Thyssen-Krupp übernimmt Beteiligung am gemeinsamen Bremer Rüstungsunternehmen Airbus verkauft Anteile an Atlas Elektronik

Bremen. Schon länger stand fest, dass Airbus seine Atlas-Elektronik-Anteile verkaufen will. Nur an wen war offen.
13.01.2017, 00:00
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Airbus verkauft Anteile an Atlas Elektronik
Von Stefan Lakeband

Bremen. Schon länger stand fest, dass Airbus seine Atlas-Elektronik-Anteile verkaufen will. Nur an wen war offen. Nun hat der Flugzeugbauer einen Käufer gefunden: Die Beteiligung von 49 Prozent soll an Thyssen-Krupp gehen, das bereits die restlichen 51 Prozent am Bremer Sonartechnik-Spezialisten besitzt. Das teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit.

Von dem Geschäft sind weltweit etwa 2100 Mitarbeiter betroffen, 1400 davon am Hauptsitz in Bremen. Ob die Komplettübernahme konkrete Folgen für die Angestellten haben wird, ist noch nicht klar. Beide Unternehmen wollten sich nicht weiter zu den Plänen äußern. Auch über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Neue Chancen auf Rüstungsmarkt

Vertreter der Belegschaft sind aber gelassen. „Für uns ist das erst einmal nur ein Wechsel auf der Seite der Anteilseigner“, sagt Volker Bahrenburg, Vorsitzender des Betriebsrats bei Atlas Elektronik. Ob das auch Veränderungen für das operative Geschäft mit sich bringe, sei derzeit noch komplett unklar. „Atlas Elektronik arbeitet aber schon jetzt eng mit Thyssen-Krupp zusammen“, sagt Bahrenburg. Volker Stahmann, Vorsitzender der IG Metall in Bremen, findet die Übernahme „vom Grundsatz her gut. Es macht Sinn, dass unternehmerisch nun alles in einer Hand ist.“

Dass Thyssen-Krupp die Anteile von Airbus übernimmt, kommt daher nicht überraschend. Entsprechende Gerüchte gab es seit Jahren. Überraschend ist jedoch der Zeitpunkt der Bekanntgabe. Zwischenzeitlich hätte es geheißen, die Verhandlungen lägen auf Eis, so der Betriebsrat. Aber auch nach der offiziellen Verkündung des Geschäfts ist die Übernahme noch längst nicht sicher. Dem Vollzug müssen erst noch die Kartellbehörden, die Bundesregierung und der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp zustimmen.

Der Industriekonzern verspricht sich aber viele Vorteile. „Durch die vollständige Übernahme ist eine noch engere Kooperation zwischen Atlas Elektronik und Thyssen-Krupp Marine Systems möglich, zum Beispiel bei der Produktentwicklung“, teilt das Unternehmen mit. „Dies wird die Flexibilität und Effizienz im Interesse unserer Kunden weiter erhöhen.“ Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel sieht die Übernahme ebenfalls positiv für Atlas Elektronik. „Als hundertprozentige Tochter von Thyssen-Krupp lassen sich die hoch aggressiven Märkte strukturiert angehen“, sagt er. Die unterschiedlichen Geschäftsstrategien sowie die Unternehmenskulturen seien in der Vergangenheit hinderlich gewesen.

Ob es auch Gespräche mit anderen potenziellen Kaufinteressent gab, ist unklar. Als möglicher Interessent wurde 2014, das Jahr, in dem die Verkaufspläne bekannt wurden, Rheinmetall gehandelt. Ein Airbus-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Ermittlungen gegen Atlas Elektronik

Zu dem Verkauf ist es überhaupt erst gekommen, weil Airbus damals beschlossen hatte, seine Beteiligungen zu überprüfen. Ziel sei es „zu einer noch klareren Fokussierung unseres Konzerns auf die Kernaktivitäten Luft- und Raumfahrt“ beizutragen, sagte Airbus-Chef Tom Enders im September 2014. Bei dieser Überprüfung des Portfolios ist die Entscheidung dann gegen Atlas Elektronik gefallen. Dass erst drei Jahre später ein Käufer gefunden worden sei, sei nicht ungewöhnlich. „So eine Entscheidung bricht man nicht übers Knie“, so der Airbus-Sprecher.

Um Atlas Elektronik hatte es in den vergangenen Jahren mehrfach negative Schlagzeilen gegeben. Der Grund waren Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bestechung. Vor gut einem Jahr haben Ermittler die Firmenzentrale in Sebaldsbrück durchsucht und Unterlagen und Daten sichergestellt. Damals ging es um Schmiergeldvorwürfe in der Türkei. Mitarbeiter der Bremer Rüstungsfirma sollen jahrelang Militärangehörige in der Türkei bestochen haben, um an Aufträge zu gelangen. Die Ermittlungen in diesem Verfahren dauern noch an, bestätigte ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft. Auch 2013 hatte die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Atlas Elektronik eröffnet. Der Vorwurf damals: Bestechung von Regierungsangehörigen in Griechenland. Schmiergeld soll geflossen sein, um U-Boot-Ausrüstung zu verkaufen. Dem Bremer Unternehmen könnte in den Verfahren eine Bußgeldzahlung in Millionenhöhe drohen. Das könnte den Konzern wirtschaftlich beeinträchtigen, heißt es aus dem Unternehmen.

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