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Amazon kommt nach Bremerhaven

Auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne eröffnet der Onlinehändler ein Verteilzentrum und will mehr als 100 Stellen schaffen.
18.06.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Amazon kommt nach Bremerhaven
Von Stefan Lakeband
Amazon kommt nach Bremerhaven

In Verteilzentren werden Amazon-­Sendung für den Transport an den Kunden vorbereitet. Ab Herbst soll es auch eines in ­Bremerhaven geben. Einen Standort hat der Versandhändler schon gefunden.

Kahnert/dpa

Künftig könnten Kunden des Versandhändlers Amazon aus Bremerhaven ihr Paket schneller bekommen. Das erhofft sich jedenfalls der US-Konzern von seinem neuen Verteilzentrum, das er in der Seestadt eröffnen will. Der Onlinehändler bestätigte am Mittwoch selbst, was schon seit Frühjahr als Gerücht in der Welt war. Geplant ist, auf 20 000 Quadratmetern ein Zwischenlager einzurichten, in dem die Pakete landen, bevor sie in der Region zugestellt werden.

„Im Verteilzentrum werden Pakete von Amazons Logistik- und Sortierzentren ankommen, dann von den Lieferpartnern abgeholt und an die Kunden zugestellt“, heißt es in einer Mitteilung. Schon im Herbst dieses Jahres soll es auf dem Gelände der ehemaligen Carl-Schurz-­Kaserne im Norden der Stadt losgehen. Hier will der Versandhändler nach Umbauarbeiten eine Halle beziehen, die zuvor von der Firma Schnellecke genutzt wurde. An dieser Stelle hatten lange Zeit rund 220 Festangestellte und Zeitarbeiter Volkswagen-Autoteile wasserfest verpackt und in Seecontainer verladen. ­Anfang vergangenen Jahres folgte dann ­jedoch das Aus.

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„Wir haben dann Amazon die zur Verfügung stehenden Immobilien mitgeteilt“, sagt Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Wirtschaftsförderung BIS. Der Konzern habe sich danach mit dem Besitzer der Halle in Verbindung gesetzt und sie letztlich angemietet. „Eigene Verteilzentren benötigen wir dort wo Kundennachfrage steigt, besonders nach schnelleren und flexibleren Lieferoptionen“, begründet eine Amazon-Sprecherin die Entscheidung für die Seestadt. Daher habe man sich für Bremerhaven entschieden, nicht zuletzt wegen der „attraktiven Infrastruktur“.

Laut Amazon-Angaben soll das Verteilzentrum rund 140 zusätzliche Arbeitsplätze in Bremerhaven schaffen. Die Auslieferung an die Kunden des Versandhändlers soll über Lieferpartner geschehen, für die etwa 250 Fahrer tätig seien, die Kunden in einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern beliefern sollen. Es gehe vor allem um kleine und mittelständische Paketdienste aus der Region, sagt die Amazon-­Sprecherin. Sie sollen ergänzend zu den großen Anbietern wie Hermes und DHL ein­gesetzt werden, mit dem Amazon weiterhin zusammenarbeiten wolle.

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Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) begrüßt die Entscheidung des US-Konzerns. „Gerade in Anbetracht der Entwicklung des Arbeitsmarktes freue ich mich natürlich über das Entstehen von Arbeitsplätzen“, wird er in einer Mitteilung zitiert. Das unterstreiche die Bedeutung Bremerhavens als Oberzentrum, ergänzt sein Sprecher Volker Heigenmooser. Wirtschaftsförderer Nils Schnorrenberger freut sich ebenfalls, erwartet aber keine große Sogwirkung, die auch andere Versandhändler nach Bremerhaven ziehen könnte.

Nach eigenen Angaben betreibt Amazon mehr als 25 Verteilzentren in ganz Deutschland. Erst Anfang des Monats hatte das Unternehmen angekündigt, ein weiteres in Sehnde bei Hannover eröffnen zu wollen; weitere sollen in Jever, Northeim und Emden entstehen. Schon im vergangenen Herbst hatte Amazon ein Verteilzentrum im Bremer Güterverkehrszentrum eröffnet und so für rund 130 neue Jobs gesorgt.

In Achim errichtet der Konzern aktuell ein eigenes Logistikzentrum mit einer Grundfläche von 40 000 Quadratmetern. Im Gegensatz zum Verteilzentrum wird in einem Logistikzentrum die komplette Bestellung abge­wickelt. Ware wird von den Herstellern an­geliefert und direkt an die Kunden versandt, heißt es bei Amazon über die Arbeitsweise. In Achim sollen nach der geplanten Eröffnung im kommenden Jahr 2000 Arbeitsplätze entstehen.

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