Preisanstieg kostet Aufträge

Holzmangel belastet Baubranche

Die Materialkosten bereiten der Bauwirtschaft insgesamt zunehmend Probleme. Gerade Holz fehlt Tischlern und Zimmerern aus gleich mehreren Gründen. Vereinzelt zieht das Kurzarbeit in Betrieben nach sich.
06.05.2021, 08:45
Lesedauer: 3 Min
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Holzmangel belastet Baubranche
Von Lisa Boekhoff
Holzmangel belastet Baubranche

Die Baubranche leidet unter dem Holzmangel, ihn bekommen vor allem Zimmerer und Tischler zu spüren.

Ralf Hirschberger/DPA

Materialmangel setzt die Baubranche zunehmend unter Druck. Holz ist knapp geworden. Das führt bei Tischlereien und vor allem Zimmereien zu Verzögerungen. „Die derzeitige Lage ist für das gesamte Baugewerbe dramatisch“, sagt Lars Obermeyer. Der Vorsitzende des Verbands Baugewerblicher Unternehmer (VBU) im Lande Bremen ist selbst Zimmermeister. Einige Betriebe werden laut Obermeyer wegen der Knappheit nicht mehr beliefert. Vereinzelt gebe es bereits Fälle von Kurzarbeit in Bremen und der Region.

Seit dem vergangenen Herbst sei ein Preisanstieg zu beobachten. Der Aufschlag sei nicht zu kompensieren, sagt Obermeyer, er müsse an den Kunden weitergegeben werden. Die Holzkosten hätten sich bis heute teils mehr als verdoppelt. Ob Dämmstoffe oder Türklinken: Viele Baumaterialien seien teurer geworden. Ein Einfamilienhaus, das vorher etwa 350.000 Euro gekostet habe, verteuere sich auf rund 420.000 Euro. „Das können sich viele Leute nicht mehr erlauben.“

Kapazitäten in Sägewerken heruntergefahren

Warum das Holz teurer ist? Nach Einschätzung des Verbands des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen spielen mehrere Faktoren eine Rolle, wie Hauptgeschäftsführer Matthias Wächter erklärt: Im vergangenen Jahr seien die Kapazitäten in den Sägewerken heruntergefahren worden – gerade auch in den USA. Die Nachfrage aus Amerika vornehmlich nach Schnittholz und aus China nach Rundholz sei groß. Die USA beziehen ihr Holz sonst verstärkt aus Kanada. Unter Präsident Donald Trump kam es jedoch zu Handelsunstimmigkeiten mit dem Nachbarn.

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Im Großhandel kommt laut Zimmermeister Lars Obermeyer bereits eine geringere Menge als sonst an, weil das Holz aus den Sägewerken direkt in die USA und nach China exportiert werde. „Die Sägeindustrie produziert am Anschlag“, zitierte der „Spiegel“ die Geschäftsführerin des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes Julia Möbus. „Wir verarbeiten alles, was geht.“ Während der Corona-Krise sei die Nachfrage weltweit spürbar gestiegen. Doch das Angebot kommt nicht überall mit.

Kurzarbeit für Zimmereien bereits ein Thema

Der Vorsitzende des Verbands des Tischlerhandwerks Matthias Winter bezeichnet die Situation als sehr schwierig. Denn es sei kaum abzusehen, wann Material komme – manchmal fehle für ein Stück nur noch ein Teil. Aufträge für Küchen, Möbel oder Haustüren, wie sie in seinem Betrieb anfallen, könnten nicht wie sonst abgearbeitet werden. „Wir können nicht mehr sagen, wann wir fertig sind“, sagt der Obermeister der Tischler-Innung Bremen.

Tischlereien versuchten, die Kurzarbeit abzuwenden, die durch den Materialmangel entstehe. Für Zimmereien sei sie bereits ein Thema. Tischler Andreas Kahrs sieht bei den Zimmerleuten ebenfalls eine größere Betroffenheit. Derzeit sei die Lage für ihn selbst aufgrund seiner Bestände und Aufträge noch nicht so dramatisch: „Toi, toi, toi.“ Verzögerungen erlebt er jedoch auch. Bei Bestellungen gebe es dann keine Auskunft zu Lieferzeiten.

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Für die Betriebe dürfte es besonders da schwer werden, wo Aufträge mit niedrigeren Holzpreisen ausgehandelt wurden. Teils werden heute für Materialien Tagespreise aufgerufen. Das erschwert die Kalkulation. Wegen der höheren Preise seien auch Aufträge nicht zustande gekommen, berichtet Lars Obermeyer für seinen Betrieb Zimmerei & Holzbau Hocke. Er bietet ein großes Spektrum an: von der Gartenbank bis zur Arbeit in einer Logistikhalle. Für die Kunden sei der Preisanstieg schwer nachzuvollziehen. "Meine persönliche Hoffnung ist, dass Richtung Sommer die Preise zumindest stagnieren."

Matthias Wächter vom Tischlerverband Bremen/Niedersachsen prognostiziert: „Wir denken, dass die Verwerfungen am Markt noch lange anhalten werden.“ Der Präses der Bremer Handwerkskammer, Thomas Kurzke, berichtet von einem Dachdecker, der seine Belegschaft nach Hause schicken musste, weil eine Lieferung nicht angekommen sei. Einige Produkte seien nicht verfügbar. „Die Situation ist völlig ungewöhnlich“, so Kurzke. Mancher Betrieb legt sich deshalb offenbar einen Vorrat an. Der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Josef Ziegler, spricht laut „Spiegel“ von einer „Hamstermentalität“ bei Handwerksbetrieben.

Die Holzversorgung der rundholzverarbeitenden Industrie in Niedersachsen sei sehr gut, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Diese könne auf Volllast produzieren. Noch immer seien Waldbesitzer mit den Folgen der Extremwetterereignisse der vergangenen Jahre stark beschäftigt und stellten Holz bereit. Vom Preisanstieg profitierten sie bisher nicht.

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