USA AIG zahlt Schulden beim Staat zurück

New York/London. Der von der Finanzkrise schwer angeschlagene US-Versicherer AIG löst sich ein Stück weit aus der staatlichen Obhut.
01.03.2010, 15:10
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New York/London. Der von der Finanzkrise schwer angeschlagene US-Versicherer AIG löst sich ein Stück weit aus der staatlichen Obhut.

Durch den 35,5 Milliarden Dollar (26,2 Mrd Dollar) schweren Verkauf seines Asiengeschäfts an den britischen Konkurrenten Prudential kann er einen Teil seiner Schulden beim Steuerzahler begleichen. Dies sei der bislang wichtigste Schritt auf dem Weg zurück in die Selbstständigkeit, sagte AIG-Chef Robert «Bob» Benmosche am Montag in New York.

Vom Kaufpreis fließen 25 Milliarden Dollar in bar. Dieses Geld geht komplett an den amerikanischen Staat. Der Rest sind Aktien und andere Wertpapiere von Prudential. Auch diese will AIG über kurz oder lang flüssig machen. Die US-Regierung hatte mehr als 182 Milliarden Dollar in den einst weltgrößten Versicherungskonzern pumpen müssen, um ihn in der Finanzkrise vor dem Kollaps zu bewahren. Dadurch ist der Staat nun mit rund 80 Prozent der größte Anteilseigner.

Die Börsianer bejubelten die Aussichten auf eine wieder eigenständige AIG: Der Kurs sprang vorbörslich um rund 14 Prozent hoch. Beim Käufer Prudential ging es im gleichen Maße abwärts. Denn für den Zukauf müssen sich die Briten ihrerseits in Kosten stürzen: Über die Ausgabe neuer Aktien sollen 20 Milliarden Dollar hereinkommen, für weitere 5 Milliarden Dollar verschuldet sich der Konzern.

Die AIG-Tochter American International Assurance Company (AIA) verkauft im Wesentlichen Lebensversicherungen. Sie hat mehr als 23 Millionen Kunden in Asien. 23 500 Menschen arbeiten für das Unternehmen.

Mit der Übernahme will Prudential zum Marktführer in Südostasien aufsteigen. «Die Transaktion ist sehr aufregend und eine einmalige Gelegenheit, den Konzern zu verändern», sagte Firmenchef Tidjane Thiam. Er baut schon seit Jahren das Asiengeschäft aus: 44 Prozent des Gewinns aus dem Neugeschäft stammt aus der Region. Nun sollen es 60 Prozent werden.

Von Gewinnen kann der Mutterkonzern AIG momentan nur träumen. Im vergangenen Jahr verlor der Versicherer 10,9 Milliarden Dollar. 2008 hatte der Versicherer mit 99,3 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte eingefahren. Der seit Mitte 2009 amtierende Konzernchef Benmosche soll AIG wieder auf die Beine bringen. Dazu zieht er sich aus riskanten Geschäften zurück. Um die Schulden beim Staat zu begleichen, verkauft er das Tafelsilber.

Neben der Asiensparte hat Benmosche auch seine US- Lebensversicherungssparte American Life Insurance Co. (Alico) zum Verkauf gestellt. Aussichtsreichster Kandidat ist der heimische Wettbewerber Metlife. Die Verhandlungen hängen derzeit aber wegen steuerrechtlicher Fragen. Für Alico erwarten Experten einen Erlös zwischen 14 und 15 Milliarden Dollar. Einen Betrag in ähnlicher Größenordnung hatten sie auch für AIA vorausgesagt - am Ende wurde es aber mehr als das Doppelte.

Mit dem Verkauf sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat bei AIG noch einmal einspringen muss. Der Konzern hatte diese Befürchtungen bei der Vorlage seiner schwachen Jahreszahlen geweckt. AIG ist nicht nur einer der größten Lebensversicherer der Welt, sondern auch der größte Finanzierer von Flugzeugen. (dpa)

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