelfeld fehlt Torsten Frings. Frings ist gesperrt wegen seiner Roten Karte, die er gegen Enschede kassierte. "Wir gehen auf dem Zahnfleisch", sagt der Werder-Kapitän über die Personalnot und gab der "Bubi-Truppe" trotzdem auf den Weg: "Ich habe die Champions League noch längst nicht abgeschrieben."

"Wir können eher positiv überraschen"

Doch der Optimismus der Verantwortlichen hielt sich am Tag vor dem Spiel in deutlichen Grenzen. "Wir können aus dieser Situation eher positiv überraschen", sagte Allofs: "Wenn man in Tottenham gewinnt, kann es für die gesamte Situation eine positive Auswirkung haben. Wir denken deshalb auf keinen Fall an das Wochenende."

Eine Wende mit einer besseren Reservemannschaft? Gegen ein Spurs-Team, das mit Klassespielern wie dem ehemaligen HSV-Star Rafael van der Vaart und dem unglaublich schnellen Gareth Bale besetzt ist? "Tottenham hat eine gute Mannschaft, sie sind in der Liga sehr erfolgreich, aber das bedeutet für Mittwoch nichts", sagte Allofs.

Werder fehlen zudem auch Tim Borowski und - hier erst recht - der Mann für alle Fälle: Wesley. Womöglich kommt wie gestern beim Training im Leibchen morgen Felix Kroos zum Einsatz. Und zum Debüt. Wie Schmidt hat Kroos noch keine Pflichtspielminute für Werders Profiteam absolviert.

Im Sturm fehlt Werders bester Angreifer Claudio Pizarro. Und auch Marko Arnautovic ist nicht dabei. Stattdessen waren Onur Ayik, Pascal Testroet, Lennart Thy, Niklas Andersen und auch der erst 18-jährige Clemens Schoppenhauer mit an Bord.

Per Mertesacker gab zu: "Die Stimmung ist sicher nicht optimal." Zugleich versprach der mit Formproblemen kämpfende Nationalspieler: "Wir werden einiges probieren." Und trotz der Personalprobleme forderte er: "Wir müssen zeigen, dass wir was ändern wollen, anders geht es nicht."

Voraussichtliche Aufstellungen:

Tottenham Hotspur: Gomes - Hutton, Gallas, Kaboul, Assou-Ekotto - Lennon, Palacios, Modric, Bale - van der Vaart - Crouch

Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Prödl, Schmidt (Pasanen) - Bargfrede, Jensen - Marin, Hunt, Kroos - Almeida

Schiedsrichter: Olegario Benquerença (Portugal) (mit Material von dpa)

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