Hamburg will das Tor werden für Unternehmen, die Großbritannien verlassen wollen – Bremen sucht eher noch den Schlüssel dazu Brexit als Chance für die Hansestädte

Hamburg/Bremen. Die Hamburger Wirtschaftsförderung will gezielt Unternehmen aus Asien und den USA ansprechen, die wegen des geplanten Brexits Großbritannien verlassen wollen. Das teilte Rolf Strittmatter, Geschäftsführer der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF), am Freitag in der Hansestadt mit.
04.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen

Hamburg/Bremen. Die Hamburger Wirtschaftsförderung will gezielt Unternehmen aus Asien und den USA ansprechen, die wegen des geplanten Brexits Großbritannien verlassen wollen. Das teilte Rolf Strittmatter, Geschäftsführer der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF), am Freitag in der Hansestadt mit. Mit verstärkten Anstrengungen wolle die HWF dem erwarteten leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit in Hamburg entgegensteuern. „Hamburg hat in den vergangenen Jahren gezielt in den Technologiestandort investiert“, sagte er. „Jetzt geht es darum, Ergebnisse aus der Forschung in Innovationen umzusetzen und so zukunftsfähige Arbeitsplätze im Norden zu schaffen.“

Viele Unternehmen, die ihren europäischen Sitz in Großbritannien haben, fürchten um den Zugang zum europäischen Binnenmarkt durch den Austritt des Landes aus der Europäischen Union. Auch die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) sieht den Brexit daher als Chance. WFB-Geschäftsführer Andreas Heyer sagte dem WESER-KURIER: „Wir wollen mit diesem Thema internationale Unternehmen gezielt ansprechen, um sie für eine Ansiedlung in Bremen oder Bremerhaven zu gewinnen.“ Weit gediehen scheinen die Pläne bisher aber nicht zu sein. Heyer fügte hinzu: „Zurzeit machen wir uns intensiv Gedanken und wollen in diesem Jahr Maßnahmen dazu umsetzen.“

Dass Unternehmen von der Insel einen Umzug planen, ist nicht abwegig. Direkt nach dem Brexit-Votum 2016 überlegte das Telekommunikationsunternehmen Vodafone öffentlich, seinen Hauptsitz zu verlegen – womöglich sogar nach Düsseldorf, wo sich die Deutschland-Zentrale des Unternehmens befindet. Am Standort am Rhein sind bereits jetzt mehr als 14 000 Mitarbeiter beschäftigt. Tausende britische Kollegen würden hinzukommen. Im November zitierte das „Handelsblatt“ zudem Finanzkreise, die bekannte US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs plane, einen großen Teil ihres Geschäfts von London nach Frankfurt zu verlagern. Das würde eventuell andere Finanzdienstleister nachziehen lassen und könnte bis zu 20 000 Arbeitsplätze nach Deutschland bringen. Vor allem Banken aus den USA sind aus handelsrechtlichen Gründen auf einen Standort innerhalb der Europäischen Union angewiesen.

Nach einer aktuellen Umfrage plant jedes siebte Unternehmen, das in Großbritannien aktiv ist, Firmenteile auf den europäischen Kontinent zu verlagern. So hat es die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mitgeteilt. Dafür befragte sie mehr als 250 internationale Gesellschaften. Im Rest Europas denke nur jedes 50. Unternehmen an einen Umzug. Beim neuen Firmensitz denkt die Mehrheit der Befragten vor allem an Deutschland. 54 Prozent könnten sich ihre Zukunft in der größten Volkswirtschaft der EU vorstellen. Danach folgen die Niederlande mit 33 Prozent und Frankreich mit acht Prozent. Nur noch 22 Prozent sehen Großbritannien als führenden Investitionsstandort in Europa – 2016 waren es noch 27 Prozent. Deutschland sei für 40 Prozent der ausländischen Firmen am attraktivsten. Im Vorjahr waren es 38 Prozent. 34 Prozent der befragten Unternehmen erwarteten, dass Großbritannien in den kommenden drei Jahren an Attraktivität verlieren werde. Daher könnte bei Unternehmen, die mit dem Umzug auf das europäische Festland liebäugeln, der neue Firmensitz in einer der beiden Hansestädte durchaus eine Alternative sein.

Erst am Donnerstag hatte der in Großbritannien für den Brexit zuständige Minister David Davis den Fahrplan vorgelegt. Demnach plane das Vereinigte Königreich sowohl den Austritt aus dem europäischen Binnenmarkt als auch aus der Zollunion. Für das Land bedeutet das, Handelsabkommen mit jedem Land der Welt neu zu schließen. Als EU-Mitglied gab es bisher gemeinsame Abkommen. Spätestens Ende März will Premierministerin Theresa May in Brüssel den EU-Austritt einreichen nach Artikel 50 des EU-Vertrages von Lissabon. Dieser Vertrag sah erstmals vor, dass ein Mitgliedstaat die EU auch wieder verlassen kann.

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