Schienengipfel in Berlin

Ausbau des europäischen Bahnnetzes

22 Staaten wollen einheitlichen Taktfahrplan entwickeln. Kommission will besseres Nachtzugnetz ermöglichen, auch als Beitrag zum Klimaschutz.
17.05.2021, 17:27
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Ausbau des europäischen Bahnnetzes
Von Wolfgang Mulke
Ausbau des europäischen Bahnnetzes

22 europäische Länder haben sich in einer Absichtserklärung darauf verständigt, die heimischen Bahnen bei der Entwicklung eines Taktfahrplans sowie der Entwicklung einer digitalen Buchungsplattform zu unterstützen.

Roland Weihrauch/dpa

Nach dem Deutschlandtakt soll der Europatakt kommen. Darauf haben sich 22 europäische Länder in einer Absichtserklärung verständigt. Darin verpflichten sich die Staaten, die heimischen Bahnen bei der Entwicklung eines Taktfahrplans sowie der Entwicklung einer digitalen Buchungsplattform zu unterstützen. Damit nimmt das Konzept des TransEuropeExpress (TEE) 2.0 von Verkehrsminister Andreas Scheuer allmählich Gestalt an. 

Auf einem europäischen Schienengipfel vereinbarten Deutschland, Tschechien und Österreich auch den Aufbau einer Hochgeschwindigkeitsverbindung von Berlin über Dresden und Prag nach Wien. Mitte des nächsten Jahrzehnte soll die Fahrt von Anfang bis Ende dann nur wenig mehr als vier Stunden dauern. Auf diese Weise soll ganz Europa auf verschiedenen Achsen zusammenrücken. Der TEE 2.0 soll wenigstens zwei Staaten über mindestens 600 Kilometer miteinander verbinden und wenigstens mit Tempo 160 unterwegs sein. Auch setzt das Konzept auf komfortable Angebote mit freiem Wlan, Bordgastronomie und Schlaf- oder Liegewagen.

Ausreichende Resonanz auf Nachtzüge noch offen

Vor allem von den Nachtzügen erhofft sich auch die EU-Kommission einen Beitrag zum Klimaschutz. Die Kommission prüfe, wie mehr Nachzüge ermöglicht werden könnten, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach dem europäischen Schienengipfel in Berlin. „Wir müssen historisch gewachsene Barrieren abbauen“, forderte sie. Gemeint sind damit die technischen und bürokratischen Hemmnisse für einen grenzüberschreitenden Zugverkehr, die auch den Ausbau der Nachzugverbindungen behindern. Immerhin gibt es auch hier einen Fortschritt. Die Infrastrukturunternehmen der Länder wollen gemeinsam an einer Harmonisierung der Standards arbeiten. 

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Beim Gipfeltreffen klang vieles noch nach reiner Zukunftsmusik. Offen ist beispielsweise, ob Nachtzüge bei den Kunden überhaupt auf eine ausreichende Resonanz stoßen. Sonst können sie kaum wirtschaftlich betrieben werden. Die Deutsche Bahn bleibt dann auch bei ihrem Nein zum Verkehr von Schlaf- und Liegewagen. „Wir halten den Nachzugverkehr nicht für wirtschaftlich“, stellte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla klar. Deshalb gehe die Bahn hier auch Partnerschaften ein. Das Unternehmen kooperiert dabei mit der Österreichischen Staatsbahn. 

Zweifel an Realisierung noch in diesem Jahrzehnt

Kritik an den ambitionierten Plänen kam auch von der Allianz pro Schiene. Scheuer solle erst einmal den Deutschlandtakt auf die Beine stellen, bevor ein Europatakt in Angriff genommen wird. Für den Minister passen beide Vorhaben dagegen gut zueinander. Ein „sowohl als auch“ sei der richtige Weg. 

Bis zu einem modernen Netz von Schweden bis Portugal und von Warschau bis Zagreb ist es noch ein langer Weg. Viele Strecken müssen ausgebaut und elektrifiziert werden. Allein die langen Planungszeiten in Deutschland lassen Zweifel daran aufkommen, dass TEE 2.0 noch in diesem Jahrzehnt realisiert werden kann. Immerhin hat die Bundesregierung mit Planungsbeschleunigungsgesetzen hier für mehr Tempo gesorgt. Laut Pofalla sparte die Bahn damit ein Viertel der Vorlaufzeit. 

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