Einzelhandel rechnet mit leichtem Plus im Weihnachtsgeschäft / Lange Sonnabende bringen viele Kunden Alle sind bislang zufrieden

Weihnachten und die Bescherung rücken immer näher – das bedeutet Stress für die Kunden und klingelnde Kassen für die Einzelhändler. Bisher läuft das Weihnachtsgeschäft in Bremen gut. Branchenverbände rechnen mit einem leichten Plus im Vergleich zum Vorjahr. Das können sie auch gut gebrauchen: Viele machen in der Adventszeit zwischen 20 und 30 Prozent ihres Jahresumsatzes.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Alle sind bislang zufrieden
Von Jörn Hüttmann

Weihnachten und die Bescherung rücken immer näher – das bedeutet Stress für die Kunden und klingelnde Kassen für die Einzelhändler. Bisher läuft das Weihnachtsgeschäft in Bremen gut. Branchenverbände rechnen mit einem leichten Plus im Vergleich zum Vorjahr. Das können sie auch gut gebrauchen: Viele machen in der Adventszeit zwischen 20 und 30 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Mäßiger Wind, Temperaturen um den Gefrierpunkt und strahlend blauer Himmel – solche Wetterprognosen freuen den Einzelhandel. „Der Herbst war zu warm“, sagt Referatsleiter Karsten Nowak, der bei der Bremer Handelskammer für den Einzelhandel zuständig ist. „Aber jetzt, mit dem kälteren Wetter, können wir eine positive Zwischenbilanz für das Weihnachtsgeschäft ziehen.“

Die Einzelhändler rechnen in diesem Jahr mit einem moderaten Umsatzzuwachs im Weihnachtsgeschäft von bis zu 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. So lautet die Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE). Bundesweit werden die Einzelhändler im November und Dezember demnach 85,5 Milliarden Euro Umsatz machen. Die Prognose der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung sah etwas anders aus: Die Experten hatten ein Minus von 1,2 Prozent vorhergesagt.

Für Bremen gilt dies offenbar aber nicht. „Das Geschäft fing etwas verhalten an, jetzt haben wir aber eine starke Steigerung“, sagt Jan-Peter Halves von der Bremer City-Initiative in seiner ersten Zwischenbilanz. Auch Wolfgang Brakhane vom Handelsverband Nordwest geht davon aus, dass die Bremer Einzelhändler im diesjährigen Weihnachtsgeschäft um etwa 1,5 Prozent an Umsatz zulegen werden. „Damit werden wir in Bremen auf knapp eine Milliarde Euro Umsatz kommen.“ Die Weihnachtszeit ist für die Einzelhändler ein wichtiger Ertragsbringer: In diesen Tagen machen sie 20 bis 30 Prozent ihres Umsatzes.

Dabei sind die Händler wesentlich vom Wetter abhängig. Ist es zu warm wie in diesem Herbst, wird Winterkleidung zum Ladenhüter. „Mäntel, Schals und Handschuhe wollten die Leute einfach nicht kaufen“, sagt Karsten Nowak. Die Geschäfte reagierten schnell – mit Rabatten. „Was zu einer Win-win-Situation führt“, sagt Nowak. Dank günstiger Preise wurden die Kunden mit dem kälteren Wetter schnell kauffreudiger.

Das Wetter ist auch beim Weihnachtsmarkt einer der entscheidenden Faktoren. „Warmes Wetter ist nicht gut für die Atmosphäre“, sagt Wolfgang Ahrens vom Schaustellerverband des Landes Bremen. Schneien müsse es nicht, aber es dürfe ruhig kalt sein. „Deshalb ist es bisher gut gelaufen, die Händler sind zufrieden.“

Und wenn sich zwischen Glühwein- und Kartoffelpufferständen Menschen drängeln, ist das auch gut für die Einzelhändler. „Ich kenne Fälle, bei denen Geschäfte mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes zehn Prozent mehr Kunden hatten“, sagt Jan-Peter Halves. Die insgesamt etwa 300 Stände auf dem Weihnachtsmarkt und dem Schlachtezauber seien ein bedeutender Faktor für die Innenstadt. Das bestätigt auch Karsten Nowak: „Die Kooperation mit dem Weihnachtsmarkt hat sich gelohnt. “

Darüber hinaus haben die verlängerten Öffnungszeiten an den Sonnabenden im Advent die Erlöse der Einzelhändler gesteigert. Eine Umfrage der Bremer Handelskammer hat ergeben, dass die neue Regelung gut angenommen wird. „Auch in den späten Stunden sind noch viele Leute gekommen“, sagt Nowak. Die Sonnabende seien traditionell die umsatzstärksten Tage in der Vorweihnachtszeit, erklärt Wolfgang Brakhane. „Da haben sich die längeren Öffnungszeiten besonders positiv bemerkbar gemacht.“

Bei den Top Ten der meist gekauften Geschenkartikel hat sich hingegen kaum etwas geändert. „Die Klassiker sind: Parfüm, Spielwaren, Kleidung, Kosmetik und Bücher“, sagt Karsten Nowak. Darüber hinaus sind Gutscheine auch wieder einer der Verkaufsschlager. Der Handelskammerexperte erklärt sich diesen fortlaufenden Trend mit immer bewussteren Kaufentscheidungen der Kunden. „Wenn man sich nicht sicher ist, was gut ankommt, greift man lieber zum Gutschein.“ Verlegenheits- oder Spaßgeschenke seien viel seltener geworden. „Das liegt auch an der Vielfältigkeit der Welt“, sagt Wolfgang Brakhane. Farbe, Muster, eventuelle Unverträglichkeiten – schon wenn man einen Schal kaufe, könne bei der Auswahl viel schiefgehen. „Und Weihnachtsgeschenke umzutauschen, ist ja auch umständlich“, sagt Brakhane. „Da ist der Gutschein klar im Vorteil.“

Im Vergleich zum klassischen Einkaufstrubel in den Innenstädten legt das Weihnachtsgeschäft im Internet überdurchschnittlich stark zu. „Der Online-Handel wächst zweistellig“, sagt Karsten Nowak. Von den 85,5 Milliarden Euro, die laut HDE-Prognose in diesem Jahr für Geschenke ausgegeben werden, entfallen etwa zehn Milliarden Euro auf das Online-Geschäft. „Das hilft aber auch dem stationären Handel, wenn der online gut aufgestellt ist“, sagt Nowak. Viele Kunden würden – gerade bei Textilien oder Schuhen – zwar online recherchieren, aber dann vor Ort kaufen. Zumindest solange das Wetter mitspielt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+