Immobilien als Kapitalanlage Auf die Lage achten

„Viele denken darüber nach, jetzt in Betongold als vermeintlich sichere Geldanlage zu investieren. Doch für den Laien ist es schwierig, den Wert einer angebotenen Immobilie richtig einzuschätzen“, sagt Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus & Grund Bremen, einer Interessenvertretung von Immobilienbesitzern.
26.01.2018, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Kristina Bumb

„Viele denken darüber nach, jetzt in Betongold als vermeintlich sichere Geldanlage zu investieren. Doch für den Laien ist es schwierig, den Wert einer angebotenen Immobilie richtig einzuschätzen“, sagt Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus & Grund Bremen, einer Interessenvertretung von Immobilienbesitzern. „Das wichtigste Kriterium für den Wert ist die örtliche Lage des Gebäudes. Man sollte sich überlegen, ob es sinnvoll ist, einen der aktuell hohen Preise für Wohneigentum in durchschnittlicher Lage zu bezahlen.“ Denn unter Umständen werde bei einer späteren Veräußerung der Immobilie der Kaufpreis nicht mehr erzielt.

Vergau rät zudem, vor einem Kauf das Gespräch mit den dortigen Nachbarn zu suchen. „So kann man ausschließen, dass man sich trotz attraktiver Wohngegend in einen bestehenden Nachbarschaftskonflikt quasi ,hineinkauft‘. Außerdem wissen die Nachbarn auch viel über andere günstige oder ungünstige Faktoren wie Lärmbelastung.“ Dasselbe gelte erst recht beim Erwerb einer Wohnung. „Dort sollte man sich die Teilungserklärung, den Wirtschaftsplan und die Protokolle der Eigentümerversammlung zeigen lassen. Daraus wird ersichtlich, ob es sich um eine gut funktionierende Gemeinschaft handelt und welche Sanierungsmaßnahmen am gemeinsamen Wohngebäude in nächster Zukunft anstehen.“

Bausubstanz prüfen

Ein weiteres, entscheidendes Wertkriterium sei das Alter des Gebäudes beziehungsweise die Qualität der Bausubstanz. „Für den Laien ist Letzteres nur schwer zu beurteilen“, sagt Vergau und rät, bei Kaufabsicht einen Architekten oder Bausachverständigen mit zur Besichtigung zu nehmen. „Die Kosten dafür sind gut investiert.“ Der Verkäufer kann zur Begutachtung bauamtliche Unterlagen beisteuern – darin können Details zur Architektur, Statik, den verwendeten Baustoffen und der Entwässerung sowie Informationen zu etwaigen Baulasten wie ungünstigen Überbaurechten enthalten sein. „Grundsätzlich lohnt sich zudem ein Blick in den Bebauungsplan. Wo heute noch eine schöne Sicht in die Natur vorhanden ist, kann morgen schon eine Häuserzeile entstehen, wenn man Pech hat.“

Bei dem gemeinnützigen Verein bauraum können sich Interessierte kostenlos zu allen Fragen rund um die Bausubstanz informieren – Wissen, das zu einer fundierten Kaufentscheidung beiträgt. In der Friedrich-Karl-Straße 96 haben die Initiatoren des Vereins, Unternehmen aus Bauplanung, Handwerk und Architektur, eine Ausstellung zum Thema eingerichtet und bieten Beratungen an. „Die Ratsuchenden sollten alle bereits vorhandenen Unterlagen zu dem Gebäude mitbringen und sich nicht scheuen, den Verkäufer oder Makler um weitere Dokumente zu bitten“, sagt bauraum-Geschäftsführer Karsten Stumpf.

Mit Blick auf den Bremer Immobilienmarkt stellt er fest, dass immer wieder ältere Gebäude, die rundum modernisiert werden müssten, zu hohen Preisen angeboten werden. „Manche Verkäufer können von dem aktuellen Preisniveau sehr profitieren.“ Der Experte weist zudem auf ein besonderes Charakteristikum der hiesigen Bebauung hin. „Viele Wohnhäuser sind Reihenhäuser. Sie stehen dicht an dicht, man teilt sich eine Wand mit dem Nachbarn. Dadurch ist eine Prüfung der Bausubstanz erschwert, und verdeckte Mängel werden unter Umständen nicht erkannt.“

Ein immer noch aktuelles Thema in älteren Gebäuden ist Asbest. Bis zum Verbot im Jahr 1993 wurde der krebserregende Werkstoff vielfach verbaut. Besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren wurde Asbest oft eingesetzt. „Man kennt es von Betonbauteilen und Rohrverkleidungen. Asbest ist aber auch in schwer zu erkennenden Bereichen verwendet worden – zum Beispiel als Spachtelmasse, Putz und Fliesenkleber.“ Stumpf empfiehlt, dies beim Kauf von älterem Wohneigentum zu prüfen. So teste etwa das Bremer Umweltinstitut gegen eine Gebühr Proben von Baumaterial.

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