Kosten bleiben gleich

Bis Ende Mai 2021: Sanierung der Gorch Fock verzögert sich

Das Marineschulschiff der Bundeswehr wird verspätet saniert sein. Erst im Mai 2021 möchte die Lürssen-Werft den Segler wieder an die deutsche Marine übergeben.
04.03.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Friedemann Kohler

Die Fertigstellung des renovierungsbedürftigen Marineschulschiffs „Gorch Fock“ wird sich um etwa fünf Monate verzögern: Im Mai 2021 will die Lürssen-Werft das Schiff der Deutschen Marine übergeben. Das war ursprünglich für kommenden Dezember vorgesehen. In einer Mitteilung des Bremer Unternehmens hieß es, dass die Leistungsbeschreibung „umfassend neu bewertet“ wurde. „Für den öffentlichen Auftraggeber, aber natürlich auch für uns war es wichtig, eine umfassende Bestandsaufnahme durchzuführen, um einen neuen, seriösen Startpunkt zu setzen“, sagte Geschäftsführer Tim Wagner. Im Oktober 2019 hatte Lürssen die insolvente Elsflether Werft übernommen und damit die Sanierung des Segelschulschiffs.

Vonseiten der Bundeswehr bestätigte das Ausrüstungsamt in Koblenz, dass sich am Kostenrahmen nichts ändere. Ursprünglich waren für die Sanierung zehn Millionen Euro vorgesehen, doch inzwischen sind es 135 Millionen Euro, davon 128 Millionen Euro Baukosten und sieben Millionen Nebenkosten. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, ist der Haushaltsausschuss des Bundestags über das neue Enddatum informiert worden. Derzeit liegt der Stahlrumpf der „Gorch Fock“ auf einem Werftgelände von Lürssen in Berne an der Unterweser.

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Die Deutsche Marine bringt auf der 62 Jahre alten „Gorch Fock“ ihren Offiziersanwärtern das traditionelle Seemannshandwerk bei. Doch die seit Ende 2015 laufende Sanierung des Dreimasters hat sich zu einem teuren Debakel entwickelt, das die vorige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auch politisch in Bedrängnis brachte.

Lürssen baut für die Marine auch fünf Korvetten im Milliardenwert und ist am Bau des neuen Mehrzweckkampfschiffs MKS 180 beteiligt. Zur „Gorch Fock“ sagte Geschäftsführer Wagner: „Wir haben die Arbeiten an der Bark übernommen, weil wir unserem Kunden in dieser schwierigen Situation gerne helfen wollen.“ Durch die Insolvenz habe es über Monate einen Baustopp gegeben. Viele Zulieferer der Region warten noch auf Geld, das ihnen die insolvente Elsflether Werft schuldet. Verkompliziert wird die Lage dadurch, dass zwei ehemalige Vorstände in Elsfleth Millionen Euro in dubiose Nebengeschäfte steckten. Um an die staatlichen Aufträge zu kommen, sollen viele Zulieferer zugestimmt haben, dass die Elsflether Werft pauschal 15 Prozent einbehält. Staatsanwälte in Osnabrück ermitteln deshalb gegen die alte Werftleitung.

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