Studie untersucht die wirtschaftliche Bedeutung der Universitäten und Hochschulen im Land Bremen Akademische Kosten-Nutzen-Rechnung

Bremen. Mehr als 250 Millionen Euro fließen jährlich von den öffentlichen Hand in die Bremer Hochschullandschaft. Geld, mit dem unter anderem die Universität Bremen und die private Jacobs-University, aber auch 20 Forschungseinrichtungen, die Hochschulen in Bremen und Bremerhaven sowie die Hochschule für Künste finanziert werden.
06.10.2014, 00:00
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Akademische Kosten-Nutzen-Rechnung
Von Andreas Holling

Mehr als 250 Millionen Euro fließen jährlich von den öffentlichen Hand in die Bremer Hochschullandschaft. Geld, mit dem unter anderem die Universität Bremen und die private Jacobs-University, aber auch 20 Forschungseinrichtungen, die Hochschulen in Bremen und Bremerhaven sowie die Hochschule für Künste finanziert werden. Doch lohnen sich derlei Investition in die Wissenschaft überhaupt und welchen wirtschaftlichen Nutzen kann die Region daraus ziehen? Fragen, denen das DIW Econ, ein Consulting-Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, im Auftrag Bremens und der Jacobs Foundation in einer heute veröffentlichten Studie auf den Grund geht.

Forschung und Bildung kosten Geld – genauer: rund 742 Millionen Euro. Soviel gaben die Wissenseinrichtungen an der Weser im Jahr 2012 zusammengenommen aus – für Personal (56 Prozent) und den Betrieb (34 Prozent) sowie für Investitionen aus. Weitere 369 Millionen Euro flossen aus den Taschen der Studierenden deren privaten Konsum. Insgesamt kamen so Ausgaben in einer Gesamthöhe von über 1,11 Milliarden Euro zusammen. Mit einem positiven Effekt für den Stadtstaat, so die Studie. Denn sieben von zehn ausgegeben Euro verbleiben als Wertschöpfung im Bundesland – als Zahl: stolze 790,1 Millionen Euro. Damit erwirtschaftet der Wissenschaftsbetrieb 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukt.

Dem Wirtschaftsressort gefallen diese Zahlen: „Die Studie zeigt, dass die aufgewandten öffentliche Mittel eine sehr positive regionalwirtschaftliche Wirkung entfalten“, lobt Senator Martin Günthner (SPD). So seien die Mittel für die Universität, die Hochschulen und die Jacobs University „klug eingesetzt“. Sein Fazit: „Wirtschaftsförderung und Wissenschaftsförderung ergibt erfolgreiche Standortpolitik.“

Die ökonomische Bedeutung des akademischen Betriebs schlägt sich laut der Studie auch in weiteren Rahmendaten nieder. So brächte jeder Arbeitsplatz an einer der wissenschaftlichen Einrichtungen rund 0,8 weitere Jobs in der regionalen Wirtschaft. Auch spüle der „Einwohnereffekt“ durch Studierende und Mitarbeiter zusätzliche Mittel aus dem Länderfinanzausgleich nach Bremen. Unterm Strick stünden Ausgaben von rund einer Viertel Milliarde Euro Mehreinnahmen von fast 210 Millionen Euro gegenüber. „Die Nettobelastung des Landeshaushalts beläuft sich somit auf 41,9 Millionen Euro – 17 Prozent der aufgewendeten Landesmittel“, so das DIW.

Bei der Jacobs University will man die Ergebnisse der Studie nutzen, um für eine öffentliche Grundfinanzierung zu werben. Diese sei aus regionalökonomischer Sicht sinnvoll, betont Urs V. Arnold von der Jacobs Foundation. Um die wirtschaftliche Bedeutung der Privatuni zu unterstreichen zieht er den Vergleich zwischen staatlicher Investition und Wertschöpfung heran: „Für einen Euro an Landesmitteln wurden 32,70 Euro an Wertschöpfung realisiert“, sagt Arnold. Damit übertreffe die University andere Einrichtungen um ein Vielfaches.

Dass die Zahl so hoch ausfällt hat einen Grund: Urs Arnold nimmt nur die Landesmittel als Basis – 1,6 Millionen Euro im Jahr 2012. Auf den Gesamtetat hochgerechnet bleibt ein Einsatz-Ertrag-Faktor von 2,4. Zum Vergleich: die Universität schöpft den 2,7-fachen Wert aus der Grundfinanzierung, die Hochschulen das 2,3-fache.

Der Head of Operations

wirbt aber auch für ein grundsätzlich neues Verhältnis von privater und öffentlicher Finanzierung. Lehre und Forschung mit den Gesetzen privater Ökonomie zu verbinden, sei längst kein Widerspruch mehr, sagt er. In Deutschland sei dies aber „noch nicht salonfähig“.

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