Made in Bremen: Tiemann ist Spezialist für den Vertrieb von Nutzfahrzeugen, Lkw und Landmaschinen Anpacken und Tee trinken

„Es ist noch nie so viel passiert wie in den vergangenen zehn Jahren.“ Dirk Plump, Tiemann-Gruppe Bremen.
23.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Tobias Meyer

Dirk Plump ist jeden Morgen der erste in seiner Firma. Immer noch. Pünktlich um 7.15 Uhr steigt der 67-Jährige die Treppen des Glasgebäudes auf dem vier Hektar großen Areal an der Neuenlander-

straße hoch, setzt sich an seinen Schreibtisch, trinkt ein Kännchen Assam-Tee. Das hat er immer schon so gemacht, und das behält er bei – weil es funktioniert. Was nicht funktioniert, das ändert er. Auch deswegen ist seine Firma, die Tiemann-Gruppe, so erfolgreich: Sie vertritt unter anderem MAN Truck & Bus Deutschland, John Deere und VW-Nutzfahrzeuge als Handels- und Servicepartner. In diesem Jahr feiert sie ihr 110-jähriges Bestehen.

Plump ist gebürtiger Bremer, seine Familie hat seit zehn Generationen das Bürgerrecht, das Wappen ist vier Mal im Bremer Wappenbuch vertreten. Eine echte Kaufmannstradition also, an deren Anfang im 17. Jahrhundert ein Leinenhändler steht und auf den unter anderem der Gründer des Bankhauses Plump folgte. Dirk Plump passt dazu, mit seinem blauen Anzug und der roten Seidenkrawatte, auf die weiße Anker gestickt sind; und auch von der hanseatischen Überzeugung her. Zurückhaltung ist das Stichwort, zumindest wenn es um die Selbstdarstellung geht – deswegen war der 67-Jährige auch zunächst nicht angetan davon, nach dem großen 100-jährigen Jubiläum 2005 dieses Jahr eine weitere Feier hinterher zu schieben. „Aber es ist noch nie so viel passiert wie in den vergangenen zehn Jahren“, sagt er. „Dem wollten wir Ausdruck verleihen.“

Ausdruck, der Eindruck machte. Denn Plump, der selbst von 2001 bis 2004 Präses der Handelskammer war, lud seine Gäste zunächst ins historische Haus Schütting ein, und anschließend feierten sie in der Oberen Rathaushalle weiter. Es kamen viele Geschäftspartner, der MAN-Vertriebsvorstand Heinz-Jürgen Löw etwa, auch Olaf Turß, Geschäftsführer des Landmaschinenherstellers John Deere – der Plump einen kleinen goldenen Traktor überreichte. Viel bedeutender war Plump aber das, was Turß sagte: Der Handel mit Landtechnik sei heute „viel mehr als Maschinen zu verkaufen. Die Menschen sind der Unterschied, der den Erfolg ausmacht.“ Deswegen sind Tiemann und John Deere seit rund 60 Jahren Partner.

Dabei hatte die Firma Tiemann nach ihrer Gründung 1905 erst eine ganz andere Ausrichtung: Sie verschrieb sich zunächst dem Handel mit Rohtabak. Die Industrialisierung jedoch führt Inhaber Werner Tiemann schnell in den Bereich des Gütertransports, und 1924 gelang der erste bedeutende Deal: Für die Brauerei Beck und Co. lieferte Tiemann sechs 12-PS-Lanz-Bulldogs, die Bierfässer von der Produktion zum Hafen transportierten. Damit war der Grundstein für eine neue Spezialisierung gelegt – und für eine langjährige Partnerschaft: Die Firma Lanz heißt heute John Deere.

Plump erzählt diese Geschichte gerne. Im Erdgeschoss steht einer der restaurierten Bulldogs, und in seinem Büro hängt noch das Originaldokument, auf dem Beck’s und Tiemann ihren Handel festhielten. Daneben: Ein Bild von Plump selbst, wie er mit seinen Geschwistern auf einem Traktor herumturnt. Dass er selbst einmal mit Landmaschinen handeln würde, war da noch lange nicht abzusehen.

Denn Dirk Plump ging zunächst seinen eigenen Weg. Studierte im schweizerischen St. Gallen Betriebswirtschaft, promovierte. Bekam dann ein Angebot von einem Finanzinstitut, Geschäftsführer in einer Dependance im brasilianischen São Paulo zu werden. Er hatte auch eines für Wien, doch Plump entschied sich gegen die beiden Optionen – und ging zurück nach Bremen. Weil seine Familie angerufen hatte und ihn fragte, ob er die Firma Tiemann übernehmen möchte. Wollte er.

Doch als er 1978 dazustößt, ist diese in einem schlechten Zustand: „Der Investitionsstau war riesig“, erinnert sich der 67-Jährige. Statt Geld zu horten, investierte er, baute in den darauffolgenden Jahrzehnten 15 neue Betriebe, stockte die Zahl der Mitarbeiter von einst 200 auf heute mehr als 500 auf. Strich Tischlerei, Malerei, die eigene Tankstelle und die Küche, lagerte die Bereiche aus, setzte seine Mitarbeiter näher am eigenen Kern ein: dem Handel und Verleih von Lkw und Landmaschinen und entsprechende Servicedienstleistungen in einem breit gefächerten Filialnetz mit einem 24-Stunden-Service.

Doch die besten Jahre lagen im vergangenen Jahrzehnt, sagt Plump: Fünf neue Betriebe hat er eingerichtet, und mit dem zusätzlichen Bereich der VW-Nutzfahrzeuge seit 2007 eine weitere Kompetenz aufgebaut. „Jetzt bieten wir Produkte und Dienstleistungen vom Caddy bis zum 40-Tonner.“ Gerade erst hat er seinen 25 000. MAN-Lkw verkauft. Überhaupt: Nach eigenen Angaben ist Tiemann das einzige private deutsche Vertriebszentrum des Herstellers. Seit mehr als 80 Jahren arbeiten sie zusammen, aktuell macht der MAN-Vertrieb 70 Prozent des Umsatzes aus. Wie man erfolgreich bleibt? „Man muss die Signale des Marktes erkennen – und deuten können.“

Plump kann das. Es gab zum Beispiel eine Zeit, da diskutierte die Politik über eine Untertunnelung der Neuenlander-

straße. Eine grauenhafte Vorstellung für Plump, der immer froh war über die Lage, dieses „großartige Filetstück“, wie er es nennt, gut gelegen zwischen den Autobahnen – und das ist seine Strategie: Immer an den Autobahnen bauen. Weil Plump ungerne abhängig ist von den Entscheidungen anderer, kauft er kurzerhand ein Grundstück in Stuhr/Groß Mackenstedt und richtet ein neues Zentrum für Nutzfahrzeuge ein. Der Tunnel wurde nicht gebaut. Der zusätzliche Standort aber, der ist nach eigenen Angaben gut nachgefragt und wurde bereits vergrößert.

Plump, der den Betrieb nun in vierter Generation führt, kann noch nicht loslassen. „Mir macht das Unternehmersein einfach zu viel Spaß“, sagt er. Aber seit einem Jahr sind auch seine Neffen Caspar Plump und Christoph Lange im Unternehmen. Sie sollen es eines Tages übernehmen. Bis dahin wird Dirk Plump selbst hinter dem Schreibtisch sitzen. Jeden Morgen, pünktlich um 7.15 Uhr, bei einem Kännchen Assam.

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