Anlagestrategen empfehlen Investition in deutsche und amerikanische Aktien Bis zu zehn Prozent Rendite

Bremen. Seit Jahren lässt sich mit deutschen Aktien gutes Geld verdienen. Zwar sind die Probleme der Eurozone nicht gelöst, Griechenland noch lange nicht gerettet und es drohen neue Sorgen, da sich Länder wie Italien, Portugal und Spanien tendenziell stärker verschulden.
04.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Seit Jahren lässt sich mit deutschen Aktien gutes Geld verdienen. Zwar sind die Probleme der Eurozone nicht gelöst, Griechenland noch lange nicht gerettet und es drohen neue Sorgen, da sich Länder wie Italien, Portugal und Spanien tendenziell stärker verschulden. Gleichzeitig hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms bis mindestens März 2017 beschlossen. „Das sollte den Euro langfristig schwächen und der kriselnden Euro-Zone wirtschaftlich wieder auf die Beine helfen“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank.

Dennoch meiden viele Anleger Aktien wegen der Kursschwankungen und hoffen auf steigende Zinsen. Das aber ist nicht zu erwarten, nachdem die EZB Anfang Dezember ihre Geldpolitik noch mal gelockert hat. „Die Tagesgeldzinsen sinken kontinuierlich und liegen jetzt durchschnittlich bei 0,1 Prozent“, sagt Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Selbst eine fünfjährige Festgeldanlage bringt im Schnitt nur noch 0,38 Prozent an Zinsen.

Experten erwarten Wachstum

Wer also Rendite für sein angelegtes Geld will, der kommt auch 2016 an Aktien nicht vorbei. Die Mehrheit der Experten rechnet noch einmal mit einem Plus von rund zehn Prozent, wenn man die Prognosen beim wichtigsten deutschen Kursbarometer, dem Deutschen Aktienindex (DAX) zu Grund legt. So prognostiziert die Deutsche Bank Ende 2016 einen DAX-Stand von 11 700 Punkten. Allerdings muss auch mit großen Schwankungen des Kursbarometers gerechnet werden. „Die Kapitalmärkte haben zuletzt sehr sensitiv auf aufkommende Risiken oder negative Überraschungen reagiert“, sagt Stephan.

Noch optimistischer ist die Commerzbank, die einen DAX-Stand von 12 600 Punkten erwartet. „Auch wenn die Schwankungsbreite von Aktien 2016 hoch bleiben dürfte, führt an ihnen kein Weg vorbei“, sagt Chef-Anlagestratege Chris-Oliver Schickentanz. „Wir sehen für Aktien ansprechendes Kurspotenzial angesichts einer attraktiven Bewertung, weltweit wachsender Geldmengen, moderat wachsender Unternehmensgewinne und ansehnlicher Dividenden-Ausschüttungen.“

Zu Jahresbeginn sollte dabei der regionale Fokus auf europäische Titel gelegt werden. „Hier insbesondere auf die niedrig bewerteten deutschen Aktien“, sagt der Commerzbank-Experte. Diese dürften im Verlauf des ersten Halbjahrs ein neues Allzeithoch markieren. Im Jahresverlauf sieht die Commerzbank auch Chancen für die Aktien der Schwellenländer sowie für US-Aktien, die von den Präsidentschaftswahlen profitieren sollten. Leicht andere Akzente setzt sein Kollege von der Deutschen Bank: „Auf regionaler Ebene scheinen mir die entwickelten Märkte in der Eurozone, Japan und den USA insgesamt aussichtsreicher zu sein“, sagt Stephan. Er favorisiert die Branchen Finanzen, Technologie, Konsum und Gesundheit.

Mit einer Investition in die 30 wichtigsten deutschen Aktien (DAX) sind die Anleger in den vergangenen Jahren gut gefahren. Schon das vierte Jahr in Folge schneidet der DAX 2015 mit einem Plus ab. Allerdings ist für ein Aktieninvestment ein längerer Zeitraum von fünf und mehr Jahren notwendig. Dafür sollte auch nur ein Teil des verfügbaren Geldes genutzt werden, denn auch Verlustjahre müssen einkalkuliert werden. Doch selbst wer Anfang 2008 in den DAX investiert und die Finanzkrise mit großen Verlusten voll mitgenommen hat, erzielte bisher eine durchschnittliche jährliche Rendite von 6,3 Prozent. Wer erst 2009 einstieg, erreichte gar 12,9 Prozent jährliche Rendite.

Rückenwind durch schwachen Euro

Um eine Einzelauswahl von Aktien zu umgehen, können Anleger auf sogenannte kostengünstige ETF’s setzen, die beispielsweise den DAX, den Index eines anderen Landes oder einen Korb dividendenstarker Aktien abbilden.

Auch die Berenberg Bank erwartet eine Fortsetzung des Aufschwungs. „Auf beiden Seiten des Atlantiks trägt vor allem der private Verbrauch die Konjunktur“, sagt Chef-Volkswirt Holger Schmieding. Deutschland bleibe der wichtigste Konjunkturmotor für die Euro-Zone. Die Bank rechnet beim DAX mit 11 800 Punkten Ende 2016. „Der schwache Euro und ein niedriger Ölpreis sorgen bei der wirtschaftlichen Erholung im Euroraum für zusätzlichen Rückenwind“, sagt Markus Zipperer, Aktienstratege bei Berenberg. Die favorisierten Branchen sind Autos, Einzelhandel, Industriewerte und Banken.

Etwas pessimistischer ist die DZ Bank. Sie sieht für den DAX kaum Luft nach oben, das Jahresziel lautet: 11 000 Punkte. Nach einer Kurs-Rallye im Frühjahr drohten Enttäuschungen, prognostiziert Anlagestratege Christian Kahler.

Ob nun schon Anfang des Jahres der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ist, kann niemand sagen. Als Alternative kann der Betrag in Raten aufgeteilt oder ein Sparplan gewählt werden, mit dem monatlich eine feste Summe in Aktien investiert wird.

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