Ausstand beginnt um 12 Uhr und dauert 36 Stunden / Auch bei der Bahn drohen neue Arbeitsniederlegungen Ab heute wieder Streik bei der Lufthansa

Flugreisende müssen sich zu Beginn der ersten Adventswoche erneut auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Ab heute Mittag geht der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Cockpit in die nächste Streikrunde.
01.12.2014, 00:00
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Von Jan Brinkhus

Flugreisende müssen sich zu Beginn der ersten Adventswoche erneut auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Ab heute Mittag geht der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Cockpit in die nächste Streikrunde.

Nach dem Scheitern von Tarifverhandlungen ruft die Vereinigung Cockpit die Piloten der Airline zu einem eineinhalbtägigen Arbeitskampf auf, der heute Mittag ab 12 Uhr zunächst auf Flügen der Kurz- und Mittelstrecken beginnen soll. Wie Cockpit mitteilte, werde der Ausstand ab Dienstag drei Uhr früh bis Mitternacht auch auf Langstrecken und Lufthansa Cargo ausgeweitet. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings seien von dem Streik nicht betroffen.

Das Unternehmen appellierte außerdem an Cockpit, die Gespräche unverzüglich wieder aufzunehmen. Die Verhandlungen zwischen der Pilotengewerkschaft und der Fluglinie waren in der Nacht zum Sonnabend erneut gescheitert. Gestritten wird vor allem um die Übergangsversorgung für die rund 5400 Piloten im Konzern. Die Fluggesellschaft will, dass ihre Piloten künftig frühestens mit 60 statt wie bisher mit 55 Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Die Piloten wehren sich dagegen.

Cockpit warf dem Lufthansa-Management eine Blockade-Haltung vor. Der Vorstand des Unternehmens habe aber „autokratisch entschieden“, den Tarifvertrag zur Übergangsversorgung komplett wegfallen zu lassen, wenn sich die Parteien nicht einigen. Damit werde ein radikaler Wandel in der bisherigen Führungskultur eingeläutet.

Strittig sind zusätzlich die Gehälter der Piloten und die künftige Billig-Strategie des neuen Konzernchefs Carsten Spohr, die von den Piloten nicht mitgetragen wird. Beim Billigableger Eurowings und einer geplanten Billigtochter für die Langstrecke gilt der Konzerntarifvertrag nicht. Piloten und Flugbegleiter verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen in den Maschinen mit dem Kranichlogo. Auch die komfortable Übergangsversorgung vor dem Renteneintritt kommt ihnen nicht zugute. Ein Lufthansa-Sprecher erklärte gestern, die Streikankündigung „entbehrt einmal mehr jeglicher Verhältnismäßigkeit und trifft leider wiederum unsere Kunden“. Das Angebot für den neuen Vergütungstarifvertrag habe das Unternehmen zuletzt noch einmal verbessert, auch bei der Übergangsversorgung habe es Annäherungen gegeben. Uneins sei man sich lediglich noch über die Forderung, dass die bisherige Regelung auch für alle künftigen Pilotengenerationen gelten soll.

Zuletzt war im Oktober bei der Lufthansa gestreikt worden. In der Tarifauseinandersetzung mussten Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings seit April knapp 6000 Flüge wegen Arbeitsniederlegungen der Flugkapitäne streichen. Die Kosten für alle Streiks seit Jahresbeginn – darunter auch Ausstände von Beschäftigten an den Flughäfen – bezifferte das Unternehmen auf bislang rund 170 Millionen Euro.

Der Streik wirkt sich auch auf die Flughäfen im Norden aus. Betroffen sind in Bremen, Hannover und Hamburg Verbindungen von und nach Frankfurt und München. In Bremen werden heute fünf Flüge gestrichen, morgen neun und am Mittwoch einer. In Hamburg sind es heute acht, morgen 21 und am Mittwoch zwei. In Hannover fallen heute sieben Flüge aus, morgen zwölf und am Mittwoch einer. Das Unternehmen stellte einen Sonderflugplan zusammen. Dieser ist seit gestern Abend im Internet einsehbar: Anhand ihrer Flugdaten können Passagiere herausfinden, ob ihr Flug gestrichen ist oder nicht.

Auch bei der Bahn könnte der Tarifkonflikt erneut eskalieren. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL will in dieser Woche beraten, ob sie die Tarifverhandlungen mit dem Unternehmen fortsetzt oder erneut zu Streiks aufruft. Über die Weihnachtstage bis Neujahr werde es aber keine Streiks geben; Arbeitskämpfe würden vom 19. Dezember 2014 bis zum 11. Januar 2015 ausgeschlossen, teilte die GDL mit.

Die Gewerkschaft will neben mehr Geld und weniger Arbeit für die Lokführer vor allem erreichen, dass sie für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal verhandeln darf. Bisher hat die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für das übrige Zugpersonal – zum Beispiel Service-Mitarbeiter – alleine die Tarifverträge ausgehandelt. Auch die EVG hatte für den Advent mit Streiks gedroht.

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