Google und IBM sind Vorreiter Cebit: Roboter könnten ältere Menschen pflegen

Am Montag hat in Hannover die Computermesse Cebit begonnen - im Mittelpunkt: Roboter. Die 1,20 Meter kleinen Geräte könnten bald ältere Menschen und Hotelgäste betreuen. Google hat dabei die Nase vorn.
15.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Renate Grimming

Am Montag hat in Hannover die Computermesse Cebit begonnen - im Mittelpunkt: Roboter. Die 1,20 Meter kleinen Geräte könnten bald ältere Menschen und Hotelgäste betreuen. Google hat dabei die Nase vorn.

Das Match ist noch nicht zu Ende, doch Go-Meister Lee Sedol hat schon verloren. Erstmals besiegte mit Alpha Go von Google eine Maschine einen Menschen in dem über 2000 Jahre alten Brettspiel – und das gleich in drei Spielen in Folge. Alpha Go erstaunte selbst Kenner mit Zügen, auf die ein Mensch nie gekommen wäre. In Sachen künstlicher Intelligenz dürfte Google damit derzeit die Krone aufhaben, sagt Jo Bager, Redakteur beim Fachmagazin „c‘t“, am Montag auf der Cebit in Hannover. Andernfalls hätte sich kein Unternehmen einen solchen medialen Coup entgehen lassen.

"Pepper" kann Emotionen seines Gesprächspartners erkennen

Auf der IT-Messe sorgt indes auch IBM für Aufmerksamkeit. Der kleine Roboter Pepper eroberte bereits die Herzen der Messebesucher im Sturm – auch mit kleinen Tanzeinlagen. Die Technologie von IBMs Supercomputer Watson macht ihn intelligenter. In Japan sind von dem 1,20 Meter kleinen Roboter mit den schwarzen Knopfaugen rund acht Monate nach dem Verkaufsstart bereits 10.000 Stück im Einsatz – auch in privaten Haushalten. „Wir erwarten, dass die technologische Entwicklung rasant fortschreitet“, sagte Martina Koederitz, Chefin von IBM Deutschland. Der Einsatz werde in den jeweiligen Ländern aber auch von kulturellen Faktoren abhängen.

Pepper spricht 20 Sprachen und erkennt anhand des Gesichtsausdrucks die Emotionen seines Gesprächspartners. Auch auf der Cebit ist er wieder mit seinem kleinen Bruder mit Namen Nao unterwegs. Der soll künftig in der Hotelkette Hilton bei der Betreuung der Gäste aushelfen.

Hinter den knuddeligen Robotern arbeitet IBMs Watson, eine Technologie, die künftig für das Internet der Dinge in München eine europäische Zentrale erhalten soll. Es sei für IBM das größte Zentrum für entsprechende Entwicklungen außerhalb der USA, betonte Koederitz. Dort solle erprobt werden, wie etwa die Fertigung mit Hilfe der Technologie automatisiert und die verschiedensten Dinge, seien es Traktoren, Autos oder Lampen, vernetzt werden könnten.

Roboter könnten ältere Menschen betreuen

Auch Pepper könne künftig etwa bei der Lösung demografischer Herausforderungen helfen. So könne die Robotertechnik für die Begleitung älterer Menschen eingesetzt werden. Watson hatte 2011 für Aufsehen gesorgt, als das System in der Quizsendung „Jeopardy“ erstmals zwei menschliche Gegner schlagen konnte und die Rekordsumme von einer Million Dollar einstrich. Mit der Technologie will IBM vor allem die Fähigkeit von Maschinen beim Verstehen der natürlichen Sprache des Menschen voranbringen. „Wir sprechen nicht von künstlicher Intelligenz, sondern von kognitiver Interaktion“, sagt Koederitz. Dabei gehe es darum, die verschiedensten Typen von Daten zu verstehen und sie in einen Kontext zu setzen.

Künstliche Intelligenz, kognitive Interaktion, „Deep Learning“ oder neuronale Netze – derzeit herrsche geradezu ein „Begriffswirrwarr“, die Disziplin habe eine Vielzahl von Techniken und Bezeichnungen hervorgebracht, sagt „c‘t“-Redakteur Bager. Bisher hatte es für entsprechende Lösungen und selbstlernende Systeme einfach an der nötigen Rechenleistung gefehlt. Die ist heute verfügbar – und das Thema erlebt eine Renaissance.

Google und Microsoft suchen nach Fachkräften in Deutschland

Deutschland könnte bei der weiteren Entwicklung dabei eine führende Rolle einnehmen. Das größte Zentrum für Künstliche Intelligenz gebe es in Deutschland, nicht in den USA, betonte Wolfgang Wahlster, Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken, das auch eine Zweigstelle in Bremen hat. In der Forschung gehe man dort ans Limit, sagte der Professor auf der Cebit.

Hierzulande würden aber keine falschen Versprechungen an die Industrie gemacht. Vielfach würden in den USA große Hoffnungen geschürt, was künftig alles möglich sein könne. „Große Unternehmen wie Google und Microsoft kommen deshalb alle zu uns.“ Außerdem scheinen alle, Google, Microsoft oder auch Yandex, aber auch Baidu oder Facebook auf der Suche nach Köpfen zu sein, sagt Bager. „In den USA ist der Markt schon leergefischt.“

Gearbeitet wird auch an künstlicher Intelligenz, die Bilder erkennen und zuordnen kann – oder Robotern, die sogar in der Manier berühmter Künstler malen können.

Gabriels „Digitale Strategie 2025“

Mit einem milliardenschweren Zehn-Punkte-Plan will die Bundesregierung einen Rückstand Deutschlands beim digitalen Wandel verhindern. Zur Strategie von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gehören ein Fokus auf Glasfaser-Leitungen und der Aufbau einer Digitalagentur als Schaltzentrale. „Die erfolgreiche digitale Transformation unserer Volkswirtschaft ist die Voraussetzung für den Erhalt und die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit“, erklärte der Vize-Kanzler. „Unser Ziel ist es, Deutschland zum modernsten Industriestandort zu machen.“ Auf der IT-Messe Cebit warnte die Industrie unterdessen vor Rückschlägen durch zögerlichen Netzausbau und Fachkräfte-Mangel. Es sei „Gefahr im Verzug“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Unser Land ist von einer hochleistungsfähigen digitalen Infrastruktur weit entfernt.“ (dpa)

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