EU BASF will Zulassung für weitere Gen-Kartoffeln

Ludwigshafen. Nach dem Ja der EU-Kommission zum Anbau der umstrittenen Gen-Kartoffel Amflora des Chemiekonzerns BASF will das Unternehmen noch in diesem Jahr die Zulassung für zwei weitere Gen-Kartoffeln beantragen.
04.03.2010, 15:00
Lesedauer: 2 Min
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Ludwigshafen. Nach dem Ja der EU-Kommission zum Anbau der umstrittenen Gen-Kartoffel Amflora des Chemiekonzerns BASF will das Unternehmen noch in diesem Jahr die Zulassung für zwei weitere Gen-Kartoffeln beantragen.

Während Amflora zu industriellen Zwecken verwendet werden soll, soll aus einer der beiden anderen Knollen unter anderem Pommes frites hergestellt werden. Einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung «Die Rheinpfalz» bestätigte eine BASF- Sprecherin.

Unmittelbar bevor steht demnach der Antrag für eine Amflora- Nachfolgerin, die ebenfalls nur Amylopektin-Stärke bildet. Diese ist für industrielle Anwendungen - etwa bei der Papierherstellung - vorteilhaft. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierte die weitergehenden Pläne scharf.

«Keine der Stärkefabriken in Deutschland will die Gen-Kartoffel Amflora der BASF einsetzen. Es gibt zudem zwei gentechnikfreie Kartoffeln mit denselben Eigenschaften. Es ist wirtschaftlicher Unsinn, nun noch ein weiteres Gen-Konstrukt auf den Markt bringen zu wollen, für das es keine Nachfrage gibt», erklärte die BUND- Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer in einer Mitteilung in Berlin.

Für die Amflora-Nachfolgerin wurde eine andere Kartoffelsorte gentechnisch verändert. Der Zulassungsantrag für die noch namenlose Kartoffel soll nach Angaben einer BASF-Sprecherin «bald» eingereicht werden. Zum Jahresende soll dann ein Antrag für die BASF-Kartoffel Fortuna folgen. Sie wurde gentechnisch mit einer Resistenz gegen eine Pilzerkrankung ausgestattet, die laut Zeitung immer wieder zu hohen Ernteausfällen führt. Fortuna soll der industriellen Produktion von Lebensmitteln wie Pommes frites oder Chips dienen.

Am Dienstag hatte die EU-Kommission grünes Licht für den Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora gegeben. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte sich «schockiert» gezeigt. Amflora bildet nach Angaben des Unternehmens Stärke für technische Anwendungen in der Papier-, Garn- oder Klebstoffindustrie. So verleihe die Amylopektinstärke aus Amflora Papier einen höheren Glanz, Beton und Klebstoffe können länger verarbeitet werden.

Eine Nutzung der Gen-Kartoffel als Lebensmittel ist nicht vorgesehen. Kritiker warnen vor einem sogenannten Antibiotikaresistenz-Markergen. Mit ihm enthalte die Pflanze eine Resistenz gegen wichtige Antibiotika.

Amflora wird von April an in Mecklenburg-Vorpommern auf 20 Hektar angebaut, zudem in Schweden auf 80 Hektar und in Tschechien auf 150 Hektar. Der Anbau in Mecklenburg-Vorpommern und Schweden soll laut Zeitung der Saatgutvermehrung dienen. In Tschechien wird zu kommerziellen Zwecken mit einem nicht genannten Industriepartner angebaut.

Der BUND hatte kritisiert, er halte die Übertragung eines in der Stärkekartoffel enthaltenen Resistenz-Gens auf Bakterien des Magen- Darm-Trakts nicht für ausgeschlossen. EU-Gesundheitskommissar John Dalli hatte dagegen erklärt, sämtliche Sicherheitsbedenken seien in einer Reihe von Untersuchungen durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit «ausgiebig berücksichtigt worden». Die Produktion werde allein der Stärkegewinnung dienen, besonders zur Herstellung von Papier. (dpa)

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