Bundesweit sinkende Zahlen

Bremen Schlusslicht trotz guter Konjunktur

In anderen Bundesländern herrscht längst Vollbeschäftigung. Im Land Bremen noch lange nicht. Warum im kleinsten Bundesland die Arbeitslosenzahlen eher stagnieren, als dass sie abnehmen.
02.11.2017, 09:59
Lesedauer: 3 Min
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Bremen Schlusslicht trotz guter Konjunktur
Von Florian Schwiegershausen
Bremen Schlusslicht trotz guter Konjunktur
dpa

In vielen Teilen Deutschlands hat die gute Konjunktur inzwischen zu einer Vollbeschäftigung geführt. Das Land Bremen ist dagegen trotz der guten Konjunktur Schlusslicht bei der Arbeitslosenquote. Sie lag im Oktober im kleinsten Bundesland bei zehn Prozent. Damit hat es weder eine Veränderung gegenüber dem September gegeben noch gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Nachbarland Niedersachsen und auch der Stadtstaat Hamburg konnten dagegen ihre Arbeitslosenquote von September auf Oktober abermals verbessern.

In der Stadt Bremen waren im Oktober 27 762 Menschen arbeitslos. Gegenüber dem Vormonat waren das 0,1 Prozent mehr und verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 0,2 Prozent. Damit lag die Arbeitslosenquote in der Hansestadt im Oktober bei 9,6 Prozent. Der Chef der Bremer Arbeitsagentur, Götz von Einem, sagte: „Im Oktober ging die Arbeitslosigkeit geringer als erwartet zurück. Zwar hat die Jugendarbeitslosigkeit aufgrund von Ausbildungs- und Studienbeginn abgenommen, gleichzeitig gab es aber einen Anstieg bei den älteren und ausländischen Personen in der Arbeitslosigkeit.“ Zur Seitwärtsbewegung äußerte sich von Einem: „Gegenüber dem Vorjahr beginnt sich nun der erwartete Anstieg von Flüchtlingen unter den Arbeitslosen auszuwirken.“

Hamburg besser als Bremen

Niedersachsen hat dagegen so wenig Arbeitslose wie seit 26 Jahren nicht mehr. Die Quote liegt hier für den Monat Oktober bei 5,5 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Der Anteil der Arbeitslosen sei damit auf einem „historischen Tief“ angekommen, hieß es. Auch alle anderen Bundesländer liegen mit ihren Arbeitslosenquoten vor dem Land Bremen. Allerdings ist laut von Einem davon auszugehen, dass jeder zweite Arbeitsplatz in Bremen von jemandem besetzt ist, der im niedersächsischen Umland wohnt. Bremen habe da eine Sogwirkung.

Da sich ein Stadtstaat wie Bremen schwer mit einem Flächenland wie Niedersachsen vergleichen lässt, ein Blick nach Hamburg: Dort lag die Arbeitslosenquote für Oktober bei 6,5 Prozent – damit also 0,3 Prozent weniger als im Oktober 2016. Warum Hamburg besser abschneidet als Bremen, liege laut Jan Wedemeier vom Bremer Sitz des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) auch an dem Anteil der Langzeitarbeitslosen. Der läge in Bremen bei 45 Prozent gegenüber Hamburg mit 31 Prozent. Ein weiteres Problem sei in Bremen laut Wedemeier die strukturelle Arbeitslosigkeit: „Die Qualifikation von Arbeitsuchenden passt nicht zu den Anforderungen an offenen Stellen.“ Es bestehe nach seinen Worten also eine „Mismatch-Arbeitslosigkeit“, da in der Hansestadt die Arbeitsnachfrage der Betriebe immer noch hoch sei.

Wovon Hamburg laut Wedemeier profitiert: „Hamburg hat einen leicht größeren, aber insbesondere dynamischeren Dienstleistungssektor, der eine größere Absorption von Arbeitskräften leisten kann.“ Und dieser Sektor habe sich im Land Bremen weniger positiv entwickelt. Dazu komme ein selbstverstärkender Effekt: „Arbeitgeber suchen robust, qualifizierte Standorte, umgekehrt suchen Arbeitnehmer die Nähe zu größeren Arbeitsmärkten. Hamburg scheint immer attraktiver zu werden, es kommt zur Konzentration ökonomischer Aktivitäten.“

Bremen dürfe sich laut Wedemeier damit auf keinen Fall zufrieden geben: „Eine so hohe Zahl an Arbeitslosen – trotz gut laufender Konjunktur – darf niemanden zufriedenstellen. Die Arbeitslosenquote könnte nach der guten konjunkturellen Entwicklung auch abflauen und wieder deutlich zweistellig werden.“ Was auf der anderen Seite die robuste Konjunktur Bremens verdeutlicht: Laut Arbeitsagentur gibt es knapp 7400 offene Stellen, 3452 davon sind länger als drei Monate unbesetzt.

Die aktuellen Ausbildungszahlen zeigen erneut, dass die Arbeitsagentur mit einem statistischen Problem zu kämpfen hat: Auf der einen Seite müssen Betriebe ihre offenen Stellen der Arbeitsagentur nicht melden. Auf der anderen Seite gelten Jugendliche statistisch weiterhin als versorgt, wenn sie keinen Ausbildungsplatz finden und weiter zur Schule gehen. Im Land Bremen standen 4968 gemeldete Bewerber 5054 gemeldeten Stellen gegenüber. Es gab damit 3,7 Prozent mehr Bewerber als im Vorjahr und 2,9 Prozent weniger gemeldete Stellen. Im Arbeitsagentur-Bezirk mündeten demnach 2208 Jugendliche in eine Ausbildung. Die Zahl der „unversorgten Bewerber“ lag im Land Bremen bei 294, das sind 42 Prozent mehr als 2016. Die Bremer Vereinbarung aus dem Jahr 2014 sah vor, bis 2017 die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Land auf 7800 zu erhöhen. Es ist fraglich, ob diese Zahl wirklich erreicht wird.

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