Aktueller Konjunkturreport der Handelskammer

Industrie zurück in der Spur, Gastronomie leidet

Bremens Wirtschaft zeigt zum Frühjahr ein geteiltes Bild. Laut Konjunkturreport der Handelskammer läuft es in Industrie und Logistik top, Hotellerie und Gastronomie rechnen mit Personalabbau.
02.05.2021, 05:00
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Industrie zurück in der Spur, Gastronomie leidet
Von Florian Schwiegershausen
Industrie zurück in der Spur, Gastronomie leidet

Der Absatz bei Daimler hat stärker angezogen als noch vor Monaten erwartet. Die Hotellerie und Gastronomie in Bremen schaut laut aktuellem Konjunkturreport Bremen dagegen düster in die Zukunft.

Mercedes-Benz

Bei Vinyltech sorgt Corona für Einbußen. „In 48 Stunden haben wir acht Wochen Arbeit verloren“, erinnert sich der Geschäftsführer Christian Pattenhausen ans vergangene Jahr. Sein Betrieb bietet verschiedenste Werbetechnik an – von der Visitenkarte bis zur Leuchtreklame. Besonders die Folierung von Autos ist eine Spezialität des Unternehmens. Das Angebot stößt nicht nur bei Firmenkunden auf Nachfrage. Wegen der Pandemie hat der Geschäftsführer die Arbeiten für Privatkunden aber überwiegend eingeschränkt, um Kontakte gerade in geschlossenen Räumen zu vermeiden: „Wir wollen die Kunden und uns schützen“. Dafür gebe es hoffentlich Verständnis. Viele Kunden habe man wegschicken müssen. Die Aufträge seien bestenfalls nur aufgeschoben. Pattenhausen aber sagt klar: Es sei dann doch nicht so wichtig, dass ein Auto eine schwarze Motorhaube bekomme.

Verzögerungen bei den Autoherstellern machten sich zu Beginn von Corona bei Vinyltech bemerkbar. Die Bänder bei Mercedes oder VW standen damals über Wochen still. Es gab Verspätungen bei Zulieferern. Die Firmenwagen, die foliert werden sollten, waren einfach noch nicht da. Andere Kunden wollten zeitweise keine Übergabe der Autos mehr machen, aus Angst, dass sich ihre Mitarbeiter mit Corona infizieren könnten. Insgesamt ist der Umsatz für Vinyltech wegen der Einschränkungen des Betriebs zurückgegangen - trotz Erholung im Sommer und durchaus auch Neukunden. Christian Pattenhausen helfen in diesen Zeiten seine Reserven. Die Soforthilfe will er sogar wieder zurückzahlen, weil das Jahr dann nicht so schlecht wie befürchtet gelaufen sei mit einem minimal positivem Ergebnis: „Ich stehe lieber auf eigenen Füßen.“ Der Betrieb sei noch gut dran, weil er weiterarbeiten könne. Und die Aussichten? „Wir sind guter Dinge“, sagt der Chef.

Geschäftslage und Erwartungen ziehen leicht an

Pattenhausen und Vinytech sind kein Einzelfall. Denn in der Wirtschaft im Lande Bremen setzt sich der Trend der vergangenen Monate fort: Während Logistik und Industrie gut zu tun haben, leiden Hotel, Gastronomie und der geschlossene Einzelhandel mehr denn je unter der Pandemie-Situation. Das ist das Fazit des Bremer Konjunkturreports zum Frühjahr. Die Handelskammer Bremen erhebt den Report alle drei Monate. So heißt es darin: „Die Stimmung in der bremischen Wirtschaft zeigt sich zunehmend geteilt. Auf der einen Seite könnten Lage und Ausblick in den direkt vom Lockdown betroffenen Branchen wie der Hotellerie und Gastronomie, der Kultur- und Freizeitwirtschaft, einigen Teilen des Einzelhandels und weiteren personenbezogenen Dienstleistungen kaum schlechter sein als im Moment. Auf der anderen Seite sorgt insbesondere der anziehende Welthandel für weitere Belebung in Industrie, Logistik und anderen unternehmensbezogenen Dienstleistungen.“

Allerdings ziehen die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen in allen Wirtschaftsbereichen zusammengenommen an - auch wenn das Niveau weiterhin niedrig bleibt. Das zeigt der gestiegene Konjunkturindikator der Handelskammer. In der Summe liegt die Bewertung des laufenden Geschäfts demnach mit einem Wert minus Drei nur noch leicht im negativen Bereich. Im Winterquartal lag der Wert noch bei minus 13.

Lockdown belastet den Einzelhandel

Deutlich positiver als noch zum Jahreswechsel haben die Unternehmen aus der Industrie, den Verkehrs- und Logistikdienstleistungen und den sonstigen Dienstleistungen die Situation bewertet. In Bremens Logistik herrscht de facto Vollbeschäftigung. So hatte es der Verein Bremer Spediteure am Montag mitgeteilt. Weiterhin überwiegend gut zeigt sich auch das laufende Geschäft in der Bauwirtschaft. Deutlich verschlechtert stellt sich dagegen die Geschäftslage im Handel dar. Dies gilt vor allem für den Einzelhandel, wo aufgrund der Einschränkungen in einigen Bereichen weiterhin kaum Umsatz erwirtschaftet wird. In der Hotellerie und Gastronomie fallen die Bewertungen ebenfalls weiter einstimmig schlecht aus. Das werde sich auch negativ auf die Personalplanung in der Branche auswirken, teilten die befragten Unternehmen mit.

Beim Ausblick auf die kommenden Monate zeigen sich alle Betriebe in der Summe eher skeptisch. Der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, Matthias Fonger, sagt: „Trotz der insgesamt deutlich verbesserten Geschäftssituation in der bremischen Industrie und Logistik werden die Aussichten für die kommenden Monate in der bremischen Wirtschaft nach wie vor überwiegend negativ beurteilt. Für durchgreifend positive Geschäftsprognosen sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit noch mit zu vielen Unsicherheiten behaftet.“ Entsprechend seien die Erwartungen nach wie vor überwiegend negativ. An der Umfrage haben sich 390 Unternehmen aus Bremen und Bremerhaven quer durch alle Branchen beteiligt.

Sorge wegen steigender Energiepreise

Zunehmend Sorge bereitet den Unternehmen aus der Industrie der Trend bei den Energie- und Rohstoffpreisen, welcher zusammen mit der Entwicklung der Inlandsnachfrage von mehr als der Hälfte der Befragten als größtes Geschäftsrisiko genannt wird. Wieder stärker in den Fokus der Unternehmen in Bremen und Bremerhaven rücken zudem der Fachkräftemangel und die Entwicklung der Arbeitskosten, die als weitere Geschäftsrisiken genannt werden.

Dass sich in Bremerhaven im Vergleich zur stadtbremischen Wirtschaft das Geschäftsklima insgesamt stärker eintrübt, lässt sich laut Handelskammer mit der geringeren Exportintensität der dortigen Produktionsbetriebe erklären. Deshalb profitiere die Wirtschaft in der Seestadt derzeit weniger stark von den positiven Impulsen, die derzeit von der Auslandsnachfrage ausgingen.

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