Werder gegen Tottenham "Wir können nur positiv überraschen"

London. Am Mittwochabend (ab 20.45 Uhr bei uns im Liveticker) empfängt Tottenham Werder Bremen in London. Vor der Begegnung sind die Erwartungen an die Team ganz anders, als noch vor der ersten Begegnung. Klaus Allofs ist sich sicher: "Wir können nur positiv überraschen."
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Olaf Dorow

London. Nach der Auslosung dachte man: Werder gegen Tottenham, das ist eine interessante, aber lösbare Aufgabe. Nach dem ersten Spiel der Champions-League-Gruppe-A dachte man, Tottenham ist gut, aber mehr auch nicht. Werder hätte gewinnen können statt 2:2 zu spielen. Nur wenige Wochen später ist Tottenham den Werderanern drückend überlegen.

An der White Hart Lane findet am Mittwochabend (ab 20.45 Uhr bei uns im Liveticker) tatsächlich ein Spiel in der Champions League statt, für die sich beide Mannschaften qualifiziert haben. Werder zum sechsten Mal in fast ununterbrochener Folge, Tottenham erstmals, zumindest für die Champions League der Neuzeit.

Gefühlt spielen aber zwei Mannschaften, die aus verschiedenen Spielklassen kommen. Gefühlt sind die Vorzeichen so wie in der ersten Runde des DFB-Pokals. David gegen Goliath. Werder Bremen, der Dauergast in der Champions League, ist dabei nur der David.

Die Tabellenkonstellation in der GruppeA ist schnell erzählt. Das letzte Aufgebot müsste sich am Mittwoch an den letzten Strohhalm klammern. Werder, noch sieglos in den bisher vier Spielen, muss gewinnen, um noch eine Minichance auf das Achtelfinale zu wahren. Ein Unentschieden würde das Achtelfinale für Werder unerreichbar machen.

Es würde nur dann eine Minichance auf die Europa League wahren, wenn am Mittwoch zeitgleich Twente Enschede in Mailand verliert. Nur dann. Eine Bremer Niederlage würde das letzte Gruppenspiel am 7.Dezember im Weserstadion gegen Inter Mailand zur statistischen Angelegenheit verkommen lassen. Es gäbe dann keine Optionen mehr für Werder.

Niederlage wäre Werders Europa-Aus

Tottenham wäre bei einem Sieg gegen Werder bereits im Achtelfinale. Es macht aber nicht dieses Rechenbeispiel den Goliath hier und den David dort. Werder, ohnehin kriselnd, geht mit dem letzten Aufgebot an den Start. Weil so viele Stammspieler verletzt oder gesperrt sind, hat Trainer Thomas Schaaf sieben Spieler aus der U23 mitgenommen nach London. Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer sagte am Flughafen: "Ich bin jetzt seit 41 Jahren dabei und unterwegs mit Werder. Eine solche Situation habe ich noch nie erlebt."

So sieht sich Werder jetzt in der Tat mit einer einer Situation konfrontiert, in der man die Krise als Chance begreifen muss. Getreu dem Motto: Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie. Wir haben nichts zu verlieren. Thomas Schaaf sagt gestern Morgen vor dem Einchecken in Bremen: "Vielleicht liegt gerade darin der Reiz, weil nicht allzu viel von uns erwartet wird." Klaus Allofs, der Werder-Chef, sagt: "Ich glaube, dass wir aus dieser Situation heraus nur positiv überraschen können."

Werder war mit relativ wenigen Verletzten in seine tiefe sportliche Krise geschlittert und muss sich am Mittwoch mit vielen Verletzten gegen diese Krise stemmen. Wenn man bösartig sein will, müsste man unterstellen, dass Werder das extra gemacht hat mit den ganzen Verletzten. Um eine gute Ausrede zu haben, wenn es schief geht an der White Hart Lane.

Wer würde denn Felix Kroos oder Dominik Schmidt vorwerfen wollen, dass sie gegen Tottenham verloren haben. Tottenhams Trainer Harry Redknapp ist Dienstag von den englischen Reportern gefragt worden, ob sein Kader nicht sogar besser bestückt sei als der von Chelsea und Manchester United. Was er allerdings so nicht bestätigen mochte.

Niemand erwartet Wunderdinge

Der Vorteil der jungen Leute aus Werders zweiter Mannschaft besteht darin, dass sie sich nicht mit erdrückenden Erwartungen herumschlagen müssen. Niemand erwartet Wunderdinge. Sie haben ganz gut geschlafen, sie können ganz unverkrampft davon reden, dass ein Champions-League-Einsatz doch der Traum eines jeden Fußballers sei. "Breite Brust haben, draufgehen", verkündete der erst 18-jährige Clemens Schoppenhauer, dem eine Dienstreise nach London vor einigen Wochen noch ähnlich utopisch vorgekommen sein wird wie ein Mondfahrt.

Breite Brust, draufgehen, das ist wirklich ein guter Plan. Man sollte jedoch auch nicht verschweigen, dass Werders U-23-Spieler aus einer Mannschaft kommen, die in der dritten deutschen Liga auf dem letzten Platz steht und ihr letztes Spiel mit 1:5 verloren hat.

Dienstagmorgen sagte Schaaf in Bremen: "Solange es rechnerisch möglich ist, werden wir uns nicht aufgeben." Das war natürlich nicht falsch, dass er das gesagt hat, aber es wirkte doch wie eine Durchhalteparole. Andere Sätze als Durchhalteparolensätze sind derzeit kaum möglich für Werders Trainer.

Am Abend in London war es auch nicht besser. Es müssten schon außergewöhnliche Dinge passieren, damit Werder noch weiterkommt, sagte Schaaf, und: "Die Chancen stehen nicht gut, aber jeder wird sein Bestes auf dem Platz geben - und dann schauen wir, was rauskommt." Wenn man die Elf aufstellen würde, die fehlt, "dann hätte man ´ne gute Mannschaft zusammen".

Das sagte er auf der Pressekonferenz an der White Hart Lane. Draußen tuckerte Werders Mannschaftsbus. Er war an der Seitentür lädiert. Ein Kleinbus hatte ihn auf der Fahrt der Mannschaft vom Hotel zum Stadion gerammt. Jetzt hatte sich auch noch der Bus verletzt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+