Jahrhundert-Ansturm bei Arbeitsagentur

5600 Betriebe in Bremen wollen in Kurzarbeit gehen

Im Bezirk der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven wollen 5600 Betriebe in Kurzarbeit gehen. Der Chef der hiesigen Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, spricht von einem Jahrhundert-Ansturm.
31.03.2020, 16:06
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Von Florian Schwiegershausen und Jan Petermann
5600 Betriebe in Bremen wollen in Kurzarbeit gehen

Die aktuellen Arbeitslosenzahlen für Bremen und Niedersachsen sehen so aus, als hätte Corona keine Auswirkungen auf die Wirtschaft. Diese Effekte werden erst die Zahlen in einem Monat zeigen.

Patrick Seeger/DPA

Die Corona-Krise belastet den Arbeitsmarkt in Bremen erheblich. Bisher haben im Bezirk der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven, zu dem neben den beiden Städten auch der niedersächsische Landkreis Osterholz gehört, 5600 Betriebe angezeigt, dass sie gern in Kurzarbeit gehen wollen. Der Chef der örtlichen Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, spricht von einem Jahrhundert-Ansturm: „Ich gehe davon aus, dass dies die Finanzkrise von 2008 und 2009 übertreffen wird.“ Auf der anderen Seite sagte Ossmann, dass die Kurzarbeit damit ihren Zweck erfülle: „Sie dient dazu, Arbeitslosigkeit zu vermeiden.“

Um diesem Ansturm gerecht zu werden, hat die Arbeitsagentur die Zahl der Mitarbeiter von acht auf 80 Mitarbeiter aufgestockt. Die Mitarbeiter werden in diesen Tagen geschult, um ihren Kollegen, die tagtäglich damit zu tun haben helfen zu können. Angesichts der Tatsache, dass auch die Computertechnik der Bundesarbeitsagentur dem Ansturm nicht gewachsen ist, überlegt Ossmann, dass die Mitarbeiter hier vor Ort demnächst in einem Zweischicht-System arbeiten werden. „Schon jetzt gibt es eine Rahmenarbeitszeit von sechs bis 22 Uhr“, ergänzt Ossmann. Das soll das System entlasten. Auch am Wochenende seien die Mitarbeiter im Einsatz, um dieser außergewöhnlichen Situation entgegenwirken zu können.#

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Dennoch mögen Unternehmen, die freie Stellen haben, diese auch der Arbeitsagentur melden. „Gerade in der Landwirtschaft, im Lebensmitteleinzelhandel und in der Pflege werden Mitarbeiter gesucht“, weiß Ossmann aus den aktuellen Jobangeboten. Um diese Stellen möglichst schnell besetzen zu können, wurden die Bestimmungen entsprechend gelockert, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter an andere Betriebe verleihen können. Außerdem wurden die Bestimmungen gelockert, dass Personen in Kurzarbeit einen Nebenverdienst aufnehmen können.

Bei dieser aktuellen Situation sind die aktuellen Arbeitslosenzahlen fast in den Hintergrund gerückt. Denn sie bilden nur die Zahlen bis zum 12. März ab und damit die Zeit vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie. So habe die Entwicklung Anfang März noch positiv ausgesehen, teilte die Arbeitsagentur am Dienstag mit. So lag die Arbeitslosenquote in der Stadt Bremen im März verglichen mit Februar unverändert bei 9,4 Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum war das allerdings ein Plus von 0,2 Punkten. In Bremerhaven sank die Arbeitslosenquote sogar leicht von Februar auf März um 0,1 Punkte auf 12,8 Prozent.

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„Seit Mitte März hat sich die Lage grundlegend verändert“, sagte Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. „Zahlreiche Betriebe melden Kurzarbeit an, und wir rechnen in Kürze mit einem Anstieg bei Arbeitslosen, weil Betriebe aufgrund ausbleibender Einnahmen Beschäftigte entlassen.“ Die Firmen stellten nur zögerlich ein, Leiharbeiter oder Mitarbeiter mit Zeitverträgen würden nicht weiter beschäftigt, sagte Höltzen-Schoh. Im Laufe des Dienstags wird sich noch der Chef der Arbeitsagentur Bremen und Bremerhaven, Joachim Ossmann, zur aktuellen Entwicklung äußern. Im März 2019 lag die Quote bei 12,5 Prozent.

Ähnlich sieht die aktuelle Situation in Niedersachsen aus. Bis zum 12. März entwickelte sich der Arbeitsmarkt noch positiv, wie die Bundesagentur berichtete. Bezogen auf den verkürzten Zeitraum waren in Niedersachsen 3,3 Prozent weniger Arbeitslose gemeldet als im Vormonat, ihre Zahl sank auf 220 490, die Quote nahm um 0,2 Punkte auf 5,1 Prozent ab. Wegen der besonderen Situation wurden die regulären Arbeitsmarktdaten diesmal nur bis kurz vor Monatsmitte erhoben. Dies liegt daran, dass die Lage nach den Schulschließungen und weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens nicht mit der Lage im Februar vergleichbar ist.

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