Werder Bremen Weserstadion bekommt neuen Rasen

Bremen. Ein Stück Rasen, heiliger Rasen, Werder-Rasen. Vor allem für Werderfans ist das Grün im Weserstadion etwas ganz Besonders. Doch nach zwei Jahren ist der Rasen hinüber. Also raus damit, komplett. Am Montag wurde mit den Arbeiten begonnen.
08.03.2010, 20:40
Lesedauer: 2 Min
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Weserstadion bekommt neuen Rasen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Flink sind sie, die Kollegen vom 'Sportblitz' - zack rein ins Stadion und Beute gemacht. Ein Stück Rasen, heiliger Rasen, Werder-Rasen. Am Abend wird der halbe Quadratmeter im Fernsehen zu bestaunen sein, und dann wissen es alle, man sieht's ja deutlich: Der Rasen ist hinüber. Also raus damit, komplett, am Montag wurde mit den Arbeiten begonnen.

Der Platz war teilweise nur noch ein Acker, besonders im Strafraum. Zuletzt hatte es deswegen sogar richtig Ärger gegeben. Als Werder am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart spielte, flutschte VfB-Keeper Jens Lehmann ein Ball ins Tor, den er nach eigener Einschätzung bei anderen Platzverhältnissen sicher gehalten hätte. Auch Werder-Spieler klagten über den holprigen Rasen. Sie werden froh sein, dass es nun anders wird, zum nächsten Heimspiel schon.

Bis auf das kleine Stück für die Fernsehleute von Radio Bremen bleibt nichts übrig vom alten Rasen. Er wird abgefräst und ist am Ende nur noch ein Haufen Erde. Gleich danach wird den Spielern sozusagen der Teppich ausgerollt. Rasen auf der Rolle, je 14 Meter lang, 'damit er eine gewisse Grundschwere hat und besser liegen bleibt', erklärt Jens Hünten. Der Gärtnermeister ist bei Stadtgrün unter anderem fürs Stadion und fürs gesamte Trainingsgelände zuständig. Bei Rasen macht ihm niemand was vor: 'Wir verwenden eine Mischung aus Colium perenne und Poa pratensis, die ist sehr trittfest und regeneriert gut.' Muss auch sein, bei dieser Belastung. 'Vier Spiele in zehn Tagen und dazu noch ein Trainingstermin', zählt Hünten auf.

Mittwoch in einer Woche geht?s los, dann kommt der FC Valencia zum Rückspiel in der Europaliga und will am Tag vor dem Spiel im Stadion trainieren. Wehe, der Rasen rutscht oder macht sonst welche Sperenzien. Hünten hat da aber keine Bedenken: 'Es ist ja nicht so, dass diese Art von Rasen erst lange anwachsen muss, um zu halten.' Das Material kommt aus einer Rasenschule in Holland, edle Ware, wie es sich für Werder gehört. Der Verein zahlt dem Vernehmen nach deutlich über 100000 Euro für das neue Grün im Stadion.

Das letzte Mal ist der Rasen im Weserstadion vor zwei Jahren ausgetauscht worden. Eine Zeitspanne, die okay ist, meint Hünten. In anderen Stadien rücken die Rasenmacher, wenn?s schlecht läuft, gleich mehrmals im Jahr an, weiß der 37-Jährige. Immer noch geht es ja um ein Stück Natur, das gute Bedingungen braucht, um zu wachsen und in der Struktur fest zu bleiben. Ein Fußballstadion ist dafür in den vergangenen Jahr mehr und mehr ein schlechter Ort geworden. Wenig Licht und Luft - das mag der Grashalm nicht. Auch im Weserstadion gibt es mit den neuen Dächern nun mehr Schatten; Hünten und seine Leute müssen sehen, dass sie den Rasen trotzdem in Form halten.

Wie das geht? 'Entscheidend ist die Feuchtigkeit und wie oft das Spielfeld beansprucht wird', sagt Hünten. Das mal vorweg. Ganz wichtig ist aber auch die Pflege. 'Die Leute meinen, wir müssten hier nur den Rasen mähen und das war?s.' Tatsächlich wird das Grün gehätschelt wie auf dem Golfplatz - solche wie Hünten und seine Kollegen aus den anderen Stadien werden deswegen schon nicht mehr Platzwart genannt, sondern laufen mittlerweile unter Greenkeeper. Eine andere Klasse, Bundesliga, wenn nicht noch mehr.

Da wird gedüngt und nachgesät, da wird vertikutiert und aerifiziert - ja, das gibt?s, der Rasen wird dabei durchlöchert, damit Luft rankommt. Und da wird auch gesandet, 'mit Lotsand', erklärt Hünten, 'gesiebt und gewaschen'. Das verhindert den Filz im Rasen und ist auch gut für den Gasaustausch und die Wasserführung.

Eine Wissenschaft ist das, und kein Wunder, dass der Gärtnermeister mit Argusaugen darüber wacht, dass die Besuchergruppen im Stadion nicht allzu lange übers Grün schlurfen. Eines dürfen sie aber gerne tun, Hünten sieht?s mit Freude: 'Die Leute kommen und streicheln den Rasen.'

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