Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel lobt Unternehmen für faire Entlohnung von Frauen und Männern

Bremen Ports als Vorbild für andere Unternehmen

Bremen. Frauen müssen durchschnittlich 79 Tage länger arbeiten, um auf das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Nicht so bei Bremen Ports: „Bei uns werden Frauen und Männer absolut gleich bezahlt“, sagte Geschäftsführer Robert Howe am Sonnabend.
20.03.2016, 00:00
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Bremen Ports als Vorbild für andere Unternehmen
Von Antje Stürmann

Frauen

müssen durchschnittlich 79 Tage länger arbeiten, um auf das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Nicht so bei Bremen Ports: „Bei uns werden Frauen und Männer absolut gleich bezahlt“, sagte Geschäftsführer Robert Howe am Sonnabend. Für den Vorstand der „Business and Professional Women“ (BPW) ist das vorbildlich. Vorsitzende Dagmar Geffken überreichte im Atlantic Grand Hotel symbolisch einen Staffelstab an Robert Howe, denn andere Unternehmen sollen es Bremen Ports gleich tun.

Nach „BPW“ und „Equal Pay Day“, dem Aktionstag, der an den Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern erinnert, ist in die Messing-Banderole des Staffelstabs nun „Bremen Ports“ eingraviert. Ein Jahr lang hatte sich das Unternehmen einer von der Hans-Böckler-Stiftung ausgearbeiteten Prüfung, dem sogenannten eg-Check, unterzogen. Der Aufwand, sagte Howe, sei vertretbar. „Wir haben nicht nur das Grundgehalt verschiedener Berufe verglichen, sondern auch Erschwerniszulagen und leistungsorientierte Entgelte.“ Ein überraschendes Ergebnis: Bei den leistungsorientierten Entgelten würden die Frauen besser bezahlt als die Männer. Es gebe jedoch auch Schwächen, an denen das Unternehmen jetzt arbeite. Bremen Ports hat 340 Mitarbeiter, 80 davon sind weiblich.

Als Laudator lobte Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel die Offenheit und Weitsicht der Geschäftsführung. Faire Bezahlung sei ein Qualitätsmerkmal, das Unternehmen für Fachkräfte attraktiv mache. Insofern sei der Fachkräftemangel eines jeden Unternehmens selbst produziert. Als Kernfrage ungleicher Bezahlung machte Hickel aus: Wie werden Lohnhierarchien erklärt? Seine Antwort: „Mit Leistung kann man sie nicht erklären, meistens ist das eine Machtfrage.“ Mit seiner Transparenz mache Bremen Ports darum ein Riesenfass auf. „Lohngleichheit funktioniert nur, wenn es Betriebe gibt, die mitmachen“, betonte Hickel, „ich hoffe, sie lösen damit einen Schneeballeffekt aus.“ Am Staffelstab der BPW sind noch 17 Plätze frei.

Die Mitglieder und Gäste der BPW diskutierten nach der Würdigung von Bremen Ports auch über die Rahmenbedingungen für Lohngleichheit in Deutschland. Hickels Ansicht nach gibt es Zeichen der Besserung. Ein Teil der Lohndiskriminierung sei nach der Einführung des Mindestlohns abgebaut worden: „Frauen, die vorher in prekären Jobs gearbeitet haben, werden jetzt ein Stück besser gestellt“, sagte Hickel.

Bislang hat im Land außer Bremen Ports nur die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS) ihre Entgeltstrukturen checken lassen – deutschlandweit haben das 15 privatwirtschaftliche und staatliche Unternehmen getan. In Bremen soll sich demnächst die Wirtschaftsförderung einer Prüfung unterziehen. Das hat die SPD in der Bürgerschaft beantragt. Denn: Auch im öffentlichen Dienst seien die Entgeltstrukturen verbesserungswürdig, sagte SPD-Politikerin Sybille Böschen, die bei BPW zu Gast war. Tarifverträge böten keinen Schutz vor ungleicher Bezahlung. Das habe mit der Wertung von Arbeit, zum Beispiel über Erschwerniszulagen zu tun.

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