Werder Bremen Werder wartet auf die Özil-Unterschrift

Bremen. Mesut Özil soll Superstar, Teenie-Idol und Werbe-Ikone sein - doch am glücklichsten ist er als Fußballer. Seine Zukunft bei Werder Bremen ist aber weiterhin ungeklärt, die Gespräche zur Vertragsverlängerung sind noch nicht abgeschlossen.
12.04.2010, 00:39
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Werder wartet auf die Özil-Unterschrift
Von Marc Hagedorn

Bremen. Diesen Aspekt seines Jobs mag Mesut Özil überhaupt nicht. Wenn ihm nach dem Spiel die Reporter ihre Mikrofone und Diktiergeräte entgegenstrecken, dann schlägt er plötzlich seine Augen nieder, sein Blick huscht dann hierhin und dahin, als suchte er irgendwo nach einem Halt. Mesut Özil wirkt in diesen Momenten gehetzt. Wie ungern er Interviews gibt, lässt sich auch an seinen Antworten ablesen. Sie fallen fast immer gleich aus und verraten meist wenig bis nichts. Nachfragen weicht er so zielsicher aus wie den Grätschen gegnerischer Verteidiger.

Das macht Mesut Özil nicht unsympathisch, überhaupt nicht. Es lässt ihn menschlich erscheinen, auch wenn sein Umfeld ihn gern anders zeichnet. Sein Berater Reza Fazeli und Vater Mustafa vermarkten ihn als Teenie-Ikone in Fernsehspots oder auf meterhohen Werbeplakaten. Als Millionen-Kind des Fußballs, als den deutschen 'Messi' sozusagen. Diesen Spitznamen trägt er ja schon. Auf dem Spielfeld hat Mesut Özil alle Voraussetzungen, um ein Großer zu werden. Auf die Dinge, die diese Rolle abseits des Spielfeldes mit sich bringt, würde er sehr gern verzichten, das merkt man immer wieder. Am Sonnabend war der Frage-und-Antwort-Marathon nach dem Freiburg-Spiel für ihn so anstrengend wie die 90 Minuten zuvor.

Erinnerungen an goldenen Herbst

Auf dem Rasen des Weserstadions hatte Mesut Özil die Erinnerung an den vergangenen goldenen Herbst wachgeküsst. Er hatte wie endlich wieder ein wunderschönes Tor geschossen. Ein einziger Treffer war ihm in den vorangegangenen 21 Spielen geglückt. Dazu hatte Mesut Özil, den seine Bundesliga-Kollegen im Winter noch zum 'Besten Spieler der Hinrunde' gewählt hatten, beim 4:0 gegen den SC Freiburg einen weiteren Treffer vorbereitet und einen dritten eingeleitet. Mesut Özil auf dem Platz - dort ist er in seinem Element. Allerdings: Nur Fußballspielen, das geht in diesem Millionengeschäft nicht.

Gleich nach dem Schlusspfiff umlagerten ihn deshalb die Journalisten. Als Mannschaftskapitän Torsten Frings an der Menschentraube vorbeikam, rief er: 'Messi, lass? dich nicht feiern.' Per Mertesacker, der neben Frings ging, rief: 'Messi, jetzt reicht es.' Es reichte aber natürlich nicht, weil alle wissen wollten, wie es denn nun weitergeht mit Mesut Özil und Werder. Verlängert er in Kürze bis 2012, wie es die 'Bild'-Zeitung vermeldet hatte. Özil verneinte dies ebenso wie Werder-Boss Klaus Allofs ein paar Meter neben ihm dieselbe Frage fast wortgleich verneinte. Es seien noch weitere Gespräche nötig, erklärten Allofs und Özil unisono. Das klang abgesprochen, muss es aber nicht gewesen sein.

Es gehört zu den Aufgeregtheiten von Transferabschlüssen und zu den Merkwürdigkeiten bei Vertragsverhandlungen, dass es am Ende trotzdem so kommen kann wie jetzt voreilig vermeldet, dass Mesut Özil tatsächlich schon bald bei Werder verlängern wird. Nicht, weil das längst entschieden wäre, sondern weil es ganz einfach die naheliegendste Lösung ist. Klaus Allofs sagte am Sonnabend: 'Alle bewegen sich. Werder muss sich bewegen, und Özils Berater muss sich bewegen.' Werder würde gerne für zwei, noch lieber für drei Jahre verlängern. Özil-Berater Reza Fazeli würde vor der Weltmeisterschaft am liebsten gar nicht mehr verlängern. Wenn sich beide Seiten nun wirklich bewegen, dann treffen sie sich in der Mitte, und das ist ungefähr beim Jahr 2012.

Dieser Deal hätte für beide Seiten sein Gutes. Mesut Özil bekäme eine Gehaltsaufbesserung, Werder besäße mit Blick auf die kommende Saison Planungssicherheit und hätte keinen so großen Druck mehr wegen der Weltmeisterschaft im Sommer. Um das Turnier in Südafrika dreht sich nämlich alles. In Özils Umgebung spekuliert man darauf, dass der 21-Jährige am Kap groß aufspielt und sich die Spitzenklubs anschließend um ihn reißen.

Nutzt oder schadet Özil der Faktor WM?

Dass so ein Plan in den bekanntermaßen medial sehr aufgeheizten Turnierwochen aufgehen kann, hat zuletzt erst die Europameisterschaft 2008 wieder bewiesen. Dem russischen Dribbler Andrei Arshavin etwa reichten in der Schweiz und Österreich drei Spiele, um anschließend zum FC Arsenal zu wechseln. Drei Turniertreffer brachten Arshavins Landsmann und Angreifer Roman Pavlyuchenko einen Millionenvertrag bei den Tottenham Hotspurs ein. Und Valencias David Villa war Real Madrid und dem FC Barcelona als EM-Torschützenkönig plötzlich über 40 Millionen Euro wert.

Diese Taktik ist allerdings nicht ohne Risiko. Was, wenn Mesut Özil womöglich die ihm zugedachte große Rolle bei der WM in Südafrika gar nicht spielt? In den Wochen der Özilschen Formkrise konnte einem dieser Gedanke schon mal kommen. Özils beziehungsweise Fazelis Verhandlungsposition hat die Schwächephase zuletzt geschadet. Zudem ist es fraglich, ob es bisher überhaupt konkrete Anfragen bei Werder Bremen von angeblichen Interessenten wie dem FC Arsenal oder dem FC Barcelona gegeben hat. Klaus Allofs schweigt zu diesem Thema.

Gut möglich, dass vor diesem Hintergrund nun auch das Özil-Lager erkennt, dass eine Vertragsverlängerung für einen überschaubaren Zeitraum nicht die schlechteste Lösung sein muss. Zumal der Weg zu einem Spitzenklub damit nicht verbaut wäre. Miroslav Klose oder zuletzt Diego wechselten auch trotz noch laufender Verträge. Letztendlich ist es der Preis, der jedes Geschäft regelt. Ein Spielerberater drückte es gegenüber dem Weser-Kurier kürzlich so aus: 'Es gibt in Europa sieben, acht Vereine, für die spielen Verträge überhaupt keine Rolle. Wenn diese Klubs einen Spieler unbedingt haben wollen, dann kriegen sie ihn.' Das wissen auch die Verhandlungspartner in Bremen.

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