Klappräder wiegen nur zwölf Kilogramm

Bremer Start-up entwirft innovative Fahrräder

Der Grieche Stathis Stasinopoulus entwirft und baut innovative Fahrräder in Bremen. Über seine Liebe zum Rad und warum er sich ausgerechnet die Hansestadt ausgesucht hat.
17.09.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Start-up entwirft innovative Fahrräder
Von Patrick Reichelt
Bremer Start-up entwirft innovative Fahrräder

Haben gemeinsam einiges vor: (von links) Chris Papanatsidis, Stathis Stasinopoulos und Jap Singh Kellner.

Christina Kuhaupt

Die Bremer lieben ihr Fahrrad. Die Hansestadt zählt nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit zu den fahrradfreundlichsten Städten. Das dachte sich auch Stathis Stasinopoulus als er einen Standort für sein Start-up „Velo-Lab“ suchte. Die kleine Firma mit drei Mitarbeitern baut und verkauft seit kurzem innovative Räder in Bremen.

„Am Anfang dachten wir darüber nach, unsere Werkstatt in den Niederlanden oder Dänemark aufzubauen“, so Stasinopoulus, „die Wahl fiel dann aber auf Deutschland und schließlich Bremen.“ Hier gebe es nicht nur einen großen Markt für Fahrräder, sondern auch gute Fördermöglichkeiten.

Klapprad wiegt nur zwölf Kilogramm

Stasinopoulus war schon als Kind begeistert vom Fahrradfahren. Dabei ist in seiner Heimat Griechenland das Radeln eher die Ausnahme denn die Regel. „In Athen ist Fahrradfahren fast verboten. Es gibt kaum Radwege, die Gefahr von einem Auto angefahren zu werden, ist sehr groß“. Der 41-Jährige ließ sich jedoch nicht beirren und fuhr trotzdem jeden Tag mit dem Fahrrad zu seinem Job als Ingenieur in Athen. Doch etwas wurmte ihn: Für die Stadt brauchte er ein Fahrrad, das sich leicht auch in der U-Bahn transportieren lässt, dabei aber komfortables Fahren ermöglicht. Kurzerhand entwarf er in der Freizeit sein eigenes Modell: Ein Klapprad, das nur etwa zwölf Kilogramm wiegt und sich in Sekunden zusammenklappen lässt. Das „Folding-Project“ war geboren.

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2014 entschied sich der 41-Jährige schließlich dazu, seinen Job zu kündigen und sich fortan voll auf seine neu gegründete Firma zu konzentrieren. Im selben Jahr präsentierte er das „Folding-Project“ erstmals auf der größten Fahrradmesse Europas, der „Eurobike“ in Friedrichshafen. Das Budget war damals schmal, der Messestand wurde kurzerhand improvisiert. „Geschlafen habe ich auf dem Campingplatz im Stadion.“ Im Nachhinein sei das aber ein Glücksfall gewesen. „So konnte ich den Kontakt zu anderen Messeausstellern aus Italien, Griechenland oder Deutschland herstellen“.

"In Griechenland gibt es keinen Fahrradmarkt"

Die Mühe sollte sich lohnen: Seine Idee eines leichten Klapprads, dass trotzdem Komfort bietet, kam an. Bei der Vergabe des Messe-Preises kam er zwar nicht bis in die letzte Runde, doch der Auftritt führte zu ersten Verkäufen und Interessenten. Das Klapprad - die Preise starten bei 2200 Euro - war ein guter Anfang und Stasinopoulus werkelte an neuen Modellen. „Als mein drittes Kind geboren wurde, kam die Idee des Cargo Bikes auf.“ Dabei handelt es sich um ein Lastenrad, mit dem man zum Beispiel seine Kinder zur Schule fahren oder Pakete transportierten kann. Unter dem Markennamen „Cargo Bike Monkeys“ wird das Lastenfahrrad bereits in Fahrradstädten wie Münster oder Kassel von kleineren Läden angeboten. Das Fachmagazin „Cycle“ zeichnete das „Cargo Bike“ dieses Jahr sogar mit dem Gold-Award aus.

Die kleine Firma wuchs und schnell war klar, dass man den Standort Athen früher oder später aufgeben muss. „In Griechenland gibt es keinen Fahrradmarkt und auch keine Förderung. Ich hätte die Fahrräder alle exportieren müssen, was sehr teuer ist“, so Stasinopoulus.

"In den USA ist großes Potenzial vorhanden"

Zwar war Münster auch noch in der engeren Auswahl, doch die Wahl viel schließlich auf die Stadt an der Weser. Mithilfe der Wirtschaftsförderung Bremen gründete Stasinopoulus im Frühjahr das „Velo-Lab“ im Sirius Business Park in Woltmershausen. Zu Beginn wurden die Rohmaterialien der Räder noch aus Griechenland angeliefert und dann in Bremen zusammengesetzt. In Zukunft soll die komplette Produktion und Montage jedoch in Bremen stattfinden, weshalb der 41-Jährige derzeit weitere Partner in der Umgebung sucht.

Das Team ist derzeit noch überschaubar: Bei der Montage der Räder hilft derzeit sein Jugendfreund Chris Papanatsidis, der ebenfalls Ingenieur ist. Die beiden kennen sich bereits seit 35 Jahren und fuhren damals gemeinsam mit ihren BMX-Rädern durch die Straßen Athens. Neuster Zuwachs ist Jap Kellner, der erst vor einer Woche zum Team dazugestoßen ist. Er soll sich in Zukunft vor allem um den Vertrieb kümmern.

Die drei haben gemeinsam einiges vor: Dieses Jahr werden etwa 100 Fahrräder verkauft, in den nächsten Jahren sollen es aber schon 1000 sein. Neben dem europäischen Markt sei langfristig vor allem auch die USA interessant: „Fahrradfahren ist in den USA nicht so stark verbreitet wie in Europa, aber der Markt wächst. Dort ist großes Potenzial vorhanden“, so Neuzugang Kellner. Außerdem bahnt sich eine Kooperation mit der Bremer Fahrradinitative „Bike it!“ an. Geplant ist ein Rennen mit den „Cargo Bikes“. Es gibt also viel zu tun. „Manchmal vielleicht etwas zu viel“, sagt Stasinopoulus mit einem Lächeln auf den Lippen. Der 41-Jährige ist erst vor wenigen Monaten mit seiner Frau und den drei Kindern nach Bremen gezogen. Wie ihm Bremen bislang gefällt? „Bis auf das Wetter ist Bremen eine sehr schöne Stadt. Es gibt überall Radwege.“

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