Ab Januar gelten neue Richtlinien bei Investmentfonds und Wertpapiergeschäften

Beratungsprotokoll vor dem Aus

Bremen. Auf zwei grundlegende Änderungen müssen sich Bankkunden im neuen Jahr einstellen: Bei der Besteuerung von Investmentfonds und der Beratung von Wertpapiergeschäften. Das Beratungsprotokoll, erst vor einigen Jahren eingeführt, hat ausgedient.
11.12.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Bremen. Auf zwei grundlegende Änderungen müssen sich Bankkunden im neuen Jahr einstellen: Bei der Besteuerung von Investmentfonds und der Beratung von Wertpapiergeschäften. Das Beratungsprotokoll, erst vor einigen Jahren eingeführt, hat ausgedient. Kunde und Bankberater müssen sich an einen neuen Begriff gewöhnen. Künftig gibt es eine „Geeignetheitserklärung“. Darin hält der Bankberater fest, warum er dieses oder jenes Produkt dem Kunden empfohlen hat und warum die Bank dies angesichts der persönlichen Risikoneigung und der Erfahrungen des Kunden für geeignet hält.

Über die neuen Regelungen werden die Kunden von ihren Banken auch in langen Schreiben informiert. Hintergrund ist die Umsetzung der sogenannten Mifid-II-Richtlinie, in der die neuen europäischen Regeln für das Wertpapiergeschäft zusammengefasst sind. Sie wurden zwischen Bankenvertretern und Verbraucherschützern ausgehandelt. Wer seine Wertpapiere telefonisch bei der Bank ordern will, der muss sich ab 2018 darauf einstellen, dass das Gespräch aufgezeichnet wird. Wer das nicht möchte, muss persönlich in der Filiale erscheinen, um seine Wertpapierorder aufzugeben. Die Banken beklagen die hohen Kosten für die neuen Regelungen. „Wir rechnen mit Kosten von bis zu einer Milliarde Euro, wozu dann noch laufende Kosten kommen“, sagt Herbert Jütten, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken.

Mehr Kostentransparenz

Zu den Neuerungen gehört auch eine größere Kostentransparenz. „Ab dem 2. Januar 2018 informieren wir Sie direkt vor jeder Ordererteilung automatisch über alle Kosten und Gebühren“, schreibt die Ing-Diba ihren Kunden. So erfährt der Kunde Einstiegskosten, aber auch was es ihn kostet, wenn er das Wertpapier wieder verkauft. Dazu kommen die laufenden Kosten, etwa Depotgebühren. Am Ende soll der Kunde die laufenden Kosten pro Jahr sowohl in Prozent der Anlagesumme wie auch in absoluten Beträgen sehen können.

Ablesbar wird auch sein, was die Bank an dem Produkt verdient, etwa durch den Ausgabeaufschlag eines Investmentfonds oder Bestandsprovisionen, die die Bank erhält. Schließlich soll der Kunde auch erfahren, wie sich die Kosten auf die Rendite des Produkts auswirken. Das Kostenblatt dürfte die sinnvollste Maßnahme der neuen Regelungen sein. Die Kostenaufschlüsselung macht allerdings den Banken viel Arbeit. Möglich, dass den Kunden künftig weniger Finanzprodukte angeboten werden.

Wer in Investmentfonds investiert, muss sich auf steuerliche Neuregelungen einstellen. Die Besteuerung dieser Wertpapiere wird von 2018 komplett neu geregelt. Künftig werden alle Fonds anhand einer jährlichen Pauschale nach der gleichen Systematik besteuert. „Sparer müssen sich bei der Steuererklärung keine Gedanken mehr darüber machen, ob es sich um einen in- oder ausländischen Fonds handelt und ob er Dividenden ausschüttet“, sagt Sara Zinnecker vom Verbraucherportal „Finanztipp“. Steuerliche Überlegungen müssen also beim Erwerb eines Fonds nicht mehr angestellt werden. Sie sind meist ohnehin kein guter Ratgeber.

Fonds zahlen Steuern

Bislang waren in Deutschland Erträge auf der Ebene der Fonds komplett steuerfrei, nur die Anleger wurden besteuert. Dieses Prinzip wird geändert. Deutsche Fonds zahlen künftig auf bestimmte Erträge 15 Prozent Körperschaftssteuer. In der Folge kann also an die Anleger weniger ausgeschüttet werden. Betroffen sind Dividenden, Mieterträge und die Gewinne aus dem Verkauf von deutschen Immobilien. Die neuen Regeln gelten also für Aktienfonds, Mischfonds und offene Immobilienfonds sowie die ETF’s, die als Exchange Traded Funds meist einen Börsenindex wie den Deutschen Aktienindex (Dax) nachbilden. Reine Rentenfonds sind also davon nicht betroffen, weil die Zinserträge von der Körperschaftssteuer verschont bleiben. Das gilt auch für ausländische Dividenden, dort fällt weiterhin die Quellensteuer an. Inländische und ausländische Fonds, die Dividenden ansparen oder ausschütten, werden künftig nach derselben Systematik besteuert. Das soll die Besteuerung einfacher machen und Steuerschlupflöcher schließen. Da schon die Fondsgesellschaft in Deutschland Steuern entrichten muss und der Anleger eine geringere Ausschüttung erhält, wird die Abgeltungssteuer nur noch auf einen Teil der Erträge fällig. Die Höhe dieser Teilfreistellung hängt von der Fondsart ab. Bei einem Fonds, der mindestens 51 Prozent seine Gelder in Aktien anlegt, bekommt der Privatanleger 30 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei. Bei Immobilienfonds sind je nach Anlageschwerpunkt 60 oder 80 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei. Nach wie vor können Anleger ihren Sparerpauschbetrag nutzen, der für Alleinstehende 801 Euro und für Verheiratete 1602 Euro beträgt. Solange die Beträge nicht überschritten werden, hat man von der Teilfreistellung keine Vorteile, die Besteuerung auf Fondsebene schmälert aber dennoch die Ausschüttungen. Die Anrechnung für im Ausland gezahlte Quellensteuer mit der Steuererklärung gibt es nicht mehr.

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