M/Frankfurt Barren zum Anfassen: Bundesbank bei Gold-Verlagerung im Plan

Frankfurt/M. Viele Deutsche sehen den Goldschatz der Bundesbank lieber in der Heimat als in fremden Tresoren. Die Notenbank hat auf die Kritik reagiert und holt schrittweise Tausende Barren aus den USA und Frankreich nach Deutschland.
12.07.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von HARALD SCHMIDTUND JÖRN BENDER

Viele Deutsche sehen den Goldschatz der Bundesbank lieber in der Heimat als in fremden Tresoren. Die Notenbank hat auf die Kritik reagiert und holt schrittweise Tausende Barren aus den USA und Frankreich nach Deutschland. Einen Einblick in ihre Tresore gewährt die Notenbank nicht – aus Sicherheitsgründen. Doch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann weiß, wie wichtig das Vertrauen der Bürger ist. Deshalb öffnet die Notenbank an diesem Wochenende erstmals in ihrer Geschichte die Türen für die Bevölkerung.

Dabei gibt es sogar Gold zum Anfassen: In einer Sicherheitsvitrine wird ein 12,5 Kilogramm schwerer Goldbarren liegen. Aktueller Marktwert des Goldstücks, das kleiner als eine Milchtüte ist: etwa 400 000 Euro. Das erst kürzlich aus New York gelieferte Edelmetall kann berührt und hochgehoben, aber nicht aus der Vitrine herausgenommen werden.

Deutschland besitzt nach der US-Notenbank Fed den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Doch als Relikt aus Zeiten des Kalten Krieges lagern fast zwei Drittel des Edelmetalls im Ausland. Noch. Denn spätestens 2020 soll mehr als die Hälfte der zuletzt 3387 Tonnen deutschen Goldes im Gesamtwert von aktuell 102,1 Milliarden Euro in den Tresoren der Bundesbank lagern. Ende 2013 war in den Kellern in Frankfurt nicht einmal jeder dritte der Goldbarren gestapelt.

Auch wenn die Verlagerung schleppend begann und 2013 nur 37 der insgesamt geplanten 674 Tonnen Gold aus Paris und New York nach Frankfurt überführt wurden – Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele bleibt optimistisch: „Wir liegen voll im Plan und werden den Zeitplan einhalten können.“ Nach früheren Angaben sollen in diesem Jahr 30 bis 50 Tonnen Gold aus New York und 50 Tonnen aus Paris nach Frankfurt gebracht werden.

Weil viele der New Yorker Barren nicht dem heute gültigen Standard entsprechen, lässt die Bundesbank sie umschmelzen. Dass der Großteil des deutschen Goldes in den Tresoren der Fed, der Banque de France in Paris und der Bank of England in London lagert, hat historische Gründe.

Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den 50er und 60er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant: Die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.

Während des Kalten Krieges war es durchaus gewollt, deutsches Gold „westlich des Rheins“ und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen aufzubewahren. Der Ost-West-Konflikt ist lange Geschichte. Seit 1999 rechnet Europa zudem in einer gemeinsamen Währung, dem Euro. Seither ist zumindest für den Standort Paris auch das Argument hinfällig, man könne das dort gelagerte Gold im Krisenfall in Devisen umtauschen: Dieser Lagerort wird daher in den kommenden Jahren aufgelöst. Das in Frankfurt gelagerte Gold erfülle einen Sinn: „Als Teil der Währungsreserve baut Gold zusätzliches Vertrauen in die Stabilität einer Währung auf.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+