Metro verkauft Supermarktkette Real

Bremer Betriebsratsvorsitzende fordert vernünftigen Umgang mit Beschäftigten

Der Verkauf der Supermarktkette Real ist unter Dach und Fach. Wie es mit den Bremer Märkten weitergeht, weiß die Betriebsratsvorsitzende Susanne Meister bislang nicht. Sie hat dazu aber klare Forderungen.
18.02.2020, 23:31
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Betriebsratsvorsitzende fordert vernünftigen Umgang mit Beschäftigten
Von Ivonne Wolfgramm
Bremer Betriebsratsvorsitzende fordert vernünftigen Umgang mit Beschäftigten

Steht die Supermarktkette mit 276 Real-Märkten und 34.000 Beschäftigten vor der Zerschlagung.

Oliver Berg / dpa

Der Handelskonzern Metro hat nach monatelangem Tauziehen den Verkauf seiner angeschlagenen Supermarktkette Real unter Dach und Fach gebracht.

Der Finanzinvestor SCP habe sich mit der Metro AG auf eine 100-prozentige Übernahme von Real geeinigt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen vom Dienstagabend in Düsseldorf. Demnach soll ein Großteil der Real-Standorte „langfristig weiterbetrieben werden, entweder unter der Marke Real oder durch andere Einzelhändler“.

Der Vertrag steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Aufsichtsgremiums der russischen Sistema PJSFC, die die Finanzierung der Übernahme sicherstellt. Sistema teilte ebenfalls am Dienstag in Moskau mit, dass man dafür bis zu 263 Millionen Euro zur Verfügung stelle. Metro spricht in der eigenen Mitteilung von einem erwarteten Netto-Mittelzufluss in Höhe von 0,3 Milliarden Euro. Das sind rund 200 Millionen Euro weniger, als noch vor einigen Monaten erhofft. Die Transaktion bedarf auch noch der Zustimmung der Kartellbehörden.

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Mit dem Vertrag steht die Supermarktkette mit 276 Real-Märkten, 34.000 Beschäftigten 80 Immobilien und dem Online-Shop real.de faktisch vor der Zerschlagung. SCP kündigte an, dass der Großteil der heutigen Real-Märkte an andere Einzelhändler verkauft oder aufgeteilt werden soll. Ein Kern von etwa 50 Real-Märkten werde für 24 Monate unter der Marke Real weitergeführt. Bisher geht SCP der Mitteilung zufolge davon aus, das etwa 30 Standorte geschlossen werden.

Susanne Meister, Betriebsratvorsitzende der Real-Märkte in Bremen, weiß noch nicht, wie es weitergehen soll. „Wir wissen aktuell nicht mehr, als das, was in den Medien steht“, sagt sie. Für Meister ist es der dritte Verkauf, den sie als Mitarbeiterin des Marktes an der Duckwitzstraße in der Bremer Neustadt miterlebt. Seit 1984 arbeitet sie an dem Standort. Damals, als der Markt noch Wertkauf hieß, dann vom US-Konzern Walmart übernommen wurde und seit 2006 zu Real gehört.

Meister hat nicht den Eindruck, dass derzeit übermäßig viele Kollegen aufgrund der aktuellen Situation der Metro-Tochter kündigen. Auch wenn sie nicht ausschließen kann, dass einige Mitarbeiter doch auf Stellensuche sind. Sollte sich der Verkauf ungünstig für die Angestellten darstellen, schließt die Betriebsratvorsitzende es nicht aus, wieder auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. So wie vor gut zwei Jahren, als bekannt wurde, dass Real aus den Tarifverträgen mit der Gewerkschaft Verdi aussteigt.

Susanne Meister hat schon klare Anforderungen an den oder die Konzerne, die die Supermarktkette übernehmen wollen. „Es muss klare Ansagen und einen vernünftigen Umgang mit den Mitarbeitern geben.“ Dazu zählt sie unter anderem die Anwendung und Umsetzung von Arbeitnehmerschutzgesetzen sowie die faire Behandlung von Kollegen, die versetzt oder gekündigt werden.

Die Supermarktkette war zuletzt das Sorgenkind bei dem Düsseldorfer Handelsriesen und hatte im Geschäftsjahr 2018/19 für tiefrote Zahlen bei der Metro gesorgt. Die meist auf der grünen Wiese gelegenen Hypermärkte litten seit Jahren unter den veränderten Einkaufsgewohnheiten in Deutschland. Immer öfter ließen die Kunden die Hypermärkte links liegen und kauften lieber in Supermärkten und bei Discountern in ihren Wohnvierteln.

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Die Metro hatte bereits 2018 angekündigt, die Supermarktkette abgeben zu wollen, um sich ganz auf das Großhandelsgeschäft mit Gastronomen und kleinen Händlern konzentrieren zu können. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als deutlich schwieriger als erwartet. Mit großen Hoffnungen begonnene, exklusive Verhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos scheiterten. Erst im zweiten Anlauf gelang nun eine Einigung.

Die Verkaufsbemühungen wurden nicht zuletzt durch die hohe Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel erschwert. Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit ihrem Discounter Lidl dominieren den deutschen Markt schon heute so sehr, dass der geplante Weiterverkauf zahlreicher Real-Märkte an die „großen Vier“ bei den Wettbewerbshütern mit Sorge gesehen wird.

++ Dieser Artikel wurde um 15.39 Uhr aktualisiert ++

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