Umstrittenes Ticketportal Viagogo Werder weist Millionenangebot zurück

Bremen. Auch Werder Bremen hat vor einem Jahr ein attraktives Angebot der in der Szene umstrittenen Online-Plattform bekommen, aber abgelehnt. "Wir wollen nicht, dass Tickets zu Spekulationsobjekten werden", so Werder-Chef Klaus Filbry.
11.07.2013, 05:00
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Von Olaf Dorow und Arne Richter

Bremen. Dürfen Bundesligisten ihre Eintrittskarten weiterverkaufen? Und wenn ja, zu welchen Bedingungen?

Anfang der Woche hatte der FC Schalke seinen Vertrag mit dem Ticketportal Viagogo gekündigt. Viagogo hatte mit dem Klub Medienberichten zufolge ausgehandelt, dass der Online-Händler für drei Jahre pro Saison 3000 Karten weiterverkaufen darf, in maximal zehn Spielen pro Saison und mit einem maximalen Aufschlag von 100 Prozent. Dafür sollte Viagogo 3,6 Millionen Euro überweisen. Schalke begründete die Kündigung mit Verstößen gegen den Vertrag, Viagogo dementierte und prüft rechtliche Schritte. Fanvertreter begrüßten Schalkes Entscheidung.

Viagogo arbeitet mit zahlreichen Bundesligisten zusammen. Auch Werder Bremen erhielt vor einem Jahr ein attraktives Angebot der in der Szene umstrittenen Online-Plattform. Es hätte sich pro Saison im unteren siebenstelligen Bereich bewegt.

"Wir haben das aber abgelehnt", sagte Werder-Chef Klaus Filbry am Mittwoch. Begründung: "Wir wollen nicht, dass Tickets zu Spekulationsobjekten werden." Der Klub arbeite vielmehr am Ausbau einer eigenen Ticketplattform. Außer an den WESER-KURIER würde Werder an keinen anderen Anbieter Karten weiterreichen, sagt Filbry.

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Dennoch tauchen diverse Karten auch für Werder-Spiele an der Online-Börse auf. Sie könnten dort zum Beispiel von Dauerkarteninhabern platziert worden sein. Die Preise können dabei kräftig nach oben schießen. Wer über Viagogo ein Ticket in der Südkurve für Werders erstes Bundesliga-Spiel am 10. August in Braunschweig erwerben möchte, ist derzeit mit knapp 142 Euro Grundpreis dabei. Dazu kommen Buchungsgebühr, Liefergebühr und Mehrwertsteuer. Gesamtkosten: 180 Euro. Für die Nordkurve oder die Tribünen würde es erheblich teurer werden. Für eine ermäßigte Stehplatz-Karte im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt fallen inklusive aller Gebühren immerhin noch 45 Euro an.

"Für uns ist das Schwarzhandel"

Mit der Entscheidung, Abstand zu Viagogo zu halten, steht Werder nicht allein in der Bundesliga. Im Frühjahr hatte auch Borussia Mönchengladbach ein angeblich höchst verlockendes Angebot zurückgewiesen. "Wenn ein Spiel ausverkauft ist, dann ist es ausverkauft. Dann gibt es nicht noch mal ein paar Hundert Tickets auf irgendeiner Internetplattform zu völlig überzogenen Preisen", sagte Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers.

Der SC Freiburg lehnt das Modell ebenfalls ab. "Wenn wir den Leuten in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen reinschreiben, dass sie die Karten nicht weiterverkaufen dürfen, können wir dann doch nicht mit so einem Händler zusammenarbeiten", sagte SC-Sprecher Rudi Raschke, "für uns ist das ein im Netz organisierter Schwarzhandel, den wir nicht unterstützen können".

Andere haben weniger Berührungsängste. Der VfB Stuttgart, Viagogo-Vertragspartner, stuft die Lage nicht als prekär ein. "Wir bieten damit eine interessante und legale Plattform mit der Möglichkeit, Eintrittskarten nicht verfallen zu lassen", sagte der damalige VfB-Präsident Gerd Mäuser im Dezember. Viele Fans quittierten diese Haltung mit Protesten im Stadion.

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