Ansässige Kahnschiffer sperrten sich energisch gegen Pläne / Hochkonjunktur beim Bau der BWK Als Rönnebeck Seehafen werden sollte

Rönnebeck sollte einst sogar Vegesack als Hafenstandort Konkurrenz machen. So plante es der Blumenthaler Amtmann 1823. Doch die ansässigen Kahnschiffer, die ihre Fracht in Geestemünde aufnahmen, fürchteten um ihr Geschäft. So entstand erst 1875 auf Druck der Werften ein Löschplatz in Rönnebeck.
18.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ulf Fiedler

Rönnebeck sollte einst sogar Vegesack als Hafenstandort Konkurrenz machen. So plante es der Blumenthaler Amtmann 1823. Doch die ansässigen Kahnschiffer, die ihre Fracht in Geestemünde aufnahmen, fürchteten um ihr Geschäft. So entstand erst 1875 auf Druck der Werften ein Löschplatz in Rönnebeck.

Die Geschichte des Rönnebecker Hafens beginnt eigentlich 1715. Damals erwarb Hannover die Herzogtümer Bremen und Verden für eine Million Taler von Dänemark. Nun besaß das Königreich Hannover erstmals Zugang zum Meer. Entsprechen stolz war man in der Landeshauptstadt.

In einem umfangreichen Bericht der Neuen Hannoverschen Zeitung vom April 1860 wird die Bedeutung der Schifffahrt für das Königreich herausgestellt. Deutlich wird das Anwachsen des Seegüterverkehrs über den damals größten Hafen Geestemünde. Innerhalb von zehn Jahren wuchs die Zahl einlaufender Schiffe von 17 auf 67. Weil in jenem Bericht neben anderen Häfen auch Rönnebeck als Hafenstandort auftaucht, nimmt diese Entwicklung deutlich Einfluss auf die Region, genauer auf die Kahnschifffahrt.

Denn: Weil die Schiffbarkeit der Weser für größere Segler immer schwieriger wurde, bedeutete die Zunahme der Fracht ein lukratives Geschäft für die flachen Weserkähne. Mit ihrem geringen Tiefgang transportierten die Besankähne die in Geestemünde umgeschlagenen Güter weseraufwärts Richtung Bremen. In Rönnebeck, Flethe und Rekum waren damals zwischen 70 und 100 Kahnschiffe beheimatete. Unterhalb des Rönnebecker Berges boten sich geschützte Buchten, um die Ware zu entladen. Dort war auch schon früh eine Zollstation eingerichtet. Natürlich wollte das Amt Blumenthal von diesem wachsenden Warenverkehr profitieren. Etwa durch Hafengebühren. Was lag also näher, als in Rönnebeck einen Hafen zu bauen.

Amtmann Hüppeden beantragte bei seiner vorgesetzten Dienststelle in Stade 1823 finanzielle Mittel für einen Hafenbau. Er erhielt auch eine Zusage. Seine Argumente überzeugten in Hannover. Er schilderte schriftlich die wirtschaftliche Situation der Gemeinden Rönnebeck und Flethe. „Das bei weitem vorzüglichste Gewerbe ist jedoch das der See- und der Weserschiffer, deren über 50 sind. Das wichtigste, das ihre Lage begünstigt ist, dass sich dicht unter dem schroffen Ufer ein vortrefflicher Ankergrund in der Weser befindet, wo 80 bis 100 Schiffe Platz haben.“

Er versteigt sich im Weiteren zu einem kühnen Vergleich. Da Vegesack als Hafen nicht mehr florierte, könne Rönnebeck eine scharfe Konkurrenz abgeben, etwa vergleichbar mit dem dänischen Hafen Altona zu Hamburg. In mehreren Sitzungen wurde das Hafenproblem diskutiert.

Verlust befürchtet

Aber die Kahnschiffer stellten sich quer. Sie hatten dafür gute Gründe. Es ging um ihren Wohlstand oder gar um ihre Existenz. Für sie hätte ein seegängiger Hafen einen erheblichen Verlust an Frachtgut bedeutet. Die Strecke von der Wesermündung bis Rönnebeck wäre ihnen verloren gegangen. Aber zugleich hätte eine Reihe von Handwerkern, wie Segelmacher, Zimmerleute, Takler, Blockmacher, Schiffsschmiede und Reepschläger, die auf den Werften unterhalb des Rönnebecker Weserufers arbeiteten, vom neuen Hafen profitiert. Nicht zufällig zählte Rönnebeck zu dieser Zeit mehr und wohlhabendere Einwohner als Blumenthal.

Bis zu Beginn der Weserkorrektion verkehrten auf der Unterweser ungefähr 120 bis 150 Kähne. Der flache Besankahn mit Seitenschwerter war etwa 20 Meter lang und drei bis vier Meter breit. Man unterschied zwischen dem einmastigen Besankahn mit Großmast und kleinem Heckmast und dem großen Besankahn mit Großmast und Besanmast. Je nach Größe verlangten die Werften zwischen 500 und 1500 Taler an Baukosten für ein neues Schiff. Oft taten sich mehrere Schiffer zusammen, um zunächst das Geld aufzubringen und später dann auch den Gewinn zu teilen. Bei einigermaßen flottem Betrieb konnte ein Eigner in einem oder zwei Jahren die Baukosten erwirtschaften.

Erst 1875 aber schlossen sich die Rönnebecker auf energisches Betreiben der Werften zusammen und schufen einen Löschplatz mit einem Bollwerk aus Holzplanken. Der Platz bewährte sich wenig später beim Bau der Bremer Woll-Kämmerei. Die Kähne brachten große Mengen von Kies, Sand und Ziegelsteinen für den Blumenthaler Bau von Ziegeleien im Oldenburgischen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+