Werder Bremen Werders Leben ohne Champions League

Bremen. Seit zwei Jahren hält der sportliche Erfolg bei Werder nicht mehr Schritt mit den Personalkosten. Kein Wunder, dass die Grün-Weißen ordentlich sparen müssen. "Wir haben weniger Geld für Gehälter zur Verfügung", so Werder-Boss Klaus Allofs.
20.05.2012, 05:15
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Werders Leben ohne Champions League
Von Marc Hagedorn

Bremen. Im Lagebericht von Werder Bremen für das Geschäftsjahr 2009/2010 findet sich auf Seite 6 eine schlichte Feststellung. "Wie bereits ausgeführt, hängt die wirtschaftliche Entwicklung und Bestandsfähigkeit der SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA in erheblichem Maße direkt von schwer vorhersehbaren sportlichen Erfolgen ab", heißt es dort.

Heute, kaum zwei Jahre später, ahnt man, was das für den Klub bedeutet. Denn weil die Bremer im vergangenen Jahr und auch in der nächsten Spielzeit keinen internationalen Fußball spielen, die gewünschten "sportlichen Erfolge" also ausgeblieben sind, muss Werder sparen - und zwar ordentlich.

"Ich will keine Zahlen nennen, aber wir haben weniger Geld für Gehälter zur Verfügung", sagt Sportdirektor Klaus Allofs. In der Saison 2003/2004, als Werder Meister wurde und den DFB-Pokal gewann, hatten die Bremer 26 Millionen Euro für ihre Profimannschaft ausgegeben. Fünf Jahre später hatte sich die Summe verdoppelt. 2008/2009 kostete sie 53,91 Millionen, so teuer war eine Werder-Mannschaft nie davor und nie seitdem. Diese Entwicklung war solange kein Problem, wie der Klub in der Champions League spielte.

Mit Einnahmen in Höhe von 20 Millionen Euro konnte der Verein in der Königsklasse stets kalkulieren, damit war der halbe Kader schon fast bezahlt. Dass die Personalkosten in Bremen beinahe die Hälfte des gesamten Umsatzes ausmachen, liegt laut Stefan Ludwig vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte im Ligadurchschnitt. "Es ist auf jeden Fall ein gesünderes Verhältnis als in Italien oder Spanien, wo die Spielergehälter weit mehr verschlingen", sagt der Director der Sport Business Gruppe von Deloitte, die alljährlich die Umsatzentwicklung bei Europas Top-Klubs untersucht.

Werder hat in den vergangenen neun Jahren seinen Umsatz von knapp 50 Millionen auf über 120 Millionen Euro kontinuierlich gesteigert. Rund 20 Millionen kamen von der Uefa, geschätzte 10 Millionen aus dem Trikotsponsoring, circa 30 Millionen aus nationalen und internationalen Zuschauer- und Spieltagseinnahmen und fast 25 Millionen aus der Vermarktung der TV-Rechte allein für die Bundesliga. Und, das ist eine weitere Säule des Bremer Geschäftsmodells, aus Spielertransfers.

Die Verkäufe von Valerien Ismael, Diego oder Mesut Özil versetzten Werder in die Lage, auf dem Transfermarkt selbst als großer Einkäufer in Erscheinung zu treten. Allein für die Dienste des Trios Tim Borowski, Claudio Pizarro und Marko Marin weist der Jahresbericht 2009/2010 Investitionen in Höhe von über 20 Millionen Euro aus. Die weiteren Transfers sind bekannt: Marko Arnautovic soll über sechs Millionen Euro gekostet haben, der Brasilianer Wesley ebenso. Für Mehmet Ekici sollen um die fünf Millionen Euro fällig gewesen sein. Vertragslaufzeiten, Gehälter und Prämien nicht eingerechnet.

Der sportliche Erfolg hält damit seit zwei Jahren nicht mehr Schritt. Werder leistete sich eine Mannschaft, die bis zu dieser Saison Kosten auf Champions-League-Niveau verursachte, aber nicht einmal mehr in der Europa League spielte. Deshalb verkaufte der Verein im vergangenen Sommer Per Mertesacker für geschätzte zehn Millionen Euro und jetzt Marko Marin für geschätzte acht. Deshalb erhielt ein Großverdiener wie Torsten Frings im vergangenen Sommer keinen neuen Vertrag. Und deshalb war Werder bei Nationaltorwart Tim Wiese in diesem Frühjahr nicht bereit, weiteres Geld auf das Millionengehalt zu packen. Claudio Pizarro, dem Werder eine Gehaltserhöhung in Aussicht stellte, ging trotzdem. Andere Gutverdiener wie Markus Rosenberg, Petri Pasanen, Daniel Jensen und Hugo Almeida wollte Werder nicht halten.

Ein Klub wie Bayern München könnte eine Spielzeit ohne Champions League besser verkraften. "Den Bayern täte es zwar auch weh, wenn plötzlich 20 Millionen fehlten", sagt Stefan Ludwig, "aber die 20 Millionen machen dort nicht mal 10 Prozent des Gesamtumsatzes aus." Was 20 Millionen weniger dagegen für Bremen bedeuten, sieht man jetzt.

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