Nach Insider-Vorwürfen Bafin verbietet Mitarbeitern Börsenhandel weitgehend

Der Wirecard-Betrugsskandal hat die deutsche Finanzaufsicht erschüttert. Jetzt schreibt die Bafin das weitgehende Handelsverbot für ihre Mitarbeiter fest.
01.09.2022, 11:25
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Die Finanzaufsicht Bafin verbietet ihren Beschäftigten als Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal weitgehend den privaten Handel mit Aktien, Anleihen und weiteren Wertpapieren. „Ziel der am 1. September 2022 in Kraft tretenden Dienstanweisung für private Finanzgeschäfte der Bafin-Beschäftigten ist, jeglichen Anschein von Missbrauch vertraulicher Informationen zu unterbinden“, begründete der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Mark Branson, am Donnerstag. Die neuen Regeln, die eine Übergangsregelung aus dem Oktober 2020 ersetzen, zählten zu den strengsten weltweit, erklärte Branson.

Allen Bafin-Beschäftigten ist es damit zum Beispiel verboten, Aktien von Unternehmen zu handeln, die die Behörde beaufsichtigt. Auch spekulative Finanzgeschäfte, also das kurzfristige Handeln beispielsweise mit Derivaten oder Aktien, sind untersagt. Alle Bafin-Beschäftigten müssen Finanzgeschäfte ab dem ersten Euro melden.

Nach dem Zusammenbruch von Wirecard im Sommer 2020 hatte die Bafin ihre zuvor recht freizügigen Regeln für Finanzgeschäfte ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits verschärft. Der frühere Dax-Konzern Wirecard hatte Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Weil diese betrügerischen Geschäfte jahrelang unentdeckt blieben, wurde unter anderem die Bafin massiv kritisiert. Der damalige Bafin-Chef Felix Hufeld musste gehen und wurde im August 2021 durch Branson ersetzt.

Nach Auffliegen des Wirecard-Skandals war herausgekommen, dass einige Bafin-Beschäftigte noch kurz vor dem Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters mit Wirecard-Derivaten gehandelt hatten. Einen Mitarbeiter zeigte die Bafin wegen des Verdachts auf Insiderhandel an und stellte ihn frei. Nach jüngsten Angaben der Bafin konnten in diesem Fall „alle Verdachtsmomente ausgeräumt werden“.

Insgesamt hatten sich nach Bafin-Angaben bei der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals bei 42 Beschäftigten der Finanzaufsicht Anhaltspunkte für einen Verstoß im Zusammenhang mit den Regelungen zu privaten Finanzgeschäften ergeben. Zumeist (37 Fälle) seien Finanzgeschäfte nicht unverzüglich gemeldet worden. 12 Verwaltungsverfahren seien noch am Laufen, in 19 Fällen werde noch geprüft, ob ein Verfahren eröffnet werde. 11 Fälle seien zum Teil mit Geldbußen abgeschlossen worden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+