Auf Wunsch von Innensenator Mäurer

Werder verbietet Blockfahnen

Den Schutz von Blockfahnen haben Werders Ultras in der Vergangenheit genutzt, um sich darunter zu vermummen - und anschließend unerkannt Pyrotechnik zünden zu können. Damit soll nun Schluss sein.
27.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Werder verbietet Blockfahnen
Von Lisa Boekhoff
Werder verbietet Blockfahnen

Feuer unterm Dach: Werder-Ultras zünden 2014 im Nordderby gegen den HSV Bengalos. Schon damals reagierte Werder mit dem Verbot von Blockfahnen.

imago sportfotodienst, imago/Claus Bergmann

Den Schutz von Blockfahnen haben Werders Ultras in der Vergangenheit genutzt, um sich darunter zu vermummen - und anschließend unerkannt Pyrotechnik zünden zu können. Damit soll nun Schluss sein.

Gerade erst hat Werder Bremen eine dicke Strafe bekommen: 38.000 Euro muss der Verein zahlen, weil seine Fans in der bisherigen Saison immer wieder negativ aufgefallen waren. Werder-Ultras warfen bei der Partie gegen Lotte Gegenstände auf einen Spieler und einen Schiedsrichterassistenten, in den Heimspielen gegen Mainz und Ingolstadt zündeten sie Pyrotechnik.

Die Rechnung des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes steht. Die Vorfälle im Weserstadion haben jedoch noch ein Nachspiel für den Ultra-Anhang: Werder wird ab sofort keine Blockfahnen im unteren Block der Ostkurve mehr genehmigen.

Mäurer will Blockfahnen komplett verbieten

In der Hinrunde seien die Blockfahnen missbraucht worden, um unter ihnen das Abbrennen von bengalischen Fackeln vorzubereiten, heißt es in der Erklärung von Werder. Das Verbot gelte „bis auf Weiteres“. Werder kommt damit einer Aufforderung von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der sogar fordert, die Blockfahnen komplett aus dem Stadion zu verbannen.

Durch die großflächigen Banner wird die Strafverfolgung erschwert: Im Schutze dieser Fahnen haben die Fans sich laut Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Behörde, vermummt, um anschließend auf Videoaufnahmen der Polizei nicht erkannt werden zu können.

Das Problem ist in der Bundesliga nicht neu. Seit Jahren sorgt das Abbrennen der verbotenen Pyrotechnik im Stadion immer wieder für Diskussionen.

Mäurer hatte sich zuletzt kurz nach dem Spiel gegen den FC Ingolstadt am 3. Dezember 2016 eingeschaltet und das Verhalten der Ultras scharf verurteilt. Dabei ging es nicht nur um das Abbrennen der Bengalos durch Ultra-Gruppierungen, sondern auch um beleidigende Plakate. Im Spiel gegen Ingolstadt war die Aufschrift „Bullenschweine“ in der Ostkurve gezeigt worden.

In der Innendeputation äußerte sich Mäurer in der vergangenen Woche erneut sehr kritisch zu diesen Vorfällen. Einen Polizisten nötigten Fans zudem nach dem Spiel. Mäurer kommentierte: „Das geht gar nicht.“ Die Ermittlungen zu diesen Vorfällen laufen noch.

Der Innensenator erwarte nun von Werder, dass alles getan werde, damit die großen Transparente künftig verschwinden, sagt Mäurers Sprecherin Gerdts-Schiffler. „Es ist eine rote Linie überschritten.“ Immer wieder habe es Vorfälle im Weserstadion gegeben und scharfen Protest aus ihrem Ressort. Man wolle Werder aber Gelegenheit geben, selbst mit den Fans über die Vorfälle zu sprechen, kündigte der Senator in der Sitzung an. Das hörte sich bereits danach an, dass Mäurer endlich Konsequenzen sehen will.

Hess-Grunewald sucht den Dialog mit den Fans

Das Gespräch gab es an diesem Mittwochabend. Werders Präsident und Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald, Mitarbeiter der Fanbetreuung und Vertreter von Fangruppen trafen sich, um eine Bilanz der Hinrunde zu ziehen – und Konsequenzen. „Es war ein kritischer und konstruktiver Austausch, bei dem wir als Verein auch klare Worte gefunden haben“, sagt Hess-Grunewald, der beim Verein für die Fanbetreuung und Sicherheitsfragen zuständig ist.

Nach den Vorfällen im Dezember hatte Hess-Grunewald bereits gesagt, dass Werder sich gezwungen sehe, auch Maßnahmen zu treffen, damit es gar nicht zu neuen Ausschreitungen komme. Laut einem Sprecher des Vereins habe der jüngste Termin mit den Fans jedoch nichts mit den Vorfällen zu tun. Er finde regelmäßig statt, das Treffen sei ein ganz normaler Austausch von Verein und Fans.

Wie lang es keine Genehmigung für die Blockfahnen im Ultra-Bereich mehr gibt, hänge von den Fans selbst ab. Werder schreibt in einer Erklärung: „Dieser Umstand kann durch die benannten Gruppen durch verantwortungsbewussteres Verhalten in diesem Bereich der Ostkurve eigenständig wieder verbessert werden.“ Im Rest des Stadions sind die Fahnen unterdessen weiter erlaubt. Um ein Transparent zu genehmigen, müssen zwei Verantwortliche benannt und ihre Personalausweise vorgelegt werden – „bis auf Weiteres“.

Strafe gab es schon nach Spiel gegen den HSV

Es ist nicht das erste Mal, dass Werder nach dem Abbrennen von Bengalos seine Ultras abstraft. Im März 2014 reagierte Werder, nachdem Fans beim Nordderby im Weserstadion gegen den Hamburger SV Pyrotechnik gezündet hatten, ebenfalls mit dem zeitweiligen Verbot von Blockfahnen und sogar von Choreografien. So wiederholt sich die Geschichte.

Für ein längerfristiges Umdenken aber hat die Strafe seinerzeit nicht gesorgt, im Gegenteil. Zunächst reagierten Ultras mit dem verstärktem Pyro-Einsatz auf das damalige Verbot. Auch DFB-Strafen läpperten sich, vor etwa einem Jahr kamen so rund 35 000 Euro zusammen. Die Ursachen: Bierbecherwürde auf Schiedsrichter und einen Spieler – und mehrmals das Abbrennen von Pyrotechnik.

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