Satirischer Werder-Saisonrückblick Zumindest haben sie gut trainiert

Bremen. Wer der Saison von Werder Bremen noch etwas Positives abgewinnen will, der muss schon genau hinschauen. Und am besten nicht auf diese lästigen Spieltage gucken. Dann wird aus mausgrau doch noch rosarot. Ein satirischer Saison-Rückblick.
24.05.2011, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ben Binkle

Bremen. Nicht schön war sie, die Saison von Werder Bremen. Wir wollen aber nicht schon wieder herummeckern und kritisieren, sondern mal das Positive herausstellen. Okay, da gab es jetzt nicht so viel, zumindest nicht an den Wochenenden. Aber wer etwas sucht, der findet auch etwas. Zum Beispiel hier: Die Mannschaft hat gut gearbeitet, gut trainiert. Das haben Thomas Schaaf und Klaus Allofs mantrahaft vor den Ligaspielen wiederholt. Diese endeten dann 0:4, oft 1:1 oder auch mal 3:1. Aber immer hatte die Mannschaft gut trainiert.

Was bedeutet das eigentlich: eine Mannschaft hat "gut trainiert"? Training ist doch sowas wie eine Feueralarm-Übung. Eine simulierte Extremsituation, ein Muster ohne Wert. Wenn's dann tatsächlich brennt, erinnert sich doch keiner mehr dran, wann er wohin laufen muss. Beherrschen Sie eigentlich noch die stabile Seitenlage? Na bitte. Und dann soll sich ein Fußballprofi beim Torschuss daran erinnern, dass er das im Training ja geübt hat? Wohl kaum. Und außerdem ist dieses Training viel zu gefährlich.

Andauernd verletzt sich da wer, die Unfallquote ist deutlich höher als bei den Pflichtspielen. Naldo, Sebastian Boenisch, Sebastian Prödl, Tim Borowski - sie alle verletzten sich auf dem Trainingsplatz an der Pauliner Marsch. Allein Claudio Pizarro. Fünf Muskelverletzungen in einer Saison! Das ist bestimmt Rekord. Leider führt die sonst so ausführliche Datenbank der DFL keine Statistiken darüber, sonst wäre es eine klare Sache: Claudio Pizarro ist der am häufigsten muskelverletzte ausländische Profi in der Bundesliga-Geschichte. Wieder ein Titel für den Peruaner.

Die Interseite transfermarkt.de hat diese schöne grafische Übersichtüber die Ausfallzeiten der Bundesligaklubs. Für Werder Bremen sieht das aus wie Schiffeversenken im Endstadium. Ganz klar: Der Klub hat sich kaputttrainiert! Einzig Marko Marin hat diese einjährige Trainingstortur am Weserstadion ohne Ausfall überstanden. Hat er also schlecht trainiert? Oder besonders gut?

Abgesehen davon wird jeder Ökonom bestätigen, dass Training eine gewaltige Ressourcenverschwendung ist. Wozu sollen Stürmer denn Torschuss üben, wenn die Mittelfeldspieler sie dann nicht mal anspielen? Warum sollen die Außenverteidiger flanken lernen, wenn dann in Mitte doch nur Marko Marin wartet? Woher soll der Trainer also wissen, was er trainieren lassen muss für das kommende Spiel? Elfmeter zum Beispiel lässt Thomas Schaaf gar nicht üben. Freistöße aber schon. Im Spiel klappt beides nicht. Nein, dieses Training wird sich auf Dauer nicht durchsetzen.

Frings auf Augenhöhe mit Sahin

Stichwort Elfmeter: Zumindest hier ist Kapitän Torsten Frings mit dem Dortmunds Meister-Spielmacher Nuri Sahin auf Augenhöhe. Beide verschossen gleich drei Strafstöße. Sahin wechselt zu Real Madrid, Frings wohl eher nicht. Das Fußballerleben ist voller solcher Ungerechtigkeiten.

Bei Werder wurden - ganz ökonomisch - die Dinge trainiert, die am Wochenende auch gebraucht wurden. Angesichts von 18 Pflichtspiel-Niederlagen wundert es nicht, dass Clemens Fritz die Übungseinheit nutzt, um im Falle einer weiteren Niederlage gekonnt reagieren zu können. Da soll noch mal einer sagen, Thomas Schaaf erreiche seine Spieler nicht mehr! Wie das Foto (oben) beweist, setzen die Spieler die Trainingsinhalte geradezu vorbildlich um. Vielleicht sollte Thomas Schaaf doch mal Elfmeter üben lassen.

In der kommenden Saison muss Werder Bremen also sparen. Doch wurde der Sparkurs schon in diesem Jahr schon eingeleitet. Werder spart an Sieg- und Torprämien massiv, überhaupt mussten keinerlei Erfolgsprämien an die Profis ausgezahlt werden. Und auch die kleinen Kader mit oft nur 15 Profis haben die Kassen entlastet. Mit einer kleine Reisegruppe zu Auswärtsspielen zu fahren, hat jede Menge ökonomische Vorteile: Ein Doppelzimmer (inklusive Frühstück) weniger im Mannschaftshotel, der Bus wird leichter und das verschwitzte Trikot muss auch nicht gewaschen werden. Das gibt auch ökologisch Pluspunkte.

Mehmet ist der neue Mesut

Das alles dürfte Klaus Allofs doch freuen und die so gesparten Millionen kann er doch nun in neue Spieler investieren. Da kommt dann vielleicht sogar Diego zurück, der kennt nicht ausgezahlte Erfolgsprämien schon aus Turin und Wolfsburg. Und bringt sogar selbst noch Geld mit an die Weser. Was der Brasilianer bei den "Wölfen" in diesem Jahr an Geldstrafen gazahlt hat, wäre sicher ein ordentlicher Posten in Werders Jahresbudget.

Von Diegos Geldstrafen wiederum könnte Allofs dann doch sogar das Thema Mesut Özil angehen. Was aber unwahrscheinlich ist, denn über den spricht man in Bremen nicht mehr gerne. Vielleicht, weil er immer so viel Tor- und Siegprämien kassiert hat. Der neue Mesut heißt ohnehin Mehmet (Ekici). Hoffentlich ist der eher trainigsfaul.

Ein Trost zum Abschluss: Noch schlimmer als im echten Leben hat es Werder Bremen in einer der unzähligen Statistiken erwischt, die sich im Laufe einer Fußballsaison so ansammeln. In der Kategorie " vegetarierfreundlichstes Bundesliga-Stadien" der Organisation Peta belegt Werder einen direkten Abstiegsplatz. Irgendwie stimmt das ja auch. Die Saison der Bremer war nicht Fisch, nicht Fleisch. Wenigstens ist sie jetzt vorbei.

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