Postbank will Überweisungs-Gebühren für Online-Banking-Muffel unter bestimmten Bedingungen erlassen

Ältere Internet-Verweigerer profitieren

Wer sich beschwert und mindestens 60 Jahre alt ist, hat Chancen, das neue Entgelt der Postbank für beleghafte Überweisungen erlassen zu bekommen. Andere Kunden müssen sich mit dem Online-Banking anfreunden, wenn sie nicht die Bank wechseln wollen.
02.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Olaf Grahl

Wer sich beschwert und mindestens 60 Jahre alt ist, hat Chancen, das neue Entgelt der Postbank für beleghafte Überweisungen erlassen zu bekommen. Andere Kunden müssen sich mit dem Online-Banking anfreunden, wenn sie nicht die Bank wechseln wollen.

Um vom Ärger ihrer Kunden nicht überrollt zu werden, hat sich die Postbank offenbar ein Hintertürchen bei den neuen Bankgebühren offen gelassen. Kunden ab 60 Jahren kann das Entgelt für Überweisungen auf Papier erlassen werden. Immer mehr Rentner wie Dieter M. berichten, dass sie das geschafft haben. „Die Postbank hat mir das schriftlich bestätigt“, sagt M. Hintergrund sind die Pläne des Geldinstituts, künftig für Überweisungen auf Papier eine Extra-Gebühr in Höhe von 99 Cent zu verlangen. Ein internes Schreiben der Postbank spricht dafür, dass Kunden ab 60 Jahren im größeren Umfang auf Kulanz hoffen können. Darin heißt es: „Ältere Kunden nutzen verstärkt die beleghafte Auftragserteilung an die Postbank. Um diese Kunden nicht überproportional in Bezug auf die Rente mit neuen Entgelten zu belasten, kann eine Individualkondition für ältere Kunden eingerichtet werden.“

Die Mitteilung Nr. 7 vom 12. Februar benennt dafür zwei Voraussetzungen: Die Beschwerde des Kunden muss formlos aber schriftlich vorliegen und der Kunde muss mindestens 60 Jahre alt sein. „Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann für diese Kunden ein Entgelt in Höhe von 0,00 Euro für beleghafte Aufträge eingestellt werden“, heißt es in dem internen Schreiben. Doch daraus kann offenbar kein Automatismus abgeleitet werden, dass alle protestierenden über 60-jährigen Kunden von den Gebühren befreit werden, denn in der Mitteilung ist nur von „kann“ die Rede.

Postbank-Sprecher Ralf Palm bestätigt diese Vorgehensweise auf Nachfrage und verweist darauf, dass im Hintergrund eine umfangreichere Prüfung abläuft, ob eine Befreiung von den neuen Gebühren möglich ist. Darüber werde nicht in den Filialen, sondern zentral entschieden. „Ob es eine Kulanzregelung gibt, hängt von der Dauer der Geschäftsbeziehung, dem Alter und der Entfernung zu einem Serviceterminal, bei dem auch Überweisungen aufgegeben werden können, ab“, sagt Palm. Außerdem wird geprüft, ob der Kunde in der Vergangenheit schon einmal Telefon- oder Onlinebanking genutzt hat. Dann kann er kaum auf Kulanz hoffen.

Wer nicht von der Kulanzregelung profitiert und die Bank nicht wechseln will, dem bleibt nur, die Gebühr zu akzeptieren und die eigene Bezahlpraxis zu überprüfen. Möglicherweise kann die Zahl der monatlichen Überweisungen reduziert werden, indem Daueraufträge eingerichtet werden oder die Teilnahme am Lastschriftverfahren vereinbart wird. Doch auch die erstmalige Ausführung eines neu eingerichteten Dauerauftrages kostet ab 1. April bei der Postbank 99 Cent. Kostenlos ist es, die Serviceterminals in den Finanzcentern zu nutzen oder Überweisungen telefonisch oder per Online-Banking zu erteilen.

Um Bankgeschäfte online zu erledigen, benötigt man einen handelsüblichen Computer oder ein anderes internetfähiges Gerät wie einen Tablet-Computer. Natürlich ist auch eine Internet-Verbindung notwendig. Über einen installierten Internet-Browser wie Firefox oder Chrome kann man die Internetseite seiner Bank aufrufen und sich mit persönlichen Zugangsdaten dort einloggen. Neben Überweisungen lassen sich so auch andere Bankgeschäfte erledigen.

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