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Werder-Ultras sorgen für Polizei-Großeinsatz

Thorsten Waterkamp und Jörn Hüttmann 22.11.2015 14 Kommentare

Polizeieinsatz am späten Sonnabend im Viertel.
Polizeieinsatz am späten Sonnabend im Viertel. (Jörn Hüttmann)

Mit Pfefferspray und Schlagstöcken ist die Polizei gegen Werder-Fans am Bahnhof Hannover vorgegangen. 113 von 250 Fans hätten sich auf dem Weg nach Wolfsburg im Zug nicht kontrollieren lassen und sich in einem Waggon eingeschlossen, teilte die Bundespolizei mit. Dem widersprach einer der Ultras, der sich in dem Zug befand. „Das ist Blödsinn“, sagte der Mittzwanziger am späten Sonnabend dem WESER-KURIER. Die szenekundigen Beamten und auch das Kontrollpersonal der Bahn habe „frei durch den Waggon“ gehen können.

Die Zugbegleiterin alarmierte die Bundespolizei. In Hannover holte die Polizei die Ultras aus dem Zug, um Personalien und Tickets zu überprüfen. Ergebnis: 51 Werder-Anhänger waren ohne Fahrschein unterwegs. "Gegen diese Personen wurden Verfahren wegen Leistungserschleichung eingeleitet", sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover. Außerdem befanden sich zehn polizeibekannten "Gewalttäter Sport" in der Gruppe. Nach Polizeiangaben seien viele der kontrollierten Fans der Bremer Ultra-Gruppe "Infamous Youth" zuzurechnen.

Gleichzeitig solidarisierten sich im Hauptbahnhof Hannover laut Bundespolizei weitere Werder-Fans mit den Personen in der Polizeikontrolle und verhinderten die Abfahrt von zwei Zügen nach Wolfsburg. "Nach und nach kamen immer mehr Bremer Fans in Hannover an, die nicht ohne ihre Gesinnungsgenossen weiter fahren wollten", sagte ein Polizeisprecher.

Fans solidarisieren sich

Sie sollen Notbremsen gezogen, Türen blockiert und eine Scheibe eines Zuges eingeschlagen haben. Flaschen seien auf die Polizei geflogen. Fünf Feuerlöscher sind laut Bundespolizei in Richtung der Polizei entleert worden. Daraufhin sind die Beamten mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Diensthunden gegen die Fans vorgegangen. Erst mit starker Unterstützung der niedersächsischen Landespolizei und einer zwischenzeitlich aus Berlin eingeflogenen Einheit gelang es der Polizei, die Lage unter Kontrolle zu kriegen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover.

Die insgesamt rund 300 Beamten drängten die Randalierer schließlich in einen Tunnel am Ende des Bahnsteiges ab. 128 Fans wurden in Gewahrsam genommen, darunter fünf Frauen und zwei Minderjährige. "Gegen alle wird nun wegen Landfriedensbruch ermittelt", sagte Martin Ackert. Die beiden Minderjährigen und einen 27-jährigen Werder-Fan erwartet ein Verfahren wegen schwerer Körperverletzung.

Durch den Pfeffersprayeinsatz habe es mehrere Verletzte unter den Bremer Ultras gegeben, sagte der Fan gegenüber dem WESER-KURIER. Er selbst sei ebenfalls betroffen gewesen – erste Hilfe, behauptete er, sei ihm verweigert worden. Dem wiederspricht die Polizei. "Bei uns haben sich keine Verletzten gemeldet", sagte Polizeisprecher Ackert. 

Glasflaschenwürfe in Bremen

Zurück in Bremen, kam es am späten Abend am Dobben zu einem weiteren Zwischenfall. Bei dem Einsatz von rund 100 Beamten sei etwa ein halbes Dutzend Ultras ohne Angabe von Gründen auf den Boden gezwungen worden, teilte der Ultra dem WESER-KURIER mit. Noch während des Telefonats wurde er – offenbar von einem Beamten – angeherrscht. „Beim nächsten Mal nehme ich Sie in Gewahrsam“, war zu hören. Details zu diesem Einsatz wollte die Polizei Bremen am Abend nicht geben, allerdings wurde in der Nacht noch eine Pressemitteilung verschickt.

Darin schreibt die Polizei, man habe die Ultras nach der Rückkehr in Bremen "frei passieren und ohne Polizeibegleitung losgehen" lassen. Allerdings habe die Gruppe dann die Fahrbahn und Gleise blockiert und diese auch nach Aufforderung nicht wieder geräumt. Mindestens ein Stein sei in Richtung der Polizeibeamten geworfen worden. Als die Polizei die Gruppe dann auflösen wollte, seien bei der Flucht noch Glasflaschen geworfen worden. Verletzt wurde dabei niemand, allerdings wurde ein Dienstfahrzeug beschädigt. Einige Ultras wurden in Gewahrsam genommen und diverse Strafanzeigen gestellt. 

Bundesweit gab es an verschiedenen Orten Auseinandersetzungen mit Fußballfans. So lieferten sich vor dem Spiel zwischen Mönchengladbach und Hannover Anhänger beider Klubs in einem Regionalzug Schlägereien. Wie die Polizei mitteilte, wurde von 238 Personen die Identität festgestellt. Darunter seien 28 bekannte „Gewalttäter Sport“ gewesen. In Gelsenkirchen versuchten nach Angaben der örtlichen Polizei „gewaltbereite Anhänger des FC Bayern München und des VfL Bochum den Kassenbereich Nord zu stürmen“. Bei dem laut Polizei „extrem gewalttätigen Übergriff“ wurden offenbar zahlreiche Menschen teilweise erheblich verletzt.


Noch mehr Werder Bremen?

Ja! Was die Werder-Fans abseits des aktuellen Spielbetriebs noch interessiert, gibt es auf dieser Seite gesammelt zum Nachlesen. Wenn Sie auf der Suche nach anderen Sportarten wie Tischtennis, Schach oder Handball von Werder suchen - diese finden Sie nach wie vor im Lokalsport!