Studie des Pestel-Institut

Bezahlbare Seniorenwohnungen werden Mangelware

Experten warnen: Für ältere Menschen gibt es immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Die VdK-Präsidentin fordert von der Bundesregierung, Fördermittel für sozialen Wohnungsbau drastisch zu erhöhen.
14.01.2019, 20:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Roland Losch
Bezahlbare Seniorenwohnungen werden Mangelware

Schon heute werden altersgerechte Wohnungen für Senioren knapp. Das Problem könnte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Eine Wohnung altersgerecht umzubauen kostet viel Geld – doch es lohnt sich oft, wenn man die Kosten für stationäre Pflege gegenrechnet.

Gentsch/dpa

Eine altersgerechte und bezahlbare Wohnung – das könnte bald für Millionen Rentner zum Problem werden: Darin sind sich Wirtschaftsforscher, Sozialexperten und die Bauwirtschaft einig. Denn die geburtenstarken Jahrgänge gehen demnächst in Rente. „Eine ganze Generation mit deutlich niedrigeren Renten trifft dann auf steigende Wohnkosten“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut in Hannover. „Deutschland steuert sehenden Auges auf die ,Graue Wohnungsnot‘ zu“.

„Nur fünf Prozent aller Älteren leben in altersgerechten Wohnungen“, sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK. Schon heute sei es für viele Rentner schwer, steigende Mieten zu zahlen. „Schon jetzt ist die Hälfte der 592.000 Wohngeldbezieher älter als 65.“

Die Zahl der Senioren wird aber von heute knapp 18 Millionen bis zum Jahr 2040 auf etwa 24 Millionen steigen – und diese werden von deutlich weniger Rente leben müssen, wie das Pestel-Institut in seiner am Montag veröffentlichten Studie vorrechnet. Der Anteil der Senioren, die ergänzende Grundsicherung zum Lebensunterhalt brauchen, dürfte von heute drei Prozent auf mehr als 25 Prozent steigen. Was bedeutet: Jedem vierten Rentner droht Altersarmut.

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Ein Senior wohnt heute im Durchschnitt auf 59 Quadratmetern, ein durchschnittlicher Bundesbürger auf 46 Quadratmetern. Dabei geht es in den Städten eng zu: Jeder neunte Einwohner dort lebe in einer überbelegten Wohnung, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Überbelegt heißt zum Beispiel, dass sich drei Kinder ein Kinderzimmer teilen oder Eltern das Wohnzimmer auch als Schlafzimmer nutzen.

Umzug in eine kleinere Wohnung wäre die einfachste Lösung

Viele Senioren aber bleiben weiter in der vertrauten Wohnung, auch wenn die Kinder ausgezogen sind und der Partner verstorben ist. Gerade in Groß- und Universitätsstädten aber seien sie es, die „am stärksten unter Mietsteigerungen ächzen“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Eine einfache Lösung scheint also der Umzug in eine kleinere Wohnung zu sein.

Nur, wohin umziehen? Oft „scheitert das an den Mietkosten. In der Regel finden sie keine kleinere Wohnung für eine niedrigere Miete“, sagte Günther. „Und wer sich seine bisherige Mietwohnung nicht mehr leisten kann, wird gerade in den teuren Städten häufig gezwungen sein, nicht nur die Wohnung zu wechseln, sondern mit der Wohnung auch den Wohnort.“

Mit einzelnen Projekten und Hilfen versuchten kommunale, private und genossenschaftliche Wohnungsträger, Rentnern einen Umzug im Ort schmackhaft zu machen – in Elbgemeinden, in Berlin, in Nordrhein-Westfalen. Wichtig sei, dass die kleinere Wohnung tatsächlich günstiger ist, sagt Ropertz. Aber „das Echo ist sehr zögerlich“. Denn alte Menschen „hängen oft an der Wohnung, in der sie Jahrzehnte gelebt haben, an der Umgebung, wo sie verankert sind“.

Eine andere Lösung sehen die Wirtschaftsforscher vom Pestel-Institut in Wohngemeinschaften, um sich die Kosten zu teilen. Auch für Ropertz eine Möglichkeit: „Aber viele scheuen sich, fremde Menschen in der Wohnung aufzunehmen.“

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Nicht nur die Miete, sondern auch ein altersgerechter Umbau der Wohnung wird für eine wachsende Zahl von Rentnern kaum bezahlbar sein. Zahlt der Vermieter, kann er die Kosten als Modernisierung auf die Miete umlegen. Ein Aufzug im Haus kann da sehr teuer werden.

Drei Millionen Wohnungen altersgerecht umbauen

Im Schnitt 16.000 Euro kostet es, eine Wohnung barrierearm umzubauen, heißt es in der Pestel-Studie. Wenn die Senioren dann weniger unfallgefährdet wohnen und länger zu Hause leben können, mache sich das aber rasch auch für die Gesellschaft bezahlt: Ein Platz im Pflegeheim koste pro Jahr 8500 Euro mehr als eine ambulante Pflege. Bundesweit müssten bis 2030 drei Millionen Wohnungen zusätzlich altersgerecht neu oder umgebaut werden, sagt Günther. Das koste 50 Milliarden Euro. Mit staatlichen Zuschüssen von sechs Milliarden Euro ließe sich das stemmen, meint er.

VdK, Mieterbund und Bauwirtschaft stoßen hier ins gleiche Horn. „Mehr öffentliche Förderung für altersgerechte Wohnungen ist alternativlos“, sagt Ropertz. „Das ist auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Aber die Politik sei zögerlich.

Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel, der die Studie in Auftrag gegeben hatte und sie mit Günther auf der Bau-Messe in München vorstellte, hofft auf Aufträge. VdK-Präsidentin Bentele fordert von der Bundesregierung, die Fördermittel für sozialen Wohnungsbau drastisch zu erhöhen und „mit Auflagen zum Um- und Neubau von barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum“ zu verbinden.

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