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Werder Bremen
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Protest gegen Wiesenhof

Thorsten Waterkamp, Günther Hörbst und Hans-Ulrich Brandt 10.08.2012 17 Kommentare

Bremen·Donaueschingen. Die Suche nach einem Hauptsponsor ist für Werder Bremen zu einem Spießrutenlauf geworden. Die Verhandlungen des Vereins mit dem niedersächsischen Geflügelschlachter Wiesenhof sorgen für Kritik – nicht nur bei Fans. Marketingexperten warnen vor einer Beschädigung der Marke Werder.

Trikotwerbung
Noch fehlt auf der Werder-Brust der Hauptsponsor. Foto: Carmen Jaspersen (dpa)

Vor dem Weser-Stadion protestierten gestern Peta-Aktivisten gegen die Erwägungen des SV Werder, sich von Wiesenhof sponsern zu lassen. Und auch immer mehr Werder-Fans haben inzwischen im Internet protestiert. Die Facebook-Gruppe "Wiesenhof als Werder-Sponsor? Nein, danke" wächst rapide.

Bis Doinnerstagmittag drückten über 7600 Nutzer des sozialen Netzwerkes im Internet den "Gefällt mir"-Button. Im Werder-Trainingslager in Donaueschingen hüllten sich dagegen Werder-Chef Klaus Allofs und auch die Medienabteilung in Schweigen. Aufsichtsratschef Willi Lemke mochte sich ebenfalls nicht dazu äußern. Als Aufsichtsrat dürfe er nicht in das operative Geschäft eingreifen, sagte er.

Die Suche nach einem Trikotsponsor ist offenbar ausgesprochen schwierig. Nach Informationen dieser Zeitung hat der damit beauftragte Vermarkter Infront über Monate keinen Sponsorpartner präsentiert. Und weil Infront nicht erfolgreich gewesen sein soll, soll sich Werders Geschäftsführung selbst auf die Suche gemacht haben und schließlich in Visbek bei Wiesenhof fündig geworden sein.

Der Geflügelzuchtbetrieb Wiesenhof ist als neuer Trikotsponsor für Werder Bremen im Gespräch. Gut oder schlecht?
Werder-Trikot
10.7% (519 Stimmen)
Ein finanzkräftiger Sponsor aus der Region ist positiv.
80.9% (3928 Stimmen)
Eine derart umstrittene Firma gehört nicht auf die Werder-Brust.
8.4% (410 Stimmen)
Werder sollte auf Trikot-Werbung verzichten.

Werders Marketing-Geschäftsführer Klaus Filbry dementiert, dass es nur Verhandlungen mit Wiesenhof gebe. Es existiere ein zweiter potenzieller Sponsor, außerdem habe Infront Partner aufgetan. "Wir werden beide Angebote sehr verantwortungsvoll anschauen und prüfen, welches die beste Lösung für Werder ist". Dass Wiesenhof eines der beiden Unternehmen sei, mit denen der Verein konkret spreche, bestätigte auch ein Wiesenhof-Sprecher: "Ich kann sagen, dass wir uns in Gesprächen befinden". Zu der Kritik von Fans und Tierschützern sagte Filbry, Werder sei ein Unternehmen, das Firmen aus der Wirtschaft Sponsoring-Plattformen anbiete. "Das ist ein gängiges Verfahren im Sport, das unter anderem Bundesligafußball in Bremen überhaupt ermöglicht."

Thomas Loest, Markenexperte und geschäftsführender Gesellschafter der Bremer Agentur Red Pepper, hat Werder kategorisch davon abgeraten, mit dem Sponsor Wiesenhof auf dem Trikot in die neue Saison zu gehen. "Eine Marke drückt auch immer eine Haltung aus", sagte Loest dieser Zeitung. "Und Werder ist eine ganz starke Marke, die für Fairness, Nachhaltigkeit und Sympathie steht. Das verträgt sich nicht mit einer Marke wie Wiesenhof, die mit ihren Skandalen genau das Gegenteil davon verkörpert." Der Imageschaden wäre gewaltig. Loest in Richtung Werder-Vorstand: "Lasst das Trikot lieber leer."

Unterdessen ist bekannt geworden, dass sich die Wiesenhof GmbH, ein Tochterunternehmen der PHW Gruppe aus Visbek, zum 3. September in "Oldenburger Geflügelspezialitäten GmbH" umbenennen wird. Das bestätigte der Wiesenhof-Sprecher. "Seit mehr als zehn Jahren trägt ein wichtiger und großer Betrieb der PHW-Gruppe, die Märkische Geflügelhof-Spezialitäten GmbH Königs Wusterhausen, einen regionalen Namen. Die positiven Erfahrungen dort haben uns ebenfalls zu diesem Schritt bewogen", sagte er.

Grundsätzlich, sagt Markenexperte Loest, machte das Engagement auf der Brust eines Bundesligisten Sinn. "Es gibt kaum einen Werbeplatz in Deutschland, auf dem man eine Marke bekannter machen kann, als auf der Brust eines Bundesligisten."

Während der Fall Wiesenhof viele Werder-Fans empört, hält sich die Politik zurück. Weder Bürgermeister Jens Böhrnsen noch die Senatoren Ulrich Mäurer (Sport) und Martin Günther (Wirtschaft) wollten sich äußern. Es sei nicht Aufgabe der Politik, das Sponsoring von Werder zu kommentieren, hieß es. Jan Saffe, grüner Bürgerschaftsabgeordneter, dagegen ist empört. "Bürgerschaftsabgeordnete, Fans und Bürger – alle müssen sich wehren. Werder ist der wichtigste Werbeträger für Bremen." Die Verhandlungen mit Wiesenhof bezeichnete er als "unerträglich". Saffe plant, "möglichst im Ostkurvensaal des Weserstadions" den Film "Das Wiesenhof-System" zu zeigen. Dem Geflügelfabrikanten wird Tierquälerei vorgeworfen.

Einladen möchte er dazu neben den Fans auch Trainer Thomas Schaaf und Klaus Allofs und vor allem die Spieler. "Ich glaube, die wissen noch gar nicht genau, womit sie dann rumlaufen würden. Das ist doch Propaganda für Tierfolter", sagt Saffe. Die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen, Linda Neddermann, sagte: Der Verein hat Vorbildfunktion. Der werden sie so nicht einmal ansatzweise gerecht."