Aufschwung am Arbeitsmarkt geht an Menschen mit Handicap vorbei Behinderte profitieren nicht

Berlin. Der Arbeitsmarkt boomt. Nicht aber für Behinderte.
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Behinderte profitieren nicht
Von Norbert Holst

Der Arbeitsmarkt boomt. Nicht aber für Behinderte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Aktion Mensch. Laut der gestern in Berlin vorgelegten Untersuchung liegt die Arbeitslosenquote von behinderten Menschen gegenwärtig bei 14 Prozent und ist damit doppelt so hoch wie die von Nichtbehinderten.

Laut des „Inklusionsbarometers Arbeit“ ist die Zahl der schwerbehinderten Beschäftigungslosen in den vergangenen Jahren sogar leicht gestiegen. Gegenwärtig sind mehr als 176000 Behinderte ohne Job. „Zwar hat sich die Lage von Menschen mit Behinderung bereits verbessert, doch es gibt noch viel Handlungsbedarf“, sagt Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. Nicht die Defizite, sondern die Fähigkeiten der potenziellen Beschäftigten sollten im Fokus stehen.

„Insgesamt hat sich das Problem trotz verschiedener Maßnahmen verfestigt“, schildert der Landesbehindertenbeauftragte Joachim Steinbrück die Situation in Bremen. Manche, vor allem mittelständische Arbeitgeber, hätten die Sorge, dass Behinderte weniger leistungsstark seien. Andererseits gebe es in Bremen vorbildliche Initiativen: So fördere Mercedes die Ausbildung von behinderten Jugendlichen, und die Universität habe das Modellprojekt „Inklusion in der Wissenschaft“ gestartet.

Im Land Bremen suchen aktuell 1525 Arbeitslose mit schwerer Behinderung einen Job, so die Zahlen der Arbeitsagentur Niedersachsen-Bremen. Das sind 40 Personen oder 2,6 Prozent weniger als im November 2012. Seit Jahresbeginn haben Behinderte jedoch tendenziell häufiger einen Job verloren, als dass sie eine neue Stelle gefunden haben. In Niedersachsen suchen 13163 Behinderte einen Arbeitsplatz, im Vergleich zum Vorjahresmonat hat diese Zahl um 1,8 Prozent zugenommen.

Dabei stellt das „Inklusionsbarometer“ der Zielgruppe gute Noten aus. Nach Angaben von Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Instituts und Initiator der Studie, zeigt die Erhebung, dass Behinderte besonders leistungswillig sind. Sie böten zudem ein hohes Maß an Selbstdisziplin, da auch ihr Alltag ein hohes Maß an Organisation erfordere.

Dennoch beschäftigen weit mehr als 30000 Betriebe in Deutschland keinen einzigen Gehandicapten, obwohl der Gesetzgeber für Unternehmen ab 20 Mitarbeiter einen Anteil von fünf Prozent festgelegt hat. Die Betriebe können sich jedoch „freikaufen“ und zahlen dann eine gestaffelte Ausgleichsabgabe von 115 bis zu 290 Euro monatlich. Steinbrück mag dieses System aber nicht verdammen, denn durch die Ausgleichsabgabe werden Arbeitsplätze für Behinderte gefördert. „Ich kenne keine bessere Alternative“, sagt der Landesbeauftragte, der selber blind ist. Nach seinen Worten könnte aber eine Erhöhung der Abgabe eine geeignete Maßnahme sein, um mehr Jobs für Behinderte zu bekommen.

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