Trotz Angst vor Pflegebedürftigkeit: Nur drei Prozent der Deutschen haben eine zusätzliche Versicherung

Besser abgesichert für den Notfall

23 Prozent der Deutschen glauben, eine private Pflegezusatzversicherung zu haben, ergab eine Studie der Versicherung Continentale. Tatsächlich sind es nur drei Prozent. Schon diese Diskrepanz zeigt, dass beim Thema noch viel Aufklärung notwendig ist.
13.10.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Grahl

23 Prozent der Deutschen glauben, eine private Pflegezusatzversicherung zu haben, ergab eine Studie der Versicherung Continentale. Tatsächlich sind es nur drei Prozent. Schon diese Diskrepanz zeigt, dass beim Thema noch viel Aufklärung notwendig ist.

In keinem Bereich sorgt die Bevölkerung so wenig vor wie bei der Pflegebedürftigkeit, obwohl es gleichzeitig große Befürchtungen gibt. 84 Prozent der Deutschen unter 60 Jahren fürchten nichts mehr als die Pflegebedürftigkeit und dass sie dadurch für ihre Verwandten zu einer Belastung werden. Die Diskrepanz zwischen vermeintlicher und tatsächlicher Absicherung durch eine private Zusatzversicherung mag durch die staatliche Pflegeversicherung zu erklären sein. Sie bietet mit monatlichen Zahlungen von bis zu 1550 Euro (Pflegestufe III) einen Basisschutz, deckt aber nicht die tatsächlichen Kosten ab.

Daran ändert auch die mit Beginn des nächsten Jahres anstehende Erhöhung der Leistungen um rund vier Prozent nichts. Das Pflegegeld für die häusliche Pflege erhöht sich in Pflegestufe I von 235 Euro auf 244 Euro, um nur ein Beispiel zu nennen. Für die schweren stationären Fälle gibt es dann 1612 Euro. Gleichzeitig wird der Beitragssatz in der Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte angehoben. Wer sich zusätzlich absichern will, sollte zunächst überlegen, ob andere existenzielle Risiken wie Berufsunfähigkeit oder Haftpflichtschäden im privaten Bereich ausreichend abgesichert sind. Denn diese Policen sind nach dem Urteil der Verbraucherschützer wichtiger als eine zusätzliche Pflegevorsorge.

Dafür gibt es verschiedene Versicherungsarten. Am häufigsten genutzt wird eine Pflegetagegeldversicherung. Je nach Pflegestufe und Ort der Pflege zahlt die Versicherung im Leistungsfall monatlich einen vorher vereinbarten Betrag. Das Geld kann frei verwendet werden. Andere Pflegepolicen, sogenannte Pflegekostentarife, übernehmen einen vorher festgeschriebenen Prozentsatz der Kosten. Dieser Prozentsatz bleibt über die Laufzeit gleich, egal, wie sich die Kosten beim Pflegedienst oder in den Pflegeheimen entwickeln. Zusätzlich gibt es Pflegerentenversicherungen, die wie eine klassische Lebensversicherung funktionieren aber im Vertrieb nur eine unbedeutende Rolle spielen.

Bei allen Policen handelt es sich um Risikoversicherungen. Wer nicht pflegebedürftig wird, erhält auch keine Leistungen. Die gezahlten Beiträge sind dann verloren. Das gilt auch, wenn man die monatlichen Prämien nicht mehr aufbringen kann. Dann verliert man den Versicherungsschutz. Deshalb sollte man eine solche Versicherung nur abschließen, wenn man sicher ist, dass man die Prämien über die Laufzeit aufbringen kann, denn auch Beitragserhöhungen sind bei den Tagegeld- und Kostentarifen während der Laufzeit möglich.

Auch der Staat beteiligt sich an der Pflegevorsorge. Die Policen sind nach dem früheren Gesundheitsminister Daniel Bahr benannt (Pflege-Bahr) oder heißen Förderpflege. Pro Jahr gibt es vom Staat 60 Euro Zuschuss zu den monatlichen Beiträgen. Im Gegenzug muss mindestens ein Beitrag von zehn Euro monatlich selbst aufgebracht werden. Der Staat hat den Versicherungen einige Vorgaben gemacht. So müssen in Pflegestufe III mindestens 600 Euro monatlich ausgezahlt werden.

Die Musterbedingungen des Verbandes der Privaten Krankenversicherer empfehlen, in Stufe 0 zehn Prozent, in Stufe I 20 Prozent und in Stufe II mindestens 30 Prozent der Leistung von 600 Euro zu zahlen. Unterschiede zwischen ambulanter und stationärer Pflege gibt es bei den Leistungen nicht – im Gegensatz zu den ungeförderten Pflegetagegeld-Policen. Im Leistungsfall gilt keine Beitragsbefreiung. Kunden dürfen nicht abgelehnt werden, sofern noch keine Pflegebedürftigkeit besteht. Damit keiner die Police erst kurz vor dem „Ernstfall“ abschließt, gibt es eine Wartezeit von fünf Jahren, die bei den meisten Versicherern bei Pflegebedürftigkeit nach einem Unfall entfällt. Mit 600 Euro lässt sich zwar kein Pflegeplatz bezahlen, aber es ist ein Anteil.

Bewertung durch Ratingagentur

Für einen Vergleich haben wir ungeförderte Pflegegeldpolicen ausgewählt, die auch bei Pflegestufe 0 zahlen. Das betrifft Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz). Die Ratingagentur Morgen & Morgen hat die Tarife an Hand von 39 Leistungsfragen bewertet. Maximal sind 99 Punkte erreichbar. Für fünf Sterne müssen mindestens 70 Punkte erreicht werden, für vier Sterne 57 Punkte. Basis für die Bewertung sind die Versicherungsbedingungen, denn auf die darin festgelegten Leistungen hat der Versicherungsnehmer einen Anspruch. So muss zum Beispiel ein Tarif, der fünf Sterne hat, auch bei einem verspätet gemeldeten Versicherungsfall rückwirkend leisten, die Versicherung ist bei Eintritt einer Pflegestufe beitragsfrei und der Versicherungsschutz besteht auch weiter, wenn der Versicherungsnehmer in das Ausland zieht. Diese Tarife wie auch die mit vier Sternen müssen bei Pflegestufe 0 schon leisten. Da es sich aber um Mindestkriterien handelt, können auch schon Tarife mit nur drei Sternen ein Pflegetagegeld bei Stufe 0 auszahlen.

Vielfach wird das Pflegerisiko am Worst-Case-Szenario verdeutlicht: Pflegestufe III, Heimplatz, hohe Kosten. Doch 57 Prozent der Pflegebedürftigen sind in Pflegestufe I. Nur in dieser Gruppe gibt es über die Jahre einen deutlichen Zuwachs der Fälle. Deshalb sollten bei der Auswahl der Tarife auch die Leistungen in Pflegestufe 0 und 1 eine hohe Relevanz haben. Bei Demenz reichen die monatlichen Zahlungen von 60 Euro (Axa) bis zu 450 Euro (Mecklenburgische). In Pflegestufe I (ambulant) sind die Unterschiede nicht ganz so groß. Die Spanne der monatlichen Leistungen erstreckt sich von 300 bis 450 Euro.

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