Werders U17-Spieler Levent Aycicek und Cimo Röcker Zum Umfallen müde - aber glücklich

Bremen. Mit der Bronzemedaille sind Levent Aycicek und Cimo Röcker von der U17-WM in Mexiko zurückgekehrt. Müde, aber glücklich haben sie über das Turnier gesprochen.
13.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Kurz bevor die Pressekonferenz starten sollte, hatte Uwe Harttgen noch eine Idee, Cimo Röcker vor dem Einschlafen zu bewahren. "Ich könnte ihn ja immer mal in die Seite stupsen", meinte Werders Nachwuchsdirektor mit einem Grinsen. Am Ende musst Harttgen dann doch nicht eingreifen. Aber leicht war es nicht für Röcker und seinen Kollegen Levent Aycicek, Dienstagnachmittag wach zu bleiben. Erst am Morgen waren sie in Frankfurt gelandet. Der Rückflug von der U17-Weltmeisterschaft in Mexiko mit einem Zwischenstop in den USA hatte fast einen Tag lang gedauert. Die letzte, mühsame Etappe einer Reise, die sich gelohnt hat: Die Werderaner Röcker und Aycicek kehrten nach dem 4:3-Erfolg über Brasilien im Spiel um Platz drei mit der Bronzemedaille zurück.

"Ihr seid nach euren jüngsten Auftritten für viele jetzt mehr als die Weltmeister der Herzen", hatte sie Theo Zwanziger bereits am Morgen in Frankfurt wissen lassen. Man darf annehmen, dass dem DFB-Präsidenten der Empfang des Nachwuchsteams deutlich leichter von der Hand ging als die tröstenden Worte für die untröstlichen Fußballfrauen - aus Mexiko kamen durch und durch zufriedene Fußballer.

Dritter Titel für Werder

Nur müde waren sie- das war den beiden Bremern deutlich anzumerken. "Jetzt kommen erst mal die Ferien", betonte Cimo Röcker denn auch. Wie lange? "Wir gehen von drei Wochen aus." So wird es wohl kommen. Allerdings weiß man das nie genau bei jungen Fußballern. Alle wollen etwas von ihnen, und sie sind eigentlich auch immer bereit, ihrem Sport nachzugehen. Neben dem großen Erfolg in Mexiko - für die Bremer nach Vizeeuropameisterschaft und der deutschen Vizemeisterschaft mit Werders U17 bereits der dritte Titel - spielte gestern deshalb auch die Belastung eine Rolle auf dem Podium. "Daran müssen wir jetzt denken", unterstrich Uwe Harttgen. Die beiden Kicker waren oft unterwegs in den vergangenen Wochen. Da ist einiges an Schulstoff nachzuholen. Von der körperlichen Belastung ganz zu schweigen.

Natürlich könnte man sich Cimo Röcker und Levent Aycicek auch gut vorstellen als Teilnehmer an einem Trainingslager der Profis. Aus sportlicher Sicht wäre das sicher keine schlechte Idee. "Aber dann kommen sofort die Ärzte und Physiotherapeuten", erklärt Uwe Harttgen. Zum behutsamen Aufbau der jungen Talente gibt es keine Alternative. Weder in diesen Tagen noch in Bezug auf deren Karriereplanung. "Das lassen wir auf uns zukommen", beschied Levent Aycicek denn auch die Frage nach einem Profivertrag. Nun werden die vergangenen Wochen erst mal verarbeitet. Da gibt es genug zu tun. "Wir nehmen viele Erfahrung mit aus der Weltmeisterschaft", meinte Cimo Röcker.

An erster Stelle natürlich das Turnier und die Spiele um den Titel. Dort gab es nach der unglücklichen 2:3-Niederlage gegen Gastgeber Mexiko im Halbfinale ja auch noch das erfolgreiche Duell gegen Brasilien. Röcker: "Gegen solche Gegner zu spielen, ist nicht jedem gegeben." Schon gar nicht in diesen Stadien und vor diesen Kulissen: Das Spiel um Platz drei etwa sahen 80000 Zuschauer im legendären Azteken-Stadion. Daran musste man sich als B-Jugendlicher, der sonst vor ein paar hundert Zuschauern antritt, erst mal gewöhnen. "Im Verlauf des Spiels hat man das aber nicht mehr mitbekommen", meinte Levent Aycicek. Der offensive Mittelfeldspieler fand sich bald so gut zurecht, dass ihm sogar der wichtige Treffer zum 3:3-Ausgleich und kurze Zeit später die Vorlage zum Siegtreffer gelang. In der Nachspielzeit schließlich klärte Linksverteidiger Cimo Röcker auf der Torlinie und verhinderte so den Ausgleich der Brasilianer.

Der Erfolg der deutschen U17 ist auch ein Bremer Erfolg, so viel steht fest. "Wir sind stolz auf sie, hoffentlich sehen wir sie noch öfter hier oben auf dem Podium", kommentierte Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer den Erfolg. Die Voraussetzungen scheinen zu stimmen. "Geschlossenheit und Teamgeist", nannte Cimo Röcker ohne Zögern, als nach dem Erfolgsgeheimnis der U17-Nationalmannschaft gefragt wurde, und Levent Aycicek berichtete beeindruckt vom Besuch jenes Waisenhauses in Queretaro, das seit über 20 Jahren vom DFB unterstützt wird: "Wenn man das dort erlebt, können wir uns hier glücklich schätzen." Da war die Müdigkeit für einen Moment wie weggeblasen.

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